Die Frauen, die Star Trek groß machten

1966 flimmerte zum ersten Mal Star Trek über die amerikanischen Bildschirme. Eine Umfrage ergab, dass 57 Prozent aller Trekkies, so nennen sich die Star Trek Fans, weiblich sind. Frauen haben eine lange Tradition in der Star Trek-Fangemeinde. Dass es die Serie auch heute noch gibt, verdanken sie ebenfalls einer Frau.

Utopie im Weltraum

Raumschiff Enterprise, wie die erste Star Trek-Serie in Deutschland hieß, entstand zu einer unruhigen Zeit. Der Eiserne Vorhang des Kalten Krieges teilte die Welt in zwei Lager. In den USA forderte die afroamerikanische Bevölkerung ein Ende der Rassentrennung. Die Frauenbewegung erlebte einen Aufschwung. Veränderungen der Gesellschaft wie diese schlugen sich auch in der Science Fiction wieder. Zuvor war Science Fiction ein sehr technisch und naturwissenschaftlich orientiertes Genre gewesen, dessen Publikum hauptsächlich aus jungen, weißen Männern bestand. In den 1960ern entdeckten immer mehr Autor*innen das Potenzial von Science Fiction, gesellschaftliche Probleme darzustellen und alternative Lebensweisen vorzustellen. Das Außerirdische wurde zur Metapher für das Anderssein.

Zeichnung: Brücke der Enterprise wackelt, rotes Licht

Ruhig auch bei Alarmstufe rot: Uhura und Sulu (c) Hannah Lena Puschnig

Raumschiff Enterprise brachte diese Form der Science Fiction auf den Bildschirm. Gene Roddenberry, der Schöpfer von Star Trek, schuf eine utopische Zukunftsvision, in der die Menschheit ihre Konflikte gelöst hatte und Teil einer größeren Gemeinschaft geworden war. Menschen verschiedenster Herkunft arbeiten an Bord des Forschungsschiffs Enterprise. Auf der Brücke arbeiten der russische Pavel Chekov, der japanische Hikaru Sulu und die aus den Vereinigten Staaten von Afrika stammende Uhura Hand in Hand. Erster Offizier an Bord ist der halbvukanische Spock – ein Produkt der gelungenen diplomatischen Beziehungen zwischen Menschheit und außerirdischen Zivilisationen.

Die Frauen, die Star Trek schufen

„Die durchschnittliche Hausfrau konnte ein Abenteuer miterleben, in denen Frauen im Weltraum sein und etwas machen konnten. Sie waren wertvolle Mitstreiterinnen in der Erforschung fremder neuer Welten, während sie in der wahren Welt Sexismus erlebten“, erklärte Betty Jo Trimble, Star Trek-Fan der ersten Stunde dem Rookiemag. An Bord der Enterprise waren Frauen ganz selbstvertsändlich berufstätig. Die kurze Uniform, die Frauen damals trugen, galt als modern und futuristisch. Wie der Minirock wurde er als Zeichen der Befreiung gesehen. Nichelle Nichols (Lieutenant Uhura) ging als erste afroamerikanische Frau, die im US-Fernsehen keine Bedienstete spielte, in die Geschichte ein.

„Es war sehr hoffnungsvoll“, sagte Drehbuchautorin D. C. Fontana dem Magazin Blastr, „Star Trek ist eine der Serien, die in die Zukunft sieht und versucht, zu zeigen, wie gut Menschen sein können.“ Dorothy Fontana schrieb mehrere Folgen für Raumschiff Enterprise. Sie war eine von mehreren Drehbuchautorinnen, die an Raumschiff Enterprise arbeiteten. Insgesamt 18 Folgen der Originalserie wurden von Frauen erdacht oder geschrieben. Sie sorgten dafür, dass Frauen in der Serie immer präsent sind. „Ich war immer stolz darauf, mit der Serie in Verbindung gebracht zu werden“, erzählte Drehbuchautorin Jean Lisette Aroeste Blastr, „und darauf, Folgen geschrieben zu haben, die je eine gute Rolle für eine Frau hatten.“

Wie eine Frau Star Trek rettete

Doch die Quoten waren zu niedrig. Nach zwei Staffeln drohte die Produktionsfirma den Geldhahn zuzudrehen. Betty Jo „Bjo“ Trimble wollte das nicht zulassen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann John schmiedete sie einen Plan, um Raumschiff Enterprise zu retten. Sie schrieben andere Trekkies an und erklärten ihnen die Situation. Beigefügt war eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für einen Beschwerdebrief.

Die Adressen hatten die Trimbles von Science Fiction-Treffen und aus ungeöffneter Fanpost, die Mitarbeiter des Studios ihnen heimlich gaben. Angeblich stellte ihnen Gene Roddenberry Geld für die Frankierung der Briefe zur Verfügung. Etwa 110.000 Beschwerdebriefe erreichten die Produktionsfirma. Überwältigt von dem Zuspruch der Fans, bewilligte die Produktionsfirma, dass weitergedreht werden durfte. Raumschiff Enterprise bekam eine dritte und letzte Staffel. Dadurch hatte die Serie genug Folgen, um in Wiederholung ausgestrahlt zu werden. Erst dann wurde sie zu dem kulturellen Phänomen, dass Star Trek bis heute ist.

50 Jahre später

Star Trek feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Auf Raumschiff Enterprise folgten zahlreiche Serienableger und Filme. Trotz der vollkommenen Gleichstellung, die die Frauen der Zukunft bei Star Trek formal genießen, variiert das Frauenbild in allen Ablegern. Aus heutiger Perspektive lässt sich auch in Raumschiff Enterprise sexistisches Gedankengut finden. In der Serie Star Trek: Das nächste Jahrhundert, die in den 1980ern und 90ern gedreht wurde, finden sich Frauen hauptsächlich in fürsorgenden Rollen wieder.

Die Filme Star Trek (2009) und Star Trek: Into Darkness (2013) wurden für die Objektifizierung ihrer Frauenfiguren kritisiert. Ihr Nachfolger, Star Trek: Beyond, hingegen erntete Lob für die nuancierte weibliche Figur Jaylah und die Beiläufigkeit mit der der Ehemann von Pilot Sulu vorgestellt wurde. Der Text des Intros „where no man has gone before“ (wo nie zuvor ein Mann/Mensch gewesen ist) wurde in „where no one has gone before“ (wo nie zuvor jemand gewesen ist) umgeändert. Die geplante Serie Star Trek: Discovery soll nun eine weibliche Hauptfigur bekommen. Die Zukunft der Frau in Star Trek bleibt spannend.

Hannah Lena Puschnig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.