Allgegenwärtige sexistische Werbung…

…und warum ich es aufgegeben habe, dagegen zu kämpfen.

Quelle: frauenseiten, Barckhausen

Quelle: frauenseiten, Barckhausen

Wieder einmal muss es getan werden: auf sexistische Werbung hinweisen, sie verurteilen, auffordern zur Selbstverpflichtung, so nicht mehr zu werben, Gesetze fordern und so weiter und so fort. Okay, ich weiß nicht, zum wievielten Mal es auf die Agenda gesetzt wird, gesetzt werden muss, dort zu bleiben hat. Denn es ändert sich nichts, nun ja, vielleicht in homöopathischen Dosen. Es ist untragbar, dass es immer wieder Thema zu sein hat: Sexismus in der Werbung. Auf diskriminierende Weise wird Werbung gemacht mit dem Körper, dem Aussehen von Frauen. Sie müssen jung sein, schlank, meistens müssen sie lange Haare haben, und in der Regel sind sie fast nackt. Und im Weiteren hat diese Nacktheit nichts mit dem zu bewerbenden Produkt zu tun.

Nicht mehr und nicht weniger:
Es gibt viele Gründe, die mich bewogen haben, mich nicht mehr um sexistische Werbung zu kümmern. Mir fällt dazu nur das Wort Sisyphusarbeit ein. Ich hatte/habe einfach das sinnstiftende Miteinander im Kämpfen dagegen verloren. Und ich hatte auch keine Lust mehr, mich mit anderen Frauen auseinander zu setzen oder gar zu streiten, die ‚alles gar nicht so schlimm fanden/finden‘ bzw. ‚dass ich manches Mal einfach zu empfindlich wäre‘. Und: ’sie würden selbstbewusst drüber stehen‘.

Kleine Kugel rollt abwärts

Quelle: frauenseiten
Fotograf: Barckhausen

Andererseits ist es aber auch so, dass ich mit denjenigen, mit denen ich in Übereinstimmung war/bin, auch nicht weitergekommen bin. Wir waren uns einig, bestätigten uns gegenseitig und hatten keine Ideen mehr. Nur unsere verbale Wut blieb. Wir erinnerten uns wehmütig an frühere Aktionen, die meist nachts ausgeführt wurden: Plakate überkleben, die Schlösser von Pornoläden verkleben,…

Überall und immer:
Es ist einerlei wohin ich schaue, Werbung, Filme, Fernsehen, Musik, keine Branche kommt ohne sexualisierte Inhalte mehr aus. Selbst in der Politik schien es (zumindest 2009) nicht mehr anders zu gehen: ein Plakat, Angela Merkel und Vera Lengsfeld, beide zeigten ihren teilweise nicht verdeckten Busen: „Wir haben mehr zu bieten – CDU“. Dieser Stimmenfang war sehr befremdlich.
Jetzt könnte es heißen, selbst Schuld, wer anderes dabei denkt, als nur das, was abgebildet wird. Nein, gerade weil sofort Sex oder ähnliches im Kopf erscheint, zeigt es an, dass die Bilder entsprechend konnotiert, also zu deuten sind, und wie intensiv jede/jeder von uns damit zu tun hat. – Was diese sexualisierte Gesellschaft für Kinder und Jugendliche bedeutet, ihr Hineinwachsen in heutige Wertvorstellungen, mit welchen Mitteln die Werbeindustrie diese junge Kundschaft für später zu „halten“ versucht, um ihre Milliarden an Umsätzen zu sichern, ist ein neues Thema.

Mehr oder weniger hilfreich:

Desktop Ausschnitt

Quelle: frauenseiten
Fotograf: Barckhausen

Es ist gut, dass es den [la www.werberat.de]Deutschen Werberat[le] seit den 1970er Jahren gibt und es wird ihn noch weitere Jahrzehnte geben (müssen), denn sexistische Werbung wird nicht aufhören. Auf der Hompepage des Werberats ist beispielhaft aufgeführt, was als Beschwerde eingereicht und wie entschieden wurde. Die Themen haben sich im Laufe der Jahre nur graduell verändert, Sexismus hat seine Größenordnung behalten. Nebenbei: würde ich im Entscheidungsgremium sitzen, hätte ich viel häufiger anders entschieden, als ich dort nachlesen kann. Meine „rote Linie“ wäre viel öfter, viel kürzer ausgefallen, viel heftiger in der Betrachtung und im Rügen von sexistischer Werbung. Noch einmal nebenbei: in diesem Gremium sind zurzeit 13 Menschen tätig, zwei davon sind Frauen.

Auf ein Neues:
Ich möchte mich nicht stumpf und unempfindlich erleben, um durch einen Alltag zu gehen, den ich in einer desensibilisierten, sexualisierten Gesellschaft – ich kann auch sagen, in einer zunehmend verwahrlosten Gesellschaft – lebe. Deshalb schaue ich jetzt oft weg, will mich nicht mehr aufregen, überlege keine Aktionen mehr. Doch ich habe ein neues Thema: Altersdiskriminierung. Da gibt es auch genug zu tun.

 

Angelika Behnk

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