5 Frauen – 5 Fragen: Sarah Ryglewski

Portraitfoto einer Frau mit braunen Haaren und einer bunten Bluse Sarah Ryglewski

© Susie Knoll

Sarah Ryglewski, SPD

Sarah Ryglewski ist in einem sehr politisierten Haushalt in Köln aufgewachsen, wo sie früh begonnen hat, mitzudiskutieren über Politik und die Welt. Für ihr Politikstudium kam sie dann 2002 zu uns nach Bremen. Die Neustadt ist seither für sie zu ihrer neuen Heimat geworden. Ihr Lebensweg zeigt, wie sehr sie für politische Themen brennt, und dass sie sich den Ratschlag ihrer Eltern, sich stets mit Politik zu befassen, zu Herzen genommen hat. Dabei setzt sich Sarah Ryglewski insbesondere für Gleichberechtigung in einer offenen und toleranten Gesellschaft ein.

Unsere 5 Fragen an Sarah Ryglewski:

1. Welche 5 Wörter beschreiben Sie am besten?

„Zielstrebig, hartnäckig, detailverliebt, lustig, bodenständig.“

2. Wer ist Ihr ganz persönliches Vorbild?
„Klassische Vorbilder habe ich nicht. Mich beeindrucken zielstrebige Menschen, die sich für andere einsetzen und sich auch von Widerständen nicht von ihren Zielen abbringen lassen. Von meinen Eltern habe ich gelernt, wie wichtig es ist, sich mit Politik zu befassen und Dinge nicht einfach nur hinzunehmen. Das war prägend, auch für mein späteres politisches Engagement.“

3. Was möchten Sie speziell frauen*politisch erreichen?
„Zuerst einmal müssen wir für die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern sorgen, denn Frauen verdienen im Durchschnitt noch immer 21 Prozent weniger als Männer. In Berufen, in denen überwiegend Frauen arbeiten, wie z.B. in Pflege und Erziehung, muss es endlich eine bessere Bezahlung geben. Ein Maurer verdient im Durchschnitt 2600 Euro brutto im Monat, eine Altenpflegerin 2285 Euro brutto. Beide Berufsgruppen sind unverzichtbar für unsere Gesellschaft. Wertschätzung drückt sich eben auch über die Entlohnung aus. Zudem ist eine gute Bezahlung das beste Mittel gegen Altersarmut und für eine auskömmliche Rente. Frauen erhielten 2015 im Durchschnitt um 53 Prozent niedrigere Alterssicherungsleistungen als Männer, das müssen wir mit guten Löhnen und der Solidarrente ändern! Wir müssen zudem gesetzlich dafür sorgen, dass Frauen – auch Alleinerziehende – nach der Familienpause ohne Widerstände wieder in den Job einsteigen können. Junge Menschen sollen Familien gründen können, ohne Angst zu haben, ihrer Karriere im Weg zu stehen oder später von Altersarmut bedroht zu sein. Von dieser sind Frauen besonders betroffen, da Kindererziehung, aber auch die Pflege von Angehörigen vielfach immer noch als „Frauenangelegenheiten„ gelten. Hier müssen wir ran: Wer eine Ausbildung machen oder einem Beruf nachgehen will, der muss das können – auch mit Kind. In der Konsequenz heißt das, gebührenfreie Betreuung für Kinder von klein an, endlich ein gesetzliches Rückkehrrecht in Vollzeit und die Abschaffung befristeter Arbeitsverträge.“

4. Was verstehen Sie unter Gleichstellungspolitik?
„Gleichstellungspolitik bedeutet für mich, das Leben in der Gesellschaft so auszurichten, dass Frauen und Männer dieselben Chancen haben. Das Geschlecht darf nicht darüber entscheiden, welche Möglichkeiten man hat. Dazu gehören neben gleicher Bezahlung eine Partnerschaft und Kindererziehung, in der Mann und Frau gleichermaßen gefragt sind. Eine partnerschaftliche Teilung von Erziehungsaufgaben wollen wir mit dem Familiengeld von 300 Euro monatlich und der Familienarbeitszeit unterstützen. Dadurch schaffen wir mehr Zeit für Kinder oder die Pflege von Angehörigen. Zur Gleichstellungspolitik gehört auch die Ehe für alle, die die SPD nach langer Blockade durch die CDU/CSU durchgesetzt hat. Ich möchte in einer offenen, toleranten Demokratie leben, in der Menschen unabhängig von Geschlecht, sexueller Identität, Hautfarbe, Religion, Beruf und Herkunft respektvoll miteinander umgehen. Gleichberechtigung ist nicht selbstverständlich. Sie ist ein hohes Gut, das wir mehr denn je verteidigen müssen: Frauenrechte werden derzeit wieder von Rechtspopulisten in Frage gestellt. Die AfD propagiert ein konservatives Frauenbild und Familienmodell der 50er Jahre, das wir längst überwunden glaubten. Eine klare Absage erteile ich auch jeglicher Form des Sexismus. Tagtäglich werden wir mit überkommenen Rollenbildern, mit Sexismus in Sprache, Medien und Werbung konfrontiert. Deshalb muss sichergestellt werden, dass der Werberat konsequent mit entsprechenden Instrumenten gegen Sexismus vorgeht. Wenn notwendig, muss es gesetzliche Maßnahmen geben.“

5. Wieso sollten Frauen* Ihnen ihre Stimme geben?
„Es ist höchste Zeit, dass Frauen und Männer die gleichen Chancen haben. Die Union kommt in ihrem Programm mit einer halben Seite Frauenpolitik aus. Ich finde: Wo Gleichstellung nicht von allein funktioniert, muss Politik dafür sorgen. Deshalb setze ich mich für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, das Recht auf Rückkehr von Teilzeit in die vorherige Vollzeitstelle und für mehr Frauen in Führungspositionen ein. Traurige Wahrheit ist, dass jede dritte Frau schon einmal körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt war. In der SPD fordern wir deshalb einen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe für Opfer von Gewalt. Frauen müssen füreinander einstehen.“

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