Der erste Schwarm meines Lebens

Bienenschwarm in einem BaumNein, ich will keine romantische Liebesgeschichte aus meiner Jugendzeit erzählen – natürlich geht es um einen Bienenschwarm! Den haben wir nämlich vor ein paar Tagen in unserem Kleingartengebiet eingefangen und das muss ich euch unbedingt erzählen, denn es ist eine aufregende Sache, zumal wenn man sie zum ersten Mal macht.
Wir bekamen von einem Gartenbesitzer den Hinweis, dass ein Bienenschwarm in einem Baum hing. Gut dass wir einen Imkerfreund haben, der schon mal den einen oder anderen Schwarm eingefangen hat und der auch Zeit hatte, uns zu helfen. Oder besser gesagt, dem wir dann geholfen haben, weil er einen Großteil der Arbeit gemacht hat.

Schwierige Ausgangslage
Also sind wir mit Ausrüstung zum „Tatort“ geeilt und haben erst einmal die Situation in Augenschein genommen. Ja, und die war etwas verzwickt, wie ihr auf dem ersten Foto sehen könnt: Die Bienen hatten sich ganz um den kräftigen Stamm eines Fliederbusches gewickelt, den wir natürlich nicht absägen wollten. Zumal es ja nicht unser Garten war. Wenn der Schwarm an einem dünnen Ast hängt, kann man den einfach absägen oder die Bienentraube mit einem Schlag in eine Kiste, einen Eimer oder irgendein provisorisches Transportgefäß fallen lassen. Das Einfangen eines Schwarms besteht ja darin, die Masse der Bienen, die wie eine Traube um die Königin sitzen, einzufangen und sie dann in einen Bienenstock zu verpflanzen. Also blieb uns nur die unangenehmste Methode: die Bienen in die Transportkiste (mit einem speziellem weichen Handfeger) abzufegen. Da könnt ihr euch sicher ohne Mühe vorstellen, wie die Bienen reagieren…!
zwei Imker fegen den Schwarm vom BaumDa nun der Schwarm-erfahrene Freund und mein Mitimker entshlossen loslegten, habe ich beschlossen, mich etwas im Hintergrund zu halten und mich um die „Dokumentation“ des Ganzen zu kümmern. Muss ja auch jemand machen…

Beherzt ans Werk
Zunächst wurden die Bienen mit Wasser benebelt, das macht ihnen das Fliegen etwas schwerer. Aber trotzdem waren sie natürlich sehr aufgescheucht, als sie vom Baum gefegt wurden: der eine fegte, der andere hielt die Transportkiste – in diesem Fall ein umgebauter Drahtpapierkorb – darunter. Da der Schwarm enorm kräftig war, fielen zwar ein großer Teil der Bienen hinein, aber es waren noch Hunderte, die erst mal nervös herumflogen. Aber dennoch hat uns keine Bienen angegriffen oder gestochen! Natürlich waren wir mit Imkerschleier, Arbeitshandschuhen und festen Jacken geschützt. Wir mussten dreimal nach kurzer Pause weiterfegen, bis der größte Teil der Bienen aus dem Baum war. Jetzt kam die wichtigste Phase beim Schwarm einfangen: Haben wir die Königin mit in der Kiste? Wenn nicht, werden die Bienen wieder dahin zurückkehren, wo sie sitzt oder hingeflogen ist. Und wenn ja, dann werden nach und nach alle Bienen in die Kiste kommen. Als hieß es abwarten und beobachten, was die herumsausenden und noch im Baum sitzenden Bienen machen würden.

Bienen laufen in die TransportkisteUff – geschafft!
Und tatsächlich: nach ungefähr einer halben Stunde wurde es ruhiger und (fast) alle Bienen wanderten zielstrebig in den Papierkorb, der schon aus allen Nähten platzte. Nun brauchten wir nur noch vorsichtig den Deckel zumachen, den Korb zu unserem Garten tragen und den Schwarm in unsere leere Bienenkiste einquartieren. Da gab´s natürlich noch mal Unruhe, aber das war doch überschaubar, vor allem weil wir ja wussten, dass die Königin dabei war.

Warum schwärmen Bienen eigentlich?
Es ist das natürliche Verhalten gegen Platzmangel im Bienenstock, um sich zu vermehren und neue Völker zu bilden. In Zeiten von gutem Futterangebot an Blühpflanzen, also im zumeist Frühjahr, vermehren sich die Bienen im Stock kräftig und brauchen mehr Platz. Der Schwarmtrieb setzt ein und die Hälfte der Bienen fliegt mit der Königin aus, um ein neues Heim zu suchen. Dies wird vorbereitet von Kundschafterinnen, die zunächst ein Zwischenquartier aussuchen, wohin der Schwarm fliegt, um von dort aus zum Beispiel einen hohlen Baum oder eine geschützte Ecke zu finden. Das wichtigste für den Schwarm ist der Schutz der Königin, denn ohne sie hat das Volk keine Zukunft, weil nur sie die Nachkommen produziert. Also sitzen sie als Traube um sie herum, solange sie noch keinen endgültigen Platz gefunden haben. Dies ist heutzutage auch immer schwieriger – wo gibt es noch hohle Bäume, verlassene Gebäude oder undichte Dächer? Daher gehen die meisten Schwärme ein, wenn kein Imker sie einfängt und ihnen eine neue Bleibe anbietet.

Wem gehört eigentlich ein Schwarm?
Rein juristisch ist es etwas komplizierter, aber im Imkeralltag hat sich eingebürgert: Wer einen Schwarm einfängt, darf ihn behalten – vielleicht stammt er ja von einem eigenen Volk.  Wenn es ein fremder Schwarm ist: ein schönes Geschenk der Natur oder auch eines unaufmerksamen Imkers, der oder die die Anzeichen der Schwarmstimmung im Bienenvolk nicht bemerkt hat.  Wir haben gehört, dass es gute Gepflogenheit unter ImkerInnen ist, sich mit der Person in Verbindung zu setzen, wenn bekannt ist, wo der Schwarm abgeflogen ist, und eine kleine Entschädigung anzubieten, sei es mit ein paar Gläsern Honig oder ein paar Flaschen Wein… So haben wir es jedenfalls gemacht und so auch gleich einen netten Imker in der Nähe kennengelernt, von dem wir noch gar nichts wussten.
Um seinen Schwarm einzufangen, ist es dem Imker/der Imkerin auch erlaubt, ein fremdes Grundstück zu betreten. Wenn Unkundige einen Schwarm irgendwo sitzen sehen, können sie sich bei einem „Schwarmfänger“ vom Imkerverein Bremen melden. Unter diesem Link finden sich Telefonnummern für verschiedene Stadtgebiete die entsprechenden Ansprechpersonen.

Neuer Reichtum
Zurück zu unserem Bienenschwarm: Inzwischen hat er sich in seinem neuen Zuhause gut eingelebt und baut emsig neue Waben aus. Auch haben wir nach einer Woche schon frische Brut gesehen. So sind wir nun um ein vitales Volk und um eine tolle Erfahrung reicher!
Hier noch einige Bilder von der Aktion:

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