Die Begnadigung von Chelsea Manning

Am 17. Januar begnadigte der damalige Präsident Barack Obama die ehemalige Soldatin Chelsea Manning. Manning hatte mehr als 750.000 vertrauliche Dokumenten dem Portal WikiLeaks zur Verfügung gestellt. Sie wurde dafür zu 35 Jahren Haft verurteilt, kann nun aber nach nur wenigen Jahren im Mai das Gefängnis verlassen. Für ihre Freilassung wurden von vielen Aktivist*innen protestiert, Mannings Handlungen als mutig und notwendig bezeichnet. Andere bezeichnen sie als Verräterin.

Mannings Jugend

Chelsea Manning kam als Bradley Manning im Jahr 1987 auf die Welt. Nach einer schwierigen Kindheit, inklusive eines Umzugs nach Wales und zurück in die Staaten als Teenager und alkoholkranken Eltern. Manning schreibt sich mit nur 20 Jahren beim Militär ein. Sie hofft auf ein Studium, das vom Militär unterstützt werden würde. Die Entscheidung zum Militär zu gehen, habe ihr die Hoffnung gegeben, in einem solch maskulinen Umfeld ihre Gender-Probleme endgültig zu lösen. Schon als Kind wurde sie für ihr weibliches Aussehen von anderen Kindern gehänselt. Sie erhoffte sich Klarheit, erfuhr jedoch weitere Diskriminierung und Mobbing. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Nähe von Bagdad in 2008/2009, wo sie Zugriff auf vertrauliche Server hat, nimmt sie 2010 Kontakt mit WikiLeaks auf.

Eine Verräterin?

Manning hatte bereits vor dem Kontakt mit WikiLeaks versucht, das vertrauliche Material an größere Tageszeitschriften zu geben, diese lehnten jedoch ab oder meldeten sich gar nicht erst zurück. Sie schickte die Dateien an WikiLeaks in der Hoffnung, ihrem eigenen Land die im Krieg begangenen Fehler aufzuzeigen. Im Interview mit Amnesty International gab Chelsea Manning einen klaren Grund für ihre Handlung:

Humanity has never had this complete and detailed a record of what modern warfare actually looks like.

Once you realize that the co-ordinates represent a real place where people live; that the dates happened in our recent history; that the numbers are actually human lives […] then it’s difficult to ever forget how important these documents are.

Die Menschheit müsse verstehen, worum es im modernen Krieg eigentlich geht – nicht um abstrakte Koordinaten oder Zahlen, sondern um Menschenleben. Und dieses Wissen, so Manning, ließe einen nicht mehr los. Diese Meinung teilen jedoch nicht alle. Viele Amerikaner*innen sehen in Mannings Handlungen einen Hochverrat. Sie habe unzählige Menschenleben mit der Freigabe so sensibler Dokumente aufs Spiel gesetzt. Das Gericht erkennt Mannings Absicht zwar an und mildert den Vorwurf der Spionage ab. Nichtsdestotrotz wurde Chelsea Manning zu 35 Jahren Haft verurteilt. Mit der Begnadigung durch Barack Obama, der Mannings Strafe als „unverhältnismäßig“ bezeichnete, verbrachte sie aber insgesamt sieben Jahre im Gefängnis.

Von Bradley zu Chelsea Manning

Chelsea Manning erlangte ebenfalls viel internationale Aufmerksamkeit, da sie eine Transfrau ist. Schon als Kind habe sie sich als Frau gefühlt. Doch die homophobe Umgebung des Militärs ist keine gute Atmosphäre für die unsichere Chelsea, zu diesem Zeitpunkt noch bekannt als Bradley. Bis 2011 galt im amerikanischen Militär noch: Don’t ask, don’t tell-Gesetz („Stell keine Fragen, gib keine Antworten“). Damit durften Homosexuelle, die ihre Sexualität nicht offen auslebten, beim Militär arbeiten und nicht diskriminiert werden. Offene Homosexualität konnte aber als Kündigungsgrund verwendet werden. Chelsea erfuhr in den letzten Jahren dieses Gesetzes noch Anfeindung und wurde aufgrund ihrer Sexualität und „femininen Auftretens“ diskriminiert. 2013, nach ihrer Verhaftung, hat Chelsea ihr öffentliches Coming Out. Ein privat veröffentliches schwarz-weißes Bild von ihr mit einer blonden Perücke ging um die Welt, ihr erstes Outing als Frau. Im Gefängnis erhielt sie schließlich die legale Erlaubnis, ihren Namen zu ändern, ebenso wie eine Hormonbehandlung.

Mit ihrer voraussichtlichen Freilassung im Mai 2017 könnte sich das Leben von Chelsea Manning nachhaltig verändern, sowohl zum Positiven, als auch zum Negativen. Die neu gewonnene Freiheit macht sie auch ein Ziel derer, die in ihrer Tat einen akuten Verrat sehen.

Kim Hofschröer

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