Die neue Macht der alten Machos

Es vergeht kaum ein Tag, indem nicht einer der auf der politischen Bühne agierenden Machos einem das Gefühlt vermittelt, die Zeit werde um 50 Jahre zurückgedreht und mit ihr grundlegende demokratische Werte. Angriffe auf errungene Frauenrechte und Diskreditierung und Diffamierung von Frauen werden hoffähiger denn je.

Aktuell auf der politischen Weltbühne: Donald Trump

In den USA hält der „Elect President“ es für nötig, Schauspielerin Meryl Streeps künstlerische Fähigkeiten nur deshalb in Frage zu stellen, weil sie sein rassistisches Auftreten kritisierte – wohl auch eine Reaktion darauf, dass sich viele angesprochene US-Musiker*innen geweigert haben, auf seiner Inauguration im Januar zu spielen.

Nadia Tolokonnikova, die zwei Jahre wegen „Hooliganismus“ in Zusammenhang mit der Pussy Riot-Aktion in einer Kirche inhaftiert war, hat während der Wahlkampagne gegen Trump agiert: Die Band veröffentlichte ein provokatives Video namens „Make America Great Again“ und Nadia sagte: „Also, ich wollte nicht, dass Donald Trump gewählt wird, denn es ermutigt offensichtlich autoritäre Politiker auf der ganzen Welt, autoritärer zu sein.“ Wie sehr sie Recht hat, zeigen die Entwicklungen in vielen Ländern.

Abtreibungsdebatte in Polen

In Polen versuchte der Präsident die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs abzuschaffen – dank breiten Protestes ist es nicht gelungen. Die polnische EU-Abgeordnete Angelika Mlinar bemerkte während der Aussprache zur aktuellen Lage der Macht und Frauenrechte in Polen im Europäischen Parlament am 05.Oktober 2016 zur Situation:

„Eines möchte ich hier unmissverständlich klarstellen: Ein Angriff auf die Rechte der Frauen stellt immer auch einen Angriff auf die liberale Demokratie und unsere offene Gesellschaft dar. Ein wesentlicher Teil davon ist die Achtung der Menschenrechte und der Frauenrechte.“

Und die Türkei…?

Wie Recht sie hat, zeigt das erschreckende Handeln Erdogans in der Türkei, in der er mit allen Attitüden eines Supermachos seine unumschränkte Macht durch die Verfassungsänderung zu festigen versucht. Dabei scheut er sich nicht, tausende von Menschen ohne jegliche Beweise zu inhaftierten – jede Woche wieder Tausende, die mit der Behauptung, sie stünden der PKK oder der Gülen-Bewegung nahe, eingekerkert werden. Sein Ziel: Ohne Widerspruch zu schalten und zu walten zu können. Widerspruch, wie ihn die türkische Autorin artikulierte und dafür wegen „Terror-Propaganda“ verhaftet wurde. Ähnlich ging es der angeklagten türkischen Schriftstellerin Asli Erdogan und die mitangeklagte Übersetzerin Necmiye Alpay, die Erdogan ein für alle mal ausschalten wollte. Sie wurden zwar vorläufig entlassen, müssen aber eine erneute Verhaftung und möglicherweise lebenslange Haft befürchten. Damit sie ja nicht auf die Idee kommen, das Land zu verlassen, drohte Erdogan schon mal die Entziehung der Staatsbürgerschaft an.

Angesichts dieser Ereignisse komme ich immer mehr zu der Meinung, dass ein koordiniertes Vorgehen aller Feminist*innen notwendig wäre: „Make Feminism stronger than ever!“

Edith Laudowicz

  1 comment for “Die neue Macht der alten Machos

  1. Finni
    21. Januar 2017 at 18:54

    Die vielen Women’s Marches auf der ganzen Welt am heutigen Samstag zeigen, dass das vielleicht möglich ist!

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