Unsere Frau der Woche: Malala Yousafzai

Zeichnung: junge Frau mit pinkfarbenen Kopftuch

Malala Yousafzai (c) Hannah Lena Puschnig

Malala Yousafzai ist eine 19-jährige Aktivistin, die sich für die Bildung von Kindern und jungen Frauen einsetzt. Sie wurde in Pakistan geboren und erlebte dort den Aufstieg der Terrororganisation Taliban mit. Als sie sich für den Erhalt von Mädchenschulen einsetzte, schossen die Taliban auf sie. Malala Yousafzai überlebte.

Zurzeit besuchen über 130 Millionen Mädchen weltweit keine Schule, sagt Malala Yousafzais Hilfsorganisation. Der Malala Fund unterstützt das Ziel der UNO bis 2030 eine kostenlose, zwölfjährige Schulbildung für jedes Kind zu ermöglichen. Auf der Supporting Syria Konferenz im Februar 2016 in London forderte Malala Yousafzai die reichen westlichen Nationen auf, mehr Geld für die Bildung von syrischen Flüchtlingskindern bereitzustellen. „1,4 Milliarden Dollar für die Kinder Syriens sind eine Zahl, die sich die Welt leisten kann. Diese Generation zu verlieren, ist ein Preis, den sie nicht bezahlen kann“, sagte Malala Yousafzai in ihrer Rede. Sie besuchte Flüchtlingslager  und sprach mit Betroffenen. 2015 eröffnete sie im Libanon eine Schule für syrische Flüchtlingskinder.

Malala Yousafzai findet ihre Stimme

Auch sie selbst musste ihre Heimat unfreiwillig verlassen. 2009 suchte BBC Urdu eine Schülerin, die über das alltägliche Leben im pakistanischen Swat-Tal berichten wollte. Malala Yousafzais Vater Ziauddin, Leiter einer örtlichen Schule, schlug seine Tochter vor. Fortan schrieb die damals elfjährige unter dem Pseudonym Gul Makai (Kornblume, eine Sagenfigur) einen Blog über ihr Leben, ihre Hoffnungen und die Angst, ihre Schule würde geschlossen.

Im Dezember 2009 wurde eine Dokumentation der New York Times über sie ausgestrahlt. Danach wurde bekannt, dass sie es war, die den BBC-Blog geschrieben hatte. Interviews mit Radio- und Fernsehsendern folgten. Ihr Engagement war den Taliban ein Dorn im Auge. Sie sahen in der 15-jährigen Malala Yousafzai eine Bedrohung. Im Oktober 2012 wurde ihr Schulbus auf dem Heimweg angehalten. Ein junger Mann feuerte drei Schüsse ab, die Malala Yousafzai und zwei ihrer Freundinnen trafen. Die Kugel durchbohrte ihren Kopf und blieb in der Schulter stecken. Die lebensbedrohliche Verletzung wurde in einem Krankenhaus im englischen Birmingham behandelt.

Ein zweites Leben

„Nach dem Vorfall verschwand meine Angst einfach“, erklärte sie Ellen DeGeneres 2015. „Meine Schwäche, meine Angst und meine Hoffnungslosigkeit starben an dem Tag. Ich wurde stärker, als zuvor. Jetzt glaube ich, dass mich nichts stoppen kann.“ Der BBC sagte sie, dass sie glaubte, dass Gott ihr ein zweites Leben geschenkt habe. Sie möchte es nutzen, um den Menschen zu dienen. Auch in ihrem Kampf für Bildung sieht sie sich im Islam bekräftigt. „Das allererste Wort des Korans ist ‚iqra‘, was ‚lies‘ bedeutet. Es war nicht so, dass nur Männer lesen sollten“, erklärte sie Emma Watson 2015 in einem Gespräch.

Ihr Vater Ziauddin Yousafzai ist ihr größter Unterstützer. Gemeinsam gründeten die beiden den Malala Fund, eine Non-Profit-Organisation. Malala Yousafzai hält es für wichtig, dass Männer Frauen in ihrem Kampf um Gleichberechtigung unterstützen. „Es darf nicht sein, dass Männer denken, es sei die Aufgabe einiger weniger Frauen, ‚verrückter Feministinnen‘, die Dinge zu ändern“, sagte sie Emma Watson. In ihrer Rede vor der UNO im Jahre 2013 sagte sie aber auch, dass es an den Frauen ist, sich zu befreien und für ihre Rechte einzutreten.

Ein gewöhnliches Mädchen, ein außergewöhnliches Engagement

„Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern. Bildung ist die einzige Lösung. Bildung geht vor.“

Mit diesen eindrücklichen Worten beendete Malala Yousafzai ihre Rede vor den Vereinten Nationen. Der 12. Juli, an dem sie vor die UNO trat, wurde zum Malala-Tag gemacht. Die Aktivistin gibt sich bescheiden. „Der Malala-Tag ist nicht mein Tag“, sagte sie in der Rede, „Heute ist der Tag aller Frauen, aller Jungen und Mädchen, die ihre Stimme für ihre Rechte erhoben haben.“ In ihrem Buch Ich bin Malala beschreibt sie gemeinsam mit einer Co-Autorin anhand der Familiengeschichte die Entwicklung des Swat-Tals. 2015 erschien ein Dokumentarfilm über sie, den wir auch bei uns empfahlen. Der Film wurde weltweit an Schulen gezeigt. Malala Yousafzai hofft, mit dem Film auch Kinder für die Wichtigkeit von Bildung zu sensibilisieren.

2014 erhielt sie den Friedensnobelpreis, unter anderem, wie wir berichteten, für ihr Engagement gegen die Terrorgruppe Boko Haram. Mit damals 17 Jahren ist sie die bisher jüngste Trägerin des Preises. Dass sie den Preis gewonnen hatte, erfuhr Malala Yousafzai im Chemieunterricht. Ihre Familie lebt mittlerweile in Birmingham. Dort besuchte sie die Oberstufe und machte dieses Jahr ihren Schulabschluss. Ihre Klassenkameradinnen unterstützen ihr Engagement:

Malala Yousafzai hat gelernt, ihre bewegende Geschichte zu nutzen, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Ihre Berühmtheit verschafft ihr und ihren Mitstreitenden Gehör. Im Gespräch mit Emma Watson rät sie jungen Menschen eines: „Denke niemals, dass du zu jung bist, um etwas zu bewegen.“

Hannah Lena Puschnig

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