Unsere Frau der Woche: Sylvia Tamale

Zeichnung: Frauenporträt

Sylvia Tamale (c) Hannah Lena Puschnig

Die ugandische Akademikerin, Autorin und Menschenrechtsaktivistin Sylvia Tamale ist eine der anführenden Frauenrechtlerinnen Afrikas. Ihre Werke und Worte haben das kritische Denken der nationalen und internationalen Frauenbewegung sehr beeinflusst. Sylvia Tamale bezeichnet sich selbst als „radikale Feministin“. Ihr leidenschaftliches Engagement und ihre Publikationen haben ihr weltweite Anerkennung eingebracht. Mit der Zeit erhielt sie viele Preise, wie den Inspirational African Feminists Award.

Als Akademikerin…

Sie hat ihren Bachelor in Jura von der Makerere University Kampala, ihren Master von der Harvard Law School und ihren Doktor in Soziologie und Feministische Studien von der University of Minnesota erhalten. Tamale war die erste weibliche Dekanin an der ugandischen Universität Makerere und behielt den Posten für vier Jahre. Sie nutzte ihre Position, um auf Richtlinien bei sexueller Belästigung, insbesondere an Universitäten, zu drängen und hatte damit Erfolg. Weltweit laden Universitäten und andere akademische Institutionen sie als Gastrednerin und -dozentin ein.

Mittlerweile ist sie wieder an der Makerere University tätig. Sie lehrt dort als Professorin für Jura und hat ihre Position als Dekanin erneut aufgenommen. Vergangenen Freitag hielt Sylvia Tamale ihre Einweihungsrede an der Makerere Universität zum Thema Nacktheit, Proteste und das Gesetz („Nudity, Protest and the Law“). Sie ist damit die erste Professorin überhaupt, die an dieser Universität die Einweihungsrede gehalten hat.

…und Aktivistin

Sylvia Tamale liegen Gleichberechtigung von Frauen und Homosexuellen am Herzen. Dabei richtet sie sich an die ugandische oder afrikanische Gesellschaft, aber auch an Gesetzgebungen. Konkret setzt sie sich dafür ein, dass Sexarbeit als Beruf wie jeder andere angesehen wird und entsprechend Arbeitsrechte eingeführt werden. Außerdem kämpft sie für legale Striptease Shows und die Anerkennung von Homosexuellen und Geflüchteten als Minderheiten. Tamale spricht diese und andere Tabuthemen in veröffentlichten Werken, Konferenzen, Interviews, Vorlesungen und Kampagnen an. Sie betont wiederholt, dass jeder Mensch die Freiheit und Rechte haben sollte, das zu tun, was er oder sie möchte, solange andere dabei nicht verletzt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt von ihr sind mächtige Frauen, die die Erfolge der Frauenbewegung ihrer Meinung nach zunichtemachen. In einem Vortrag kritisierte sie Janet Museveni, die „First Lady“ von Uganda und deren Ernennung zur Bildungsministerin. Diese unterstütze die frauenfeindliche Politik ihres Mannes, Präsidenten Yoweri Museveni. Sie wünscht sich mehr aktiven Feminismus, der die frauenfeindliche Politik zerschlägt.

Sylvia Tamale verkörpert Intelligenz, Mut und Engagement in Einem. Sie versteht, dass Frauen- und Menschenrechte länderübergreifende Themen sind. Damit ist sie eine Inspiration für Frauen und Männer, nicht nur in Uganda oder Afrika, sondern weltweit.

Tabea Georgi

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