Feminismus und Pornografie: PorNo, PorYes oder PorLibre?

Feminismus und Pornografie stehen zueinander zu recht in einem sehr kontroversen, viel diskutierten Verhältnis.

Barbie liegt auf einer roten Decke, der Oberkörper ist nackt, der Rock runter gerutscht

(c) frauenseiten, Eck

Während früher Feministinnen wie Alice Schwarzer die diskriminierende, entwürdigende und gewaltverherrlichende Darstellungsweise von Frauen in Pornofilmen anprangerten, scheint Pornografie in der heutigen Gesellschaft allgemein als akzeptiert, zumindest als ignoriert zu gelten. Inzwischen sind Pornofilme nur drei Mausklicks entfernt und für alle einsehbar.

Reden wir erstmal vom Geschäft:

Der größte Sex- und Pornomarkt ist heute das Internet. So fanden sich im März 2007 in der Internet-Suchmaschine Google unter dem Stichwort „Sex“ 377 Millionen Links, bei Yahoo 499 Millionen; und unter „Pornography“ 17 Millionen Links, bei Yahoo 80 Millionen. Direkt nach den USA gilt Deutschland als zweitgrößter Pornomarkt der Welt. Monatlich erscheinen hier über tausend neue Porno-DVDs. Der deutsche Jahresumsatz allein im DVD-Bereich wird zur Zeit auf 800 Millionen geschätzt. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich die Handypornografie als neuer Markt etabliert. Bereits im Jahre 2009 machte sie einen Umsatz von zwei Milliarden US-Dollar aus –Tendenz steigend. (Quelle: Emma)

Pornografie und der Anti-Porno Feminismus

Die Argumentation des sogenannten Anti-Porno-Feminismus besagt, Frauen würden in den meisten pornografischen Darstellungen sexuell diskriminiert, weil Pornos Frauen als ständig verfügbares Lustobjekt darstellten. Die bereits im Jahre 1987 ins Leben gerufene PorNO-Kampagne wendet sich gegen eben solche pornografische Darstellungen. Prominente Feministinnen wie Catherine McKinnon in den USA und Alice Schwarzer hier in Deutschland werfen dem Porno vor, sexistische Rollenbilder zu reproduzieren. Sie lehnen die „verharmlosende oder verherrlichende, deutlich erniedrigende sexuelle Darstellung von Frauen“ strikt ab. Die Frau unterwerfe sich in einer herabwürdigen Art und Weise den sexuellen Wünschen des Mannes. Darüber hinaus habe die Frau keinerlei Handlungsfreiheit sondern sie wird als ein immer williges Objekt dargestellt. Ein weiterer Vorwurf lautet, dass Pornos zu einer Herabsetzung der Hemmschwelle für reale Diskriminierung führen würden. Denn zunehmend mehr Männer würden auch von ihren eigenen Freundinnen oder Frauen dieselben erniedrigenden Praktiken erwarten.
Die Kritik des Feminismus am Porno ist durchaus berechtigt: So konnten Neuropsychologen nachwiesen, dass das allgemeine Einfühlungsvermögen und die emotionale Intelligenz bei den KonsumentInnen von Pornografie rapide gesunken sei. Allarmierend hierbei ist die Tatsache, dass es sich dabei mehrheitlich um junge Männer handelt. Steuern wir also auf eine herz- und seelenlose Zukunft zu, in der die Frauen Menschen zweiter Klasse sind?

Pornographie vs. sexuelle Freiheit

In den letzten dreißig Jahren gibt es auch eine gegenteilige Strömung. Der Pro‐Porno‐Feminismus entstand als Reaktion auf den Anti‐Porno‐Feminismus. Die Argumentation lautet, Porno als ein Mittel zu begreifen, um eine andere Geschichte zu erzählen. Porno müsse nicht zwangsläufig eine „Erotisierung der Unterwürfigkeit sein“, sondern ließe sich auch als eine Form der sexuellen Freiheit begreifen – natürlich unter der Bedingung des beidseitigen Einvernehmens. Die Autorin und Moderatorin Charlotte Roche beispielsweise kann die Argumentation der Anti‐Porno‐Feministinnen nicht nachvollziehen. Auch sie, die sich als Feministin versteht, schaue gelegentlich Pornos. Die Pro-Porno Feministinnen sehen in Pornos eine Möglichkeit zur Befreiung der Frau und ihrer sexuellen Lust. Als Gegenbewegung auf Alice Schwarzers PorNO‐Kampagne entwickelten einige von ihnen das feministische Gütesiegel für Pornos „PorYes“. Inhaltlich widerspricht diese Bewegung Schwarzer aber nicht grundsätzlich: Sie zeigt sich einverstanden damit, dass Pornos, die sexistische, rassistische und gewalttätige Darstellungen zum Inhalt haben, verboten werden sollten. Damit auch Frauen Spaß an Pornos haben können, braucht es also andere Filme. So wird seit 2009 in Berlin der »Feministische Pornofilmpreis Europas« verliehen. Dabei werden Pornoproduktionen ausgezeichnet, die frauen- und genderfreundliche pornographische Darstellungen in Szene setzen. Die Kriterien hierbei lauten: die Lust von Frauen muss hierbei im Mittelpunkt stehen, die Vielfalt der Perspektiven, des Alters, der Kulturen soll Respektiert werden und Frauen sollten wesentlich an der Produktion der Filme beteiligt sein.

Also nun doch falscher Alarm?

Ob nun PorYes oder PorNo. Das Problem an beiden Sichtweisen ist, dass sie beide einige Fakten ausblenden. Während der Anti-Porno Feminismus sofort die Parallelen zur Gewalt gegen Frauen zieht, stellt der Pro-Porno Feminismus die feministische Pornografie als eine „heile Welt“ dar. Tatsache aber ist, dass Pornografie ein von Männern dominiertes Genre ist. Männer produzieren vorwiegend, Männer konsumieren vorwiegend. Die Darstellungen in den herkömmlichen Pornos sind fast ausschließlich Männerfantasien. Es ist fraglich, ob sich frauenfreundliche Pornos langfristig durchsetzen können.

Es lässt sich nur schwer eine Aussage darüber treffen, ob Frauen-Positive Pornografie tatsächlich etwas zur Befreiung der Frau aus vorgegebenen Rollen und zur Verhinderungen von Ungleichheiten und Diskriminierung beiträgt. Denn die Ansicht, dass Frauen Männern stets sexuell zur Verfügung stehen sollten, hat sich durch die Medien und Werbung auch bei den Frauen festgesetzt.

Pauline Lis

  1 comment for “Feminismus und Pornografie: PorNo, PorYes oder PorLibre?

  1. Julia Waldersee
    28. November 2016 at 16:35

    hallo,
    möchte bitte in euren Newsletter-Pool eingetragen werden.
    Zum Beispiel die Texte zu :PorNo-PornYes“fand/find ich recht informativ!
    liebe Grüße

    Julia (Waldersee)

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