Mit dem Blues unterm Weihnachtsbaum

Dauerstress, Einsamkeit und Melancholie – das geht für viele mit der Weihnachtszeit Hand in Hand. Gibt es die sogenannte „Weihnachts-Depression“ wirklich? Wen der Advent tatsächlich psychisch belastet und wie wir in dieser Zeit für uns sorgen können, erfahrt ihr im folgenden Text.

Die Weihnachts-Depression gibt es nicht!

Weihnachts-Depression, Adventskranz, schw/weiss, mit vier brennenden Kerzen

(c) Seniorenlotse, Schnatmeyer

Bekanntlich schlägt ja die Winterzeit der einen oder anderen aufgrund des Lichtmangels schon mal aufs Gemüt. „Saisonale Depression“ (kurz SAD), Winter-Blues oder auch „Herbst-Winter-Depression“ nennt man diese Störung, die übrigens als ärztliche Diagnose anerkannt ist. Es scheint allerdings so, als ob die Vorweihnachtszeit psychisch labile Menschen noch einmal deutlich mehr belastet und Depressionen und Selbstmordgedanken verstärkt. Dass es zu Weihnachten zu mehr Selbsttötungen kommt, ist jedoch ein (hartnäckiger) Irrglaube. Die Statistiken belegen seit Jahren, dass es im Advent, verglichen mit dem Rest des Jahres, weder mehr stationäre Aufnahmen aufgrund depressiver Störungen noch mehr Suizide gibt.

Frau zieht Kragen über das Gesicht, ängstlich, schwarz weiß Bild

(c) privat ; Robers

Auch wenn es die Krankheit der Weihnachts-Depression statistisch gesehen also gar nicht gibt – Niedergeschlagenheit, Gereiztheit und Antriebslosigkeit können dennoch vielen von uns die Adventszeit ganz schön verderben. Psychosozial herausfordernd wird die Vorweihnachtszeit nämlich dann, wenn sich altbekannte Stressfaktoren wie Last-Minute-Geschenke-Suche, menschenüberfüllte Kaufhäuser, betriebliche Weihnachtsfeier und Vorbereiten des Festtags-Essens häufen. Dazu kommen oft noch zu hohe Erwartungen an die Feiertage als Zeit der Harmonie und der Besinnlichkeit. Es gilt der unausgesprochene „Zwang“ zum häuslichen Frieden. Und wenn dann doch zwischen Verwandten, die sich den Rest des Jahres aus dem Weg gehen, ungelöste Konflikte aufbrechen, die kleinen Kinder ungeduldig quengeln oder Geschenke schlecht ankommen, dann macht sich schnell Ernüchterung breit.

Friede, Freude, Eierpunsch? Fehlanzeige!

Wie aber kann sich Frau* (oder Mann*) vor zu viel Weihnachtsstress schützen? Die Lösung mag banal erscheinen, ist aber leichter gesagt als getan: Prioritäten setzen!
Schließlich geht die Welt nicht unter, wenn die Plätzchen mal gekauft statt selbst gebacken sind. Menschengedränge beim Geschenke-Einkauf lassen sich mitunter durch Online-Shopping vermeiden. Es muss auch nicht unbedingt die Weihnachtsfeier der eigenen Firma und der Firma des Partners und der Schule des Kindes und des Freizeitvereines abgearbeitet werden. – Und wenn doch, dann zumindest nicht jedes Mal mit dem Griff zum Glühwein. Sowieso ist Bescheidenheit bei alkoholischen Getränken und schwerem Essen empfehlenswert für Gemüt und Körper, nicht nur an Weihnachten. Das Gleiche gilt natürlich für Bewegung an der frischen Luft.

Die Weihnachtszeit ist eine gute Übungsphase für Selbstfürsorge und Achtsamkeit!

Allerdings können sich nicht alle Menschen so einfach dem „Weihnachts-Blues“ entziehen. Vor allem Ältere, Alleinstehende, kürzlich Verwitwete oder Geschiedene und hoffnungslos Erkrankte leiden an Weihnachten mitunter besonders schwer unter Einsamkeit. Da ist es eigentlich für alle nicht-einsamen Menschen angebracht, sich selbst einmal Fragen zu stellen wie: „Kann ich es nicht doch einrichten, die Oma im Dezember einmal mehr im Altersheim zu besuchen?“, oder: „Vielleicht mag der kürzlich verwitwete Nachbar nicht zum Weihnachtsessen dazu stoßen?“. Manchmal hilft schon ein bisschen persönliche Zuwendung, die einsamen Menschen das Gefühl gibt, nicht vergessen worden zu sein. Egal, ob es nun der kurze Anruf ist oder die nette Grußkarte, Nächstenliebe schenken kann jede*r.

Juliane Hentschel

 

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