Zum 120. Todestag von Clara Schumann

Ihr Gesicht kennt jeder, der noch die D-Mark mitbekommen hat: Die schöne junge Frau auf dem 100 Mark Schein, Clara Schumann, begnadete Musikerin und Ehefrau des Komponisten Robert Schumann. Wie so oft in der Geschichte talentierter Frauen ist ihr Schaffen neben dem des weitaus geläufigereren Robert Schumann in Vergessenheit geraten und wird oft nur als Nebenprodukt ihrer Ehe mit einem Komponisten gesehen. Wir wollen heute mit einem kleinen Einblick in ihr spannendes Leben mit diesem falschen Gedanken aufklären. Auf fembio.org findet ihr ebenfalls eine Kurzbiographie zu Clara Schumann!

Ein vielversprechendes Kind

Als einziges überlebende Tochter von Friedrich und Marianne Wieck, neben vier Brüdern, erfährt Clara Schumann schon früh eine ausführliche musikalische Bildung. Obwohl sie erst im späten Alter von vier Jahren das Sprechen lernt, erhält sie schon Monate später Klavierunterricht, natürlich bei ihrem Vater selbst. Mit neun Jahren tritt sie das erste Mal im Rahmen eines Konzerts auf und spielt schnell die großen Werke der Meister wie Beethoven, Bach und, wie das Schicksal es so will, auch die ihres späteren Ehemanns, Robert Schumann. Für Frauen ihrer Zeit war diese hohe Bildung ein seltener Luxus, wenn auch sehr anstrengend für ein junges Mädchen, das auf Konzerten durch ganz Europa geschickt wird.

Bild von Clara Schumann, das auch auf dem 100 Mark Schein erscheint

Clara Schumann
(c) Andreas Staub, via Wikimedia Commons

Vergessen neben dem Ehemann

Annäherung zwischen den beiden finden jedoch schon früh statt: Mit 16 Jahren beginnt die erste Liebe zwischen den beiden, die vom kontrollsüchtigen Vater lange unterbunden und verhindert wird. Robert Schumann ist definitiv nicht die erste Wahl als Ehemann, wenn es nach Claras ambitioniertem Vater geht. Dank einer Schädigung an zwei Fingern der rechten Hand ist Schumann nicht mehr spielfähig und damit mittellos und kein geeigneter Partner für die junge, talentierte Clara.  Dann, einen Tag vor Claras 20. Geburtstag, können die beiden endlich heiraten. Clara Schumann ist nun frei von ihrem Vater und will sich ihrer weiteren Bildung widmen, aber Robert verlangt sie an seiner Seite und ihre voll Aufmerksamkeit den acht Kindern, die sie ihm gebärt. 1854 erreicht Robert Schumanns Gesundheit allerdings einen Tiefpunkt und nach einem gescheiterten Selbstmordversuch wird er in eine Nervenklinik eingewiesen. Vor seinem Tod zwei Jahre später sieht Clara ihn nur noch ein einziges Mal, da er als Gefahr für sie und die Kinder gesehen wird. Komponieren kann sie in dieser Zeit nichts und wird es nach Roberts Tod auch kaum noch. Zwar veröffentlicht sie weiterhin Roberts Musik und auch eigene Schriften, Auftritte gibt sie jedoch kaum. Im Alter von 76 Jahren stirbt Clara Schumann an den Folgen eines Schlaganfalls, fünf Jahre nach ihrem letzten eigenen Konzert.

Clara Schumann und Johannes Brahms?

Den jüngeren Johannes Brahms lernt Clara Schumann über die Arbeit mit Robert kennen, da Brahms als Protegé von Robert im Haus regelmäßig Gast war. Nach Robert Schumanns Einlieferung und Tod entsteht ein reger Briefwechsel zwischen der Witwe und dem jungen Komponisten, aus dem deutlich herausgeht, dass für Brahms mehr als nur Freundschaft für Clara angedacht war. Aus Rücksicht vor Repressalien aber hält sich der direkte Kontakt sehr in Grenzen. Interessanterweise haben Brahms und Clara Schumann einvernehmlich vereinbart, den gemeinsamen Briefwechsel zu vernichten – etwas, was die Diskussion um ihr Verhältnis in den Augen der Biographen nicht gerade verharmlost. Clara verstößt gewissermaßen gegen das Abkommen und behält einige der Briefe. Auch diese zeigen, wenn auch zurückhaltende, Zuneigung, die aber nach Roberts Tod weiter abflaut. Die Geschichte soll sie, so ein Tagebucheintrag, nicht als untreue Witwe, sondern als eigene Künstlerin und liebende Ehefrau sehen.

Wir hoffen sehr, dass dieser Artikel dazu beiträgt!

Kim-Nicola Hofschröer

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