Traumwohnung – Zwischen Maklerlyrik und Wirklichkeit

Tasse mit Tee und ein Stück Zeitung

(c)Seniorenlotse ; Elisabeth Meier

Jeden Samstag stellen Immobilienfirmen neue Häuser vor und preisen den Baustil blumig an. Allerdings steht häufig die Beschreibung im harten Kontrast zu dem, was auf dem Bild zu sehen ist.

Da wird ein zweistöckiger Neubau, der den Eindruck erweckt als ob Kisten terrassenförmig aufeinandergestapelt worden seien, wie folgt beschrieben: „Die zeitlose, moderne Architektur zeigt eine klar strukturierte, trotzdem dynamische Gestalt.“ Damit der Baukörper nicht allzu trist aussieht, wurden einige Balkonelemente in Dunkelgrau gestrichen. In Maklerlyrik lautet es dann: “Die farbliche Hervorhebung einzelner Fassadenelemente geben den Häusern eine eigenständige, wertige Anmutung.“ Was das sein soll, hat sich mir noch nicht erschlossen. Der Häuserkomplex wirkt auf mich, als habe der Architekt für den Entwurf das SIMS-Spiel im Bau-Modus benutzt.

Loftcharakter

Ruderer auf einem Fluss vor Neubauten

(c)privat / KBU

In der Überseestadt werden Wohnungen mit „großartigem Raumgefühl im Loftcharakter“ angeboten. Gemeinhin versteht frau unter einem Loft, große Industrie- oder Gewerberäume, die von den Nutzer*innen individuell gestalten werden können. Dabei bleibt der ursprüngliche Charakter des Raumes erhalten: Hohe Fenster; häufig Säulen; ineinander übergehende Räume, die sich auf verschiedenen Etagen befinden können. In der Überseestadt sind die sogenannten Lofts 2,20 hoch, die Räume eng abgeteilt, Küchen und Bad teilweise ohne Fenster. In diesem Quartier werden Wohnungen auch häufig mit dem „Weserblick“ angepriesen. Auch wenn das nur unter Verrenkungen auf dem Balkon möglich wird.

Bauhausstil

baustil, Zeichnung eines kastenförmigen Hauses

(c)frauenseiten

In der Nähe des Bürgerparks steht ein dreistöckiger Baukomplex. Ich würde ihn als Bauklotz mit angebauten “Aquarien“ bezeichnen, da die Balkonkörper einfach übereinandergestapelt wurden. Die Kistenform scheint es Bremer Architekten ohnehin angetan zu haben. Damit es sich besser anhört, nennt man den Entwurf dann „Bauhausstil“. Eine solche Etikettierung, die allein aus dem würfelförmigen Baukörper abgleitet wird, aber deren Gestaltung der Fenster und Türen sowie Balkonanbauten, Terrassen- und Farbgestaltung dem gepriesenen Stil nicht entspricht, kann sich meiner Meinung nach damit nicht schmücken.

Edith Laudowicz

  1 comment for “Traumwohnung – Zwischen Maklerlyrik und Wirklichkeit

  1. Adelaide
    23. Juli 2017 at 9:24

    Ich denke, daß die Bauherren und ihre Familien, bestimmt nicht da wohnen!
    Sie wohnen und leben in einem anderen Stadtteil von Bremen!!

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