Frau der Woche: Judith Butler

Judith Butler, Philosophin, Philologin und Vertreterin vieler interessanter Theorien. Jede*r der/die Geisteswissenschaften, vor allem Soziologie und Gender Studies studiert, hat von Judith Butler gehört und vielleicht auch etwas von ihr gelesen.

Portrait einer Frau in schwarzer Jacke mit leicht ergrauten Haaren

(c) By Dontworry (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Wissenschaftliche Laufbahn

Die Philosophin und Philologin aus den USA ist für ihre sozialwissenschaftlich-philosophischen Theorien bekannt. Ihre Arbeiten gehen in verschiedene Themenbereiche ein. Sie schrieb ihre Dissertation über den philosophischen Begriff der Begierde und Essays zu Genderthemen, Feminismus und Gewaltethik. Ihre Mutter stammte aus Ungarn, der Vater aus Russland und beide waren praktizierende und engagierte Juden. Aus diesem Grund besuchte Butler eine jüdische Schule und entdeckte früh ihr Interesse an Theologie und Philosophie. Butler studierte Kontinentalphilosophie an der Yale University. Sie promovierte und lehrte später auch dort. Während ihres Studiums verbrachte sie ein Jahr an der Universität Heidelberg. Seit 1993 lehrt sie an der University of California. Zur Zeit ist sie in der Anglistik in den Bereichen Vergleichende Literatur und Kritische Theorie tätig.

Butlers Theorien und Kritik

Butlers Theorien kreisen meistens um die Verbindung von Subjekt, Körper und Macht. Ihre Kritik am Identitäts- und Subjektbegriff geht von der philosophischen Grundlage aus zu Politik- und Gesellschaftskritik. So stellt sie Heteronormativität als Zwangsbild dar. Eine ihrer Thesen ist außerdem, dass das männliche und weibliche Geschlecht nicht die natürliche Form darstellen, sondern sich durch den Sprachgebrauch als Norm verankert haben. Machtstrategien in der Politik, zum Beispiel staatliche Gewalt, erklärt sie auch mit dem Konzept von Identität und Subjekt.

Ihre Werke

Ihre feministische Perspektive und Auffassung zu „Undoing Gender“ ist vor allem für soziologische und gesellschaftskritische Studien wichtig. Denn sie erklärt, inwiefern Gender ein soziales Konstrukt ist. Wer sich dafür interessiert oder näher damit beschäftigen will, sollte in ihr Buch Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen (englisch: Undoing Gender) reinschauen.

Weitere bekannte und lesenswerte Werke von Judith Butler sind:

  • Das Unbehagen der Geschlechter (Gender Trouble: Feminism and the Subversion of Identity)
  • Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts (Bodies that matter)

Geschlechterordnung in der Gesellschaft leiden nach Butler unter der Gegenüberstellung von Geschlechtern, da so dem einzelnen Geschlecht soziale Merkmale zugeschrieben werden. Sie kritisiert die Annahme, dass alle Frauen gemeinsame Merkmale und Interessen teilen. Sie schlägt vor, dass feministische Kritik zwar männerorientierte Ansichten untersuchen, dabei aber trotzdem selbstkritisch bleiben sollte.

Politisches Engagement

Judith Butler engagiert sich in der feministischen Bewegung und spricht auch über andere politischen Fragen. So kritisiert sie zum Beispiel die israelische Politik und setzt sich für eine Einstaatenlösung im Israel-Palästina-Konflikt ein. Sie ist im Beirat von Jewish Voice for Peace und im Verstand der Faculty for Israel-Palestinian Peace in the US. Neben ihrer feministischen Theorien, einschließen Gender und Queer Studies, ist sie auch Aktivistin für die Rechte von Homosexuellen. Sie ist nicht nur Aktivistin, sondern äußert sich auch als Philosophin, zum Beispiel in Interviews. Erst vor kurzem hat sie der ZEIT erklärt, wie Körper, Versammlungen und Populismus miteinander zusammenhängen. Sie unterscheidet zwischen verschiedenen Formen des Populismus und erklärt wie Rechtspopulismus entstehen kann:

Manchmal fühlen sich rechte Gruppen ausgegrenzt. Aber was sie wirklich meinen, ist, dass ihnen ihr Privileg verloren gegangen ist. Ihr Privileg, ihre weiße Anmaßung, ist ins Wanken geraten

Es lohnt sich, sich mit Judith Butlers Ideen und Werken zu befassen!

Tabea Georgi

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