Das Vermächtnis von Lieutenant Uhura

Eine schwarze Frau in einer Führungsposition im Weltall – das hatte in der Tat noch nie zuvor ein Mensch gesehen. Nichelle Nichols in ihrer Rolle als Lieutenant Uhura in Raumschiff Enterprise inspirierte Generationen von Afro-Amerikanerinnen, ihre Ziele zu verfolgen.

Ein großer Schritt für die Menschheit

Zeichnung: Afro-Amerikanerin in Sternenflotten-Uniform

Lieutenant Uhura auf der Brücke (c) Hannah Lena Puschnig

Raumschiff Enterprise wurde etwa zehn Jahre nach dem offiziellen Ende der gesetzlichen Rassentrennung in den USA zum ersten Mal ausgestrahlt. Mit an Bord der U.S.S. Enterprise ist Kommunikationsoffizierin Lieutenant Nyota Uhura, gespielt von der Afro-Amerikanerin Nichelle Nichols. Welche Bedeutung ihre Rolle haben sollte, war Nichelle Nichols zunächst nicht bewusst. Raumschiff Enterprise war ein Nischenprogramm. Zwar ging in den Abenteuern von Captain Kirk und Co. auch um den technologischen Fortschritt und den Forschungsdrang, die bisher die Science Fiction dominierten, im Fokus standen jedoch oftmals soziale oder ethische Fragen. Raumschiff Enterprise präsentierte eine Zukunft der Völkerverständigung und Gleichberechtigung.

Nicht immer sah es hinter den Kulissen genauso aus. Drehbuchautor*innen gaben Nichelle Nichols oft nur wenig Text. Die Schauspielerin und Sängerin fühlte sich unterfordert. Während die männlichen Crewmitglieder minutenlang Pläne auf der Brücke schmieden, sitzt Uhura stumm außerhalb des Bildausschnittes. Szenen, in denen sie mehr auftaucht, wurden häufig vor dem Dreh gestrichen. Fanpost wurde nicht an sie weitergeleitet. Nach der ersten Staffel wollte Nichelle Nichols kündigen. Ihr wurde eine Rolle in einem Stück am Broadway angeboten. Gene Roddenberry, Schöpfer der Serie, gab ihr ein Wochenende Bedenkzeit. Auf einem Charity-Dinner begegnete Nichelle Nichols jemandem, der ihre Meinung ändern sollte.

Martin Luther King war ein Fan von Uhura

Männerporträt in schwarz-weiß

Martin Luther King Jr., Bürgerrechtsaktivist (c) By Nobel Foundation (http://nobelprize.org/) [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

„Ich glaube, es war Schicksal“, erzählt sie in einem Fernsehinterview. Dieser jemand war Martin Luther King Jr., der die Bürgerrechtsbewegung mit anführte. Seine Familie seien die größten Fans, sagte er. Raumschiff Enterprise sei die einzige Serie im Fernsehen, für die seine Kinder länger aufbleiben durften. Daraufhin war Nichelle Nichols sprachlos.

Als sie ihm berichtete, dass sie die Serie verlassen würde, war er schockiert. „Er sagte: ,Uhura ist mehr als eine Kommunikationsoffizierin. Sie ist ein Symbol. Sie wissen vielleicht nicht, wie wichtig Ihre Arbeit ist, aber wir, die für Gerechtigkeit kämpfen, halten an und setzten uns jeden Donnerstag vor den Fernseher‘“, berichtete sie Makers. Als sie ihm erklärte, dass sie die Serie verlassen würde, war er bestürzt. Das könne sie nicht machen, sagte er. Zum ersten Mal würden Afro-Amerikaner*innen im Fernsehen so gezeigt, wie sie jeden Tag gesehen werden sollten.

Uhura schreibt Fernsehgeschichte

Uhura ist eine vielseitige Figur: Sie ist sympathisch und humorvoll. Sie liebt es, andere Sternenflottenoffizier*innen zu imitieren und musiziert gemeinsam mit Mr. Spock. Nyota Uhura wurde in den Vereinigten Staaten von Afrika geboren. Ihr Vorname Nyota bedeutet „Stern“ auf Swahili. Der Nachname Uhura leitet sich von dem Wort für „Freiheit“ ab. An Bord der U.S.S. Enterprise hat sie eine hohe Position. Uhura ist Kommunikationsoffizierin. Sie ist zuständig für die interne Verständigung und die Verbindung zu anderen Schiffen. Uhura hat ein Faible für Mathematik und ist eine begnadete Linguistin. Neben ihrer Muttersprache Swahili spricht sie Englisch und die außerirdischen Sprachen Vulkanisch und Klingonisch. „Sie duldet keinen Unsinn“, erzählte Nichelle Nichols Makers, „sie ist sehr professionell.“

Raumschiff Enterprise war ebenso die erste amerikanische Fernsehserie, die einen Kuss zwischen einer dunkelhäutigen Frau und einem weißen Mann zeigte. In ihrer Autobiografie erzählt Nichelle Nichols, dass auch eine alternative Fassung der Szene gedreht werden sollte, in der sie sich Lieutenant Uhura und Captain Kirk nicht küssten. Gemeinsam mit William Shatner (Captain Kirk) vermasselte sich absichtlich jeden Take, damit nur die Szene mit Kuss gesendet werden konnte.

Lieutenant Uhura ist Vorbild

Auch Schauspielerin Whoopie Goldberg saß als junges Mädchen vor dem Fernseher und schaute Raumschiff Enterprise. Schon mehrfach erzählte sie, wie sie damals ihre Familie zusammentrommelte, denn auf dem Bildschirm war eine schwarze Frau zu sehen, die keine Dienstbotin war. Ein einschneidendes Erlebnis, das mit dafür sorgte, dass sie sich für die Schauspielerei entschied. Jahre später spielte Whoopie Goldberg die Bardame Guinan an Bord der Enterprise in Star Trek: Das nächste Jahrhundert.

Mae Jemison war 1992 die erste Afro-Amerikanerin, die es tatsächlich ins All schaffte. Als Kind schaute sie Raumschiff Enterprise, Lieutenant Uhura war ihr Vorbild. Gespräche mit der Raumbasis in Houston begann Mae Jemison mit „Frequenz offen“, dem Spruch, der zu Uhuras Markenzeichen geworden war. Zurück auf der Erde übernahm Mae Jemison eine Gastrolle in Star Trek: Das nächste Jahrhundert. Mit Nichelle Nichols verbindet sie eine Freundschaft.

Später arbeitete Nichelle Nichols bei der NASA. Sie half dabei, mehr Frauen und People of Colour für die Raumfahrtprogramme und Wissenschaft zu rekrutieren.

Nichelle Nichols ist auch heute noch sehr aktiv in der Star Trek-Gemeinde. Ihre Rolle der Uhura inspiriert nach wie vor Menschen weltweit.

Hannah Lena Puschnig

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