Co-Parenting: Das neue Familienmodell?

Der Wunsch nach Kindern ist keine Idee, die limitiert ist auf Beziehungen. Viele Frauen, und natürlich auch Männer, haben in ihrem Lebensplan Kinder fest mit integriert. Aus Amerika schwappt ein „System“ nach Deutschland, das diese Planung auch ohne Beziehung vereinfacht: Co-Parenting, das Familienkonzept, das eine Partnerschaft ohne Liebe vorsieht. Über Online-Börsen finden Menschen den anderen Menschen – auf Grundlage einer freundschaftlichen Beziehung.

Mutter mit zwei Kindern auf einem Weg

(c) barckhausen

Kinder ohne feste*n Partner*in?

Kinder möchten viele Menschen, eine eigene Familie zu haben ist oftmals ein großes Glück. Aber was, wenn dann der geeignete Zeitpunkt da ist, die Situation perfekt – nur der/die Partner*in fehlt? Adoption wird oft nicht in Betracht gezogen, wenn man alleine ist, werden doch Alleinstehende selten für eine Adoption als geeignet angesehen. Für Frauen steht die künstliche Befruchtung im Raum, doch Kosten und die Perspektive, sich alleine um ein Kind kümmern zu müssen, sind schnell die Gegenargumente. Alleine erziehen geht, das zeigt der Alltag vieler Eltern sehr erfolgreich, aber viele wollen auch gerne die zusätzliche Unterstützung eines*r Partner*in. Auch für viele Frauen stellt sich die Frage, ob man durch künstliche Befruchtung ein Kind von einem unbekannten Mann bekommen möchte. Für viele sind die klassischen Lösungen einfach nicht ausreichend.

Die Hilfe: Co-Parenting

Hier setzt das Konzept des Co-Parentings ein. Über Online-Plattformen wie Familyship werden, fast wie beim Online-Dating, potenzielle Partner*innen für ein Kind gesucht. Die Bedingung für diese Partnerschaft: Keine Gefühle. Die Partnerschaft basiert auf Freundschaft und der gemeinsamen Verantwortung, ein Kind liebevoll großzuziehen, und auf mehr nicht. Lesbische Paare suchen einen Mann für die Zeugung des Kindes und für die Vaterfigur, Singles jeglicher sexuellen Orientierung suchen einen jeweils andersgeschlechtlichen Partner, um die traditionelle Mutter- und Vaterfigur geben zu können – die Kombinationen an Anfragen sind endlos und so kreativ, wie das Leben ist. Diese Börsen bieten vor allem eins: Eine Anlaufstelle und Portal für alle, die sich den Kinderwunsch erfüllen wollen, so getreu der Vorstellung einer klassischen Familie, wie es eben geht.

Partnerschaft und Liebe – nur eben anders

Auf Blogs und in Magazinen sieht man viele Erfolgsgeschichten von Paaren, die sich so gefunden haben. Liebe, so der Konsens in diesen Artikeln, ist natürlich vorhanden – aber fern von sexueller Liebe. Es geht um den gemeinsamen Respekt, um die Liebe zum gemeinsamen Kind und die liebevolle Freundschaft zwischen den Elternteilen. Manche leben zusammen als „richtige“ Familie, manche wohnen in derselben Stadt, nur in getrennten Wohnungen, weil der eigene Freiraum doch zu wichtig ist. Diese Freiheit, die dieses Konzept lässt, ist für viele das Hauptargument, warum Co-Parenting als Lösung gewählt wird. In der heutigen Zeit, wo Lebensmodelle so vielfältig sind wie die Menschen selbst, gibt es manchmal keine Bilderbuch-Lösung für alle Situationen. Auf einen Wunsch verzichten, muss deswegen aber zum Glück niemand, wenn man nur bereit ist, den etwas unorthodoxen Weg zu gehen. Das Kind ist in der ganzen Geschichte wohl das Unbekümmertste: Es hat Eltern, die es lieben, mal zwei, mal drei, mal sogar vier Elternteile, aber geliebt wird es trotzdem. Und darauf kommt es eben auch an.

Kim-Nicola Hofschröer

  2 comments for “Co-Parenting: Das neue Familienmodell?

  1. Alwine
    14. Juli 2016 at 16:30

    Liebe Kim-Nicola,
    danke für deinen informtiven Artikel! Vieles war für mich ziemlich neu. Nur an einer deiner Sätze habe ich mich gestört: Du sagst in dem Absatz Die Hilfe: Die Hilfe: Co-Parenting: „Die Bedingung für diese Partnerschaft: Keine Gefühle.“ Das finde ich einen sehr eingeschränkten Begriff von Gefühl – Freundschaft und Liebe zu einem Kind sind doch auch Gefühle, nicht nur die Liebesbeziehung im engeren Sinne, oder??
    Der ganze Text drückt das ja auch aus, von daher denke ich, darum finde ich ihn auch sehr gut!

  2. Finni
    14. Juli 2016 at 21:11

    Liebe Kim-Nicola,
    Alwine hat recht. Eine solche Konstellation, wie immer sie sich auch bildet, muss davon getragen sein, dass es dem Kind gut geht. Wir haben alle kein Recht auf ein (eigenes) Kind, aber Kinder haben ein Recht auf Kontinuität und Vertrauen. Wenn das gewährleistet ist, ist so manche anlässlich gesuchte Beziehung vielleicht stabiler als eine körperliche Elternbeziehung.
    Mich beschleicht immer wieder die Sorge, dass wir so sehr meinen, dass das, was wir uns wünschen, wir auch zur Erfüllung bringen müssen. Aber dass es hierbei um einen Dritten, ein Kind, ein Subjekt (!) geht rückt dann etwas in den Hintergrund. Im letzten Absatz Deines Artikels finde ich es gut beschrieben. Von daher: Danke für den Artikel.

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