Frau der Woche: Olympe de Gouges

Olympe de Gouges (1748-1793) war eine Vorkämpferin für die Gleichberechtigung der Frau. Sie gilt als eine der ersten Frauenrechtlerinnen. Sie schrieb Theaterstücke und Denkschriften, in denen sie sich gegen die Sklaverei ausspricht, offensiv für die Gleichberechtigung von Mann und Frau einsetzt und die Benachteiligung von unverheirateten Müttern und ihren Kindern stark kritisiert. Trotz großer Kritik – vor allem seitens der Männer – setzte sie sich stets für ihre Ideale ein und zog politisch Stellung. Dies zahlte sie am Ende mit ihrem Leben. 1793 wurde sie verhaftet und mit der Guillotine hingerichtet.

Potrait von Olympe de Gouges

Alexander Kucharsky [Public domain], via Wikimedia Commons

Das frühe Leben der Olympe de Gouges

Olympe de Gouges wurde 1748 unter dem Namen Marie Gouze geboren. Ihr leiblicher Vater, der adelige Marquis de Pompignan, erkannte die Vaterschaft für seine „Bastard“ gesetzlich nicht an. Er sorgte weder für ihren Unterhalt, noch ihren Unterricht. Da zu dieser Zeit die meisten Frauen aus ärmeren Verhältnissen Analphabetinnen waren, geht man davon aus, dass auch sie weder schreiben noch lesen konnte. Mit 17 Jahren wurde sie gegen ihren Willen mit Louis-Yves Aubrey verheiratet. Ein Jahr später brachte sie ihren Sohn Pierre auf die Welt, wenig später verstarb ihr Mann. Mit ihrem Sohn zog sie zu ihrer Schwester nach Paris, dort gab sie sich selbst den Namen Olympe de Gouges, wobei sie Olympe aus dem Namen ihrer Mutter, Anne-Olympe, nahm und Gouges die vornehme Version von Gouze ist.

„Femme des Lettres“

In Paris wollte sie als Schriftstellerin (Femme des Lettres) und Theaterautorin Fuß fassen. Da sie jedoch nie eine Schule besucht hat, musste sie sich vorerst die französische Schrift und Sprache autodidaktisch aneignen. Sie verbrachte 17 Jahre mit ihrem Selbststudium, in denen sie zielstrebig an ihrer intellektuellen Entwicklung gearbeitet hat, bevor sie an die Öffentlichkeit trat.

Ihr erstes Theaterstück „Die Sklaverei der Schwarzen“ wird zu einem Skandal. Verteidiger der Sklaverei überschütten Olympe de Gouges mit Hohn und Verachtung. Das Stück wird direkt wieder abgesetzt.

In ihren anderen Schriften setzt sie sich unter anderem für die Einführung der gesetzlichen Ehescheidung und eine Ausbildung für Hebammen ein. Zudem macht sie auf die schlechte Situation unehelicher Mütter und ihrer Kinder aufmerksam. 1791 bringt sie eine Antwort auf die Menschen und Bürgerrechte vom 26. August 1789 heraus, da sich diese ausschließlich auf Männer bezog und nur für diese galt. Ihre Antwort kann parallel zu der Erklärung der Menschenrechte gelesen werden. So heißt es Beispielsweise im ersten Artikel:

„Die Frau ist frei geboren und dem Manne gleich an Rechten.“

Aufgrund der sozialen Probleme, welche sie in ihrer Theaterstücke und Denkschriften zur Sprache brachte, galt sie in Paris als „politisch gefährlich und verdächtig“.

Todesurteil

Zur Zeit der Diktatur und Terrorherrschaft in Frankreich kritisiert sie das republikanische Regime und schlägt eine Volksabstimmung vor. Statt dem erhofften Frieden, den dieser Vorschlag bringen sollte, wird sie verhaftet. Ihr wird vorgeworfen, eine Anhängerin der Girondisten zu sein. Im Gefängnis ahnt sie ihre Hinrichtung voraus und schreibt ihr politisches Testament, welches mit den Worten endet:

olympe de gouges steht vor der Guillotine

(c) Gemeinfrei
via Wikimedia Commons

»Mein Herz vererbe ich dem Vaterland, meine Rechtschaffenheit den Männern (die haben sie nötig), meine Seele den Frauen – das ist kein geringes Geschenk -, meine Kreativität den Stückeschreibern, die kann ihnen von Nutzen sein … meine Selbstlosigkeit vererbe ich den Ehrgeizigen, meine Philosophie den Verfolgten, meinen Geist den Fanatikern, meinen Glauben den Ungläubigen…«

Nach Monaten im Gefängnis wurde Olympe de Gouges, am 3. November 1793, vor das Revolutionstribunal geführt. Ihr Urteil stand schnell fest und wurde noch am selben Tag vollstreckt: Tod auf dem Schafott. Sie wurde jedoch nicht als Anhängerin der Girondisten hingerichtet, sondern auch als Frauenrechtlerin. Ihr wurde vorgeworfen sich in die Politik eingemischt zu haben, welche ausschließlich für den Manne bestimmt ist.

Ironischerweise schrieb sie, nur zwei Jahre zuvor, in ihrem Buch „Manifest über die Rechte der Frau und Bürgerin“:

„Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen. Gleichermaßen muss ihr das Recht zugestanden werden, eine Rednertribüne zu besteigen.“

2001 wurde der Olympe-de-Gouges-Preis ins Leben gerufen. Er würdigt Personen und Institutionen, welche sich für die Freiheitsrechte von Frauen und für die Gleichberechtigung einsetzten.

Hannah Rößer

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