Eine Antwort von Norbert Lammert zur Eiswette

Daumen zeigt nach unten

Pech…
© frauenseiten.bremen ; Barckhausen

Vor zwei Monaten berichteten wir über die traditionelle Bremer Eiswette. Tanja Hausen und Heidrun Hafer stellten die Eiswette im Rahmen ihres Artikels kurz vor und stellten die Frage, die sich wohl viele Bremer*innen schon gestellt hatten: Warum dürfen eigentlich keine Frauen an diesem Ritual teilnehmen? Nicht, dass das eine Ausnahme wäre. Vielen Bremer Veranstaltungen, zu denen die höheren Kreise von Politik und Wirtschaft geladen sind, mangelt es an weiblichen Gästen. Warum Frauen dort so ungerne gesehen sind, das scheint keiner so wirklich gut fundiert beantworten zu können.

Um genau diese Frage allerdings endlich beantwortet zu sehen, schrieben Frau Hausen und Frau Hafer Anfang März 2016 einen offenen Brief an den Bremer Bürgermeister Dr. Sieling, den Präsidenten der Eiswette Dr. Wendisch und auch an den Bundestagspräsidenten Lammert, mit der Bitte um Klärung.

Anfang Mai kam dann aus Berlin eine Antwort aus dem Büro des Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert, die wir euch hier sehr gerne zeigen würden:

Sehr geehrte Frau Hafer, sehr geehrte Frau Hausen,

Ihre E-Mail vom 3. März 2016 ist von Bundestagspräsident Prof. Dr. Lammert zur Kenntnis genommen worden. Aufgrund der Fülle an Zuschriften kann er Ihnen leider nicht persönlich antworten. Er hofft auf Ihr Verständnis und hat mich gebeten, Ihnen zu schreiben.

Ihre Kritik an der Teilnahme des Präsidenten an der Bremer „Eiswette“ wurde aufmerksam gelesen. Die Bremer „Eiswette“ geht auf eine jahrhundertealte Tradition von Bremer Kaufleuten zurück und der Bundestagspräsident kann keinen Einfluss auf die selbst gesetzten Vereinsregeln nehmen. Zur Frage, dass der Ausschluss von Frauen von traditionsreichen Veranstaltungen wie der Bremer „Eiswette“ noch zeitgemäß ist, hat Herr Prof. Lammert allerdings an anderer Stelle Stellung genommen. Seine Rede von 2012 bei der Bremer „Schaffermahlzeit“, die neben der Bremer „Eiswette“ und dem „Tabak-Kollegium“ zur „Bremer Trilogie“ gehört, beendete er anlassbezogen mit einem humorvoll eingekleideten Hinweis, dass möglicherweise in zweiunddreißig Jahren – zum 500. Jubiläum – die Damen gleichberechtigte Teilnehmer der „Schaffermahlzeit“ sein werden. Die Rede können Sie bei Interesse unter dem beigefügten Link nachlesen:

http://schaffermahlzeit.de/rede-des-ehrengastes

Mit freundlichen Grüßen

im Auftrag

Dr. Luisa Becker-Ritterspach

Presse und Kommunikation

Referat Texte, Anfragen (PuK 3)

Eine direkte Antwort scheint es hier auch leider nicht zu geben. Wir warten auf weitere Rückmeldungen und halten euch auf dem Laufenden. Ein besonderer Dank noch einmal an Tanja Hausen und Heidrun Hafer, die sich für diese Sache so einsetzen!

 

Redaktion / Kim-Nicola Hofschröer

  4 comments for “Eine Antwort von Norbert Lammert zur Eiswette

  1. Renate
    24. Mai 2016 at 11:16

    Selbstverständlich kann ein Bundestagspräsident auf die Gästeliste indirekt Einfluss nehmen, indem er nämlich öffentlich eine Einladung zu einer Frauen diskriminierenden Veranstaltung ablehnt. Politische Einflussnahme ist sein tägliches Geschäft und da gibt es viele Möglichkeiten.

    Eine Gleichstellung von Frauen bei der Schaffermahlzeit erst in 32 Jahren ist im Hinblick auf Art. 3 GG nicht hinnehmbar. Insofern ist diese Redebeitrag des Bundestagspräsidenten zur Genderproblematik inhaltlich unzureichend.

    Humor ist im Allgemeinen wünschenswert, aber bei verfassungsrechtlich angreifbarer Handlungsweise wie der Diskriminierung von Frauen in der gesellschaftlichen Realität nicht angebracht, schon gar nicht bei einem ansonsten scharfsinnigen und mitunter auch scharfzüngigen Politiker.

    Immerhin, er hat geantwortet, nur der Inhalt der Antwort ist leider unbefriedigend.

  2. Kim
    24. Mai 2016 at 12:38

    Passend dazu ein Artikel aus der taz, danke an Heidrun Hafer für den Hinweis!

    http://www.taz.de/Maenner-buendeln-in-Bremen/!5303205/

  3. Laura
    25. Mai 2016 at 17:15

    An den Kommentar von Renate kann ich mich nur anschließen – genau das war auch meine Reaktion. Der Humorverweis ist unglaublich gönnerhaft und bevormundend – darauf kann frau wirklich verzichten. Als gewählter Vertreter der Bundesbürger und -bürgerinnen agiert er eben nicht als Privatperson, sondern ist aufgrund seines Amtes eingeladen und sollte somit Veranstaltungen boykottieren, die offensichtlich diskriminierend sind. Selbst die CDU hat in ihrem Regierungsprogramm als ein Ziel „gleichwertige Chancen für alle – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Hautfarbe“ ausgegeben.
    Ich bin als relativ neu zugezogene Bremerin immer wieder erstaunt, wie konservativ die doch angebliche so weltoffene und linke Hansestadt ist…

  4. Alice Horstmann
    30. Mai 2016 at 20:14

    Auch ich möchte mich den obenstehenden Kommentaren anschließen. Wer, wenn nicht ein öffentliches Amt bekleidende und (auch von Frauen) demokratisch gewählte Personen könnten hier eine Vorbildfunktion übernehmen.

    Traurig, dass wir solche Selbstverständlichkeiten überhaupt einfodern müssen und noch trauriger, solche Antworten darauf zu bekommen.

    Genau wie in der Führung von Unternehmen kann eine paritätische Beteiligung von Frauen an solchen Institutionen und Treffen nur positiven Einfluss haben. Ganz abgesehen davon, dass bei solchen Gelegenheiten wie der Eiswette sehr wohl wirtschaftliche und politisch relvante Themen diskutiert werden und Frauen die Chance haben müssen, sich hier beteiligen zu können.

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