Ashley Graham – ein Wandel im Modelbusiness?

Jährlich erscheint das Magazin Sports Illustrated im Februar, ein Magazin, das von vielen Beobachtern der Modelszene als das Sprungbrett für Karrieren gesehen wird. Elle Macpherson, Tyra Banks und Heidi Klum zierten schon das Cover des bekannten Magazins, um nur einige Namen zu nennen. 2016 markiert einen großen Schritt in der Geschichte des Magazins: Das erste Mal in der über 50-jährigen Geschichte des Magazins erscheint, auf einem der drei erhältlichen Cover, ein Model mit plus size (dt. Übergröße): Ashley Graham.

Übergröße oder normales Maß?

Man muss den Begriff Übergröße vielleicht erst einmal definieren. Ashley Graham hat, laut ihrer Modelcard, eine „Size 16“ im amerikanischen Maß, was einer deutschen Konfektionsgröße 46 oder XL entspricht. Damit gilt Ashley schon weit als Übergrößenmodel, fängt das, was die internationale Mode doch als Übergröße bezeichnet, schon bei einer 42 an oder, je nach Firma, schon bei einer 40. Für die meisten Frauen wirkt das wie ein absoluter Schock, vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Kategorisierung kaum dem Bild einer alltäglichen Frau entspricht. Mit Kleidergröße 40 oder 42 bezeichnet man selten eine Frau mit Übergröße, in der Modelwelt wird aber mit anderem Maß gemessen. Ungesunde Vorstellungen und unnötiger Druck vor allem auf junge Mädchen ist da vorgeplant. Nach dem ungesunden „Size Zero“ Trend der letzten Jahre, der eine Konfektionsgröße kleiner als die deutsche 32 (XXS) als das neue Schönheitsideale bewarb, ist die Vorstellung von einem gesunden Körperbild viel schöner.

Konfektionsgröße: Sexy!

Blau-rote Nana

(c) ver.di-Frauen Bremen

Graham selber wird dabei für eine gesunde Einstellung zum eigenen Körper – unabhängig vom Gewicht. Mit Hashtags wie #BeautyBeyondSize („Schönheit jenseits von Größe“) und #IAmSizeSexy („Ich trage Größe ‚Sexy'“) inspirieren Frauen über Instagram und Twitter hinaus, mit Ashley als Referenz, sich gegenseitig zu mehr Selbstliebe und mehr Akzeptanz für alle Größen. Jenseits von body shaming jeglicher Art sollen zierliche, dicke, übergewichtige oder eben auch ganz normale Frauen sich wohl und sexy fühlen. Jeder Körper ist schön, so Graham, die sich selber nicht als plus size Model bezeichnet. Ihr geht es um einen gesunden Körper, jenseits jeglicher Schönheitsideale. Oft wird ihr gesagt, sie müsse zu- oder abnehmen, einem bestimmten Körpertyp entsprechen oder ihren Look ändern. Das alles lehnt Graham bestimmt ab: Mit 29 Jahren fühlt sie sich wohl in ihrem Körper, mit Zellulite, Röllchen am Bauch und großen Oberschenkeln.

Ein Wandel der Wahrnehmung?

Lange überfällig ist diese neue Richtung, sagen viele, und Ashley Graham steht selber als Aushängeschild für ein positiveres Bild von Frauen. In einem, leider hier im Fernsehen wegen „unanständigem Inhalt“ nicht zugelassenen, Werbespot für die amerikanische Kleidungsfirma Lane Bryant, die ebenfalls auf Übergrößen spezialisiert, zeigt Graham sich mit anderen Übergrößenmodels wie Denise Bidot, Tara Lynn und Georgia Pratt. Dieser Körper, so der Spot, sei für alles gemacht – und, so die subtile Botschaft, eben auch für alles, was ein schlanker Körper ebenso kann. Ihre Unterstützung und Stärke gilt allen Frauen, hauptsächlich natürlich denen, denen ihre Kurven madig gemacht werden sollen. Selbstliebe ist das wichtigste, so Graham, was ihre Mutter ihr auch immer beigebracht hat. Sich selbst zu lieben, egal mit welchem Gewicht, das ist der Schlüssel zu wahrer Schönheit und hält deutlich länger als jede Diät oder Kur.

Kim Hofschröer

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