Geburtshilfe ganz natürlich!?

Frauenportrait

Heike Schiffling (c) Hebammenlandesverband Bremen

Für uns Hebammen ist es selbstverständlich, dass der Großteil aller Kinder natürlich auf die Welt kommen sollte. Vor 20 Jahren noch hätten wir nicht gedacht, dass wir das begründen müssen oder gar dafür werben.

In den letzten Jahrzehnten hat ein schleichender Prozess der Angst die Geburtshilfe sehr verändert. Angst der geburtshilflichen Akteur*innen vor den zunehmenden Klagen, auch in völlig unbegründeten Fällen. Angst der werdenden Eltern und Großeltern irgendein vermeintliches Risiko in der Schwangerschaft oder unter der Geburt einzugehen.

Und so sind wir in der absurden Situation, die natürliche Geburt zu begründen. Es besteht also eine Beweislastumkehr für die natürliche Geburt. Für uns ist das sehr befremdlich, aber es gibt in der Tat viele gute Gründe, sein Kind vaginal zu gebären.

  • Die Eltern können die Geburt ihres Kindes aktiv gestalten.
  • Die Gebärende kann mit den Menschen, die sie begleiten, im Blickkontakt bleiben.
  • Das Kind bestimmt den Zeitpunkt der Geburt mit und das ist in der Regel der beste für’s Kind.
  • Auch ein Frühgeborenes profitiert, in den meisten Fällen, von einer natürlichen Geburt.
  • Das gesundheitliche Risiko einer natürlichen Geburt ist geringer, als das eines Kaiserschnittes, für Mutter und Kind. (z.B. bei Blutungen, Lungenembolie, Narkoserisiko)
  • Die Geburt geschafft zu haben, macht Frauen/Paare stolz und stark.
  • Nach einer natürlichen Geburt gibt es weniger gesundheitliche Probleme für die Mutter (z.B. Thrombosen, Infektionen, Wundheilungsstörungen),
  • Das gesundheitliche Risiko bei einer Folgeschwangerschaft ist für Mutter und Kind geringer (z.B. für schwere Blutungen),
  • Direkt nach der Geburt kann das Kind bei der Mutter sein und intensiven Hautkontakt haben (Bonding).
  • Durch die bessere Mobilität ist es leichter zu stillen und die Milch kommt aufgrund der besseren Hormonlage früher.
  • Nach der Geburt gibt es viel weniger Schmerzen und einen geringeren Schmerzmittelverbrauch.
  • Die Mutter kann das Krankenhaus nach der Geburt zügiger verlassen und erholt sich schneller.
  • Die Kinder brauchen seltener eine Atemhilfe direkt nach der Geburt als Kaiserschnitt-Kinder und werden seltener in die Kinderklinik verlegt.
  • Außerdem wird das Immunsystem des Kindes durch die vaginale Geburt gestärkt.
  • Dadurch kommt es seltener zu Übergewicht, Asthma, Allergien und Diabetes.
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© Hebammen Landesverband Bremen

Ein Kaiserschnitt ist immer dann eine gute und geeignete Geburtsmethode, wenn die Gesundheit von Mutter und Kind durch eine natürliche Geburt gefährdet ist. Ein geplanter Kaiserschnitt sollte nach der 39. + 0 Schwangerschaftswoche erfolgen. Je früher der Kaiserschnitt in der Schwangerschaft gemacht wird, desto größer ist das kurzfristige und langfristige gesundheitliche Risiko des Kindes.

 

Heike Schiffling,
Hebamme, Vorsitzende des Hebammenlandesverbandes Bremen e.V.

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