Ab jetzt rettet eine FRAU unsere Galaxie!

A sky full of stars

(c) ESA/Hubble and NASA

Die Doctor Who-Fans unter euch werden es im Juli letzten Jahres sicher mitbekommen haben: Skandal! DER Doctor ist nach über 50 Jahren Sendezeit plötzlich eine Frau?! Der Shitstorm auf allen Social Media-Kanälen nahm sofort Fahrt auf, mit Hashtags wie #notmydoctor ließen die Sexisten, Traditionalisten oder einfach Idioten – wer weiß das schon so genau – ihrem Unmut freien Lauf. Schließlich könne man doch nicht einfach beim Helden der Science-Fiction-Serien das Geschlecht verändern! „Der Doctor ist ein Mann und war auch schon immer ein Mann…der Charakter wurde eindeutig mit männlichen Attributen geschrieben…die zuschauenden Kinder werden verstört…“

Naja, das war ja im Vorfeld schon zu erwarten gewesen. Haters gonna hate, wie man so schön sagt. Da hat sich auch Jodie Whittaker („Broadchurch“), die als 13. Regeneration von Doctor Who beim Weihnachtsspecial 2017 dann offiziell die Rolle übernahm, keine Illusionen gemacht.

I want to tell the fans not to be scared by my gender.“, ließ sie in ihrem ersten offiziellen Interview die Welt wissen.

Die Hater und die Schwarzseher sehen die Einschaltquoten der nächsten Doctor Who-Staffel schon im Keller und befürchten, dass die BBC die Serie bald nach Whittaker absetzen wird.

Aber viele, womöglich sogar die Mehrheit der Fans weltweit, haben keine Angst. Sie sind vielmehr freudig gespannt, was die nächste Staffel Ende 2018 an frischen Impulsen bringen wird. Denn nicht nur die Besetzung des zeitreisenden, exzentrischen Aliens ist neu, sondern es gibt auch neue companions und einen neuen Produzenten. Chris Chibnall, bekannt als Produzent und Autor von „Broadchurch“, war übrigens schon von Anfang an klar, dass er Doctor Who Nr.13 mit einer weiblichen Schauspielerin besetzen will. Und seine Wunschkandidatin war nun eben Whittaker.

Menschen, die wie ich Frau, Feministin und Geek sind, haben am 16.07.2017, dem Tag der „skandalösen“ Ankündigung, Luftsprünge gemacht. Und die kleinen weiblichen Fans der Serie freuen sich auch, dass ihr Held nun ihre HeldIN sein wird.

Das war sowieso mal überfällig.

Denn was das Alien aus Gallifrey so beliebt macht sind vor allem Intelligenz, Tapferkeit, Humor und eine Prise Verrücktheit. Wer da sagt, diese Eigenschaften seien ausschließlich männliche Attribute, dem rufen wir ein empörtes „Wie bitte?!“ (oder das britische „Excuse me?!“) zu.

Eine Sorge im Zusammenhang mit einem weiblichen Doctor halte ich allerdings für berechtigt: ihr Liebesleben. Und damit meine ich nicht die Frage, ob sie romantisches Interesse an Frauen oder Männern zeigen soll. Vielmehr wünschen sich viele, dass zumindest zunächst, auf ein love interest für Whittakers Doctor verzichtet wird. Der Doctor hatte in vergangenen Staffeln zwar auch schon Romanzen, aber diese standen nie besonders im Vordergrund der Handlung.

Grundsätzlich geht es bei Doctor Who um das Abenteuer, um Freundschaft, um Fragen der Humanität, der eigenen Endlichkeit…

Bekäme Whittaker sofort eine große love story, so wäre damit impliziert, dass die Heldin, nur weil sie jetzt eben weiblich ist, sich plötzlich nur noch für ihr Liebesleben interessiert. Was käme als nächstes, wird die Tardis dann rosa gestrichen, nur weil der Besitzer jetzt eine BesitzerIN ist?

Es bleibt abzuwarten, was der Produzent und seine Autor*Innen mit Doctor Who vorhaben. Außerdem wird es interessant sein zu sehen, wie die Übersetzer*Innen für die deutsche Fassung das Pronomen-Problem lösen. In der Originalfassung ist „the doctor“ einfach „the doctor“, egal ob männlich oder weiblich.

Ich frage mich, wie im Deutschen dann in der dritten Person über die Hauptfigur geredet wird. „Die Doktorin hat sich schon wieder mit den Daleks angelegt“? „Frau Doktor hat sich schon wieder mit den Daleks angelegt“ ?  …Hmmh, klingt irgendwie gewöhnungsbedürftig. Aber das ist es wahrscheinlich einfach nur, was viele an der Veränderung stört. Man(n) muss sich erstmal daran gewöhnen.

Aber wenn das letzte Weihnachtsspecial mit seiner (augenzwinkernden) Gegenüberstellung des ersten, altmodischen Doctors von 1963 mit dem aufgeklärten zwölften Doctor eines unterstrichen hat, dann dass Veränderung etwas Positives ist…

Juliane Hentschel

 

 

 

 

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