Feministinnen haben mehr Spaß! (Inouïe!)

Zeichnung im Comic-Stil, geöffneter Mund

© frauenseiten, Tönsing

Vor einigen Wochen empfahl ich einer Freundin die Netflix-Serie „Orange is the New Black“. Eine Frauen-Gefängnisserie mit Trans*personen, Lesben, Heteros, Dicken, Dürren, Verrückten, Liebe, Enttäuschung, Gewalt. Und Sex. Realer Sex – ohne „wohltemperiertes“ Seufzen und Stöhnen und perfekte Körper. Ich liebe diese Serie. Die besagte Freundin auch. Ihr Freund schaute mit. Er ist ein offener Typ, intelligent und feministisch erzogen, weshalb mich seine Reaktion ziemlich erstaunte als er sagte: „Dass du als Feministin auf diese Serie mit soviel Sex stehst…“

Hätte jener Freund gesagt „Dass DU auf diese Serie stehst, hätte ich nicht gedacht“, wäre es eine rein private Äußerung gewesen. Da er „den“ Feminismus mit ins Spiel brachte, wird das Private politisch und ich frage mich: Was hat das miteinander zu tun? Müssen Feminist*innen bei Sex-Szenen laut „Ihhhh“ brüllen? (Vermarktung des Körpers hin oder her) Bevorzugen sie bestenfalls pseudo-gleichberechtigten Blümchen-Sex in dem Triebe keine Rolle spielen?

Feminists have more fun!

Ich kann es natürlich nicht repräsentativ belegen und habe keine Gegenwerte, aber ich denke, dass Menschen, die sich kritisch mit Rollenbildern etc. auseinandersetzen, besseren und „echteren“ Sex haben (können). Zum Beispiel, weil sie es vielleicht weniger zulassen, wenn es zu etwas kommt, das sie nicht mögen oder aber einfordern, was sie wollen.

Handtasche mit pink Sticker "smash sexism"

© Bartmann

Es muss sich nicht jede*r super ausführlich und intensiv mit dem Thema Feminismus beschäftigen. Ist jemand aber gewillt, undifferenzierte und pseudo-provokante Sätze in den Raum zu werfen, ist eine vorherige Basic-Auseinandersetzung mit Feminismus und Sex Pflicht. Bezieht man beispielsweise Strömungen wie den sex-positiven Feminismus mit ein, fällt der Stereotyp „der Feministin“ schnell auseinander. Das bedeutet für mich weder „Sex ist scheisse“ noch „Nichts ist wichtiger als Sex“, sondern zeigt auf, dass es viele Nuancen zwischen Schwarz und Weiss gibt.

Es geht im Feminismus um die kritische Hinterfragung von gesellschaftlichen Machtstrukturen, die sich sehr häufig im Akt des Sexes (gewollt oder erzwungen spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle) und in der Sexualität niederschlagen. Es geht nicht darum, Sex zu „verteufeln“, sondern ihn in eine Form zubringen, die allen Beteiligten Spaß, Befriedigung und Erfüllung bringt.

Warum dieses Schwarz-Weiss-Denken?

Geöffneter Mund mit Sprechblase

© frauenseiten.bremen

Wo kommen diese Vorurteile über Feministinnen her, die besagen, dass sie nicht auf Sex stehen, grundsätzlich gegen rasierte Beine, Achseln und Intimbereiche sind, Nägel nicht lackieren und MakeUp und Klamotten blöde finden? Darum geht es doch überhaupt nicht. Es geht darum, eine Gesellschaft zu schaffen, in der sich Menschen frei entfalten können ohne in gesellschaftliche Rollen und Rollenbilder gezwungen zu werden und ohne dafür von der Seite angepöbelt zu werden, wenn sie „anders“ sind. Es geht um ein Menschenbild, in dem alle Menschen, egal welchen Geschlechts, Hautfarbe, Ethnie und Alter gleich viel wert sind.

Janina Bartmann

Mehr von Janina findet ihr auf ihrem Blog „Inouïe!“

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