Bremen geht gegen sexistische Werbung vor

In Bremen soll künftig sexistische Werbung von öffentlichen Werbeflächen verschwinden, das hat der Bremer Senat am 04. April entschieden. Damit wurde der Beschluss der Bremischen Bürgerschaft aus dem Jahr 2013 endlich umgesetzt. Hierzu wird die bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) in Zukunft als fachkundige Stelle Beschwerden von Bürger*innen überprüfen und Empfehlungen an die zuständigen Ressorts abgeben.

Schnelleres und konsequenteres Vorgehen gegen sexistische Werbung

Bereits 2013 reichten Bremer Bürger*innen eine Petition bei der Bürgerschaft ein, die sich gegen sexistische Werbung im öffentlichen Raum ausspricht. Der Bremer Senat beschloss nun, dass für öffentliche Werbeflächen die Kriterien des Deutschen Werberates gegen Diskriminierung und Herabwürdigung gelten. Mit dem neuen Beschluss kann die Stadt Bremen nun autark, noch vor den Empfehlungen und Rügen des Deutschen Werberates, reagieren. Somit soll ein schnelleres und konsequenteres Vorgehen gegen sexistische Werbung ermöglicht werden. Hierzu können sich Bürger*innen ab sofort direkt an eine Beschwerdestelle der ZGF wenden. Diese leitet die Beschwerden direkt an die zuständigen Ressorts weiter und gibt Empfehlungen ab. Die Entscheidung über die sofortige Entfernung der Werbung trifft dennoch das zuständige Ressort, in vielen Fällen das Bauressort.

Nackte Haut ist nicht gleich Sexismus

Zwei mal das selbe Werbebild mit einer in Unterwäsche gekleideten Frau auf einem Sessel, links mit dem Preis für einen BH, rechts mit dem Preis für den Sessel. Darunter steht "Manche Frauen lieben es, Dessous zu tragen. Keine Frau liebt es, nur die Deko zu sein. Pinkstinks".

Kampagnenbild Sexismus in der Werbung

Schon im Vorfeld äußerten besorgte Bürger*innen immer wieder die Angst, dass nackte Haut per se verboten werde und die ZGF als neue Sittenpolizei auftrete. Bei dem Vorgehen gegen sexistische Werbung geht es aber keineswegs darum, nackte Haut zu verbieten, wie beispielsweise der Weserkurier titelte. Es geht darum, auf öffentlichen Werbeflächen keinen Raum für Diskriminierung und Sexismus zu bieten. Das hat wenig mit Geschmack zu tun, viel mehr mit Menschenwürde. Wer den Unterschied zwischen sexistischer und sexy Werbung noch nicht erkennen kann, dem sei die Plakataktion von Pinkstinks ans Herz gelegt. Die Richtlinien des Deutschen Werberates geben zudem eindeutige Kriterien vor, nach denen Werbung als sexistisch eingestuft werden kann. Die Einhaltung der Leitlinien, nach denen der Deutsche Werberat schon jetzt Werbung beurteilt, ist somit keineswegs ein schmaler Grat, sondern ziemlich klar geregelt.

Bremen nimmt damit bundesweite Vorreiterrolle ein

Die Handhabe, die sich Bremen damit zusichert ist ein enormer Schritt gegen sexistische Werbung im öffentlichen Raum. Neben der Beschwerdestelle und dem Anwenden der Richtlinien des Deutschen Werberates, werden außerdem die Verträge zwischen den Resorts und den Werbeträgern so geändert, dass sexistische Werbung jederzeit entfernt werden darf.

„Werbung begegnet uns täglich in vielfacher Hinsicht, sie beeinflusst uns, ob wir wollen oder nicht. Und sie setzt ein bestimmtes Bild von Frauen und Männern. Wenn dabei mit Vorurteilen und Verhaltensweisen gearbeitet wird, die Frauen oder Männer abwerten, verächtlich darstellen oder auf ihre bloße Sexualität reduzieren, kann das ernsthaft niemand wollen. Deshalb ist es gut, dass der Senat jetzt ein klares Signal gesetzt hat: Keine sexistische Werbung auf öffentlichen Flächen“,

so die Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe. Die Sensibilität gegenüber Sexismus nehme in den letzten Jahren in der Bevölkerung stark zu. Schon jetzt komme es immer wieder zu Beschwerden bei der ZGF, sobald sexistische Plakate im Stadtbild auftauchen.

Nicht betroffen: Sexismus auf privaten Werbeflächen

Der Bremer Senatsbeschluss ist ein erster Schritt gegen sexistische Werbung und Diskriminierung im öffentlichen Raum. Dennoch bedeutet er nicht, dass das Bremer Stadtbild nun vollkommen frei davon sein wird. Gegen Sexismus und Diskriminierung auf privaten Werbewänden, hat Bremen keinerlei Handhabe. So tauchte zum Beispiel in letzter Zeit die sexistische Werbung der Band Frei.Wild auf vielen privaten Werbeflächen auf und es kam gehäuft zu Beschwerden. Viele der privaten Plakatfirmen entschieden zwar selbst, dass ihnen die Werbung zu weit geht, dennoch tauchte das Plakat immer wieder, mit einem Balken versehen, als zensierte Version auf. Über Werbung auf privaten Werbewänden muss sich also leider in Zukunft weiterhin aufgeregt werden.

Bald bundesweite Beschwerde-App und Website

auf grünem Hintergrund steht in einem violetten Kästchen Pink Stinks und darunter Vielfalt ist Schönheit

(c) Pinkstinks Germany e.V.

Doch auch auf Bundesebene verändert sich etwas. Ab Mai gibt es das Monitoring-Projekt der Organisation Pinkstinks. Bei dem zweijährigen, durch das Bundesfamilienministerium finanzierten Projekt werden eine App und eine Website entwickelt, die eine direkte, schnelle Beschwerde über sexistische Werbung ermöglichen sollen. Durch eine Datenbank sollen die Beschwerden gesammelt und so nachvollziehbar gemacht werden, welche Werbeanzeigen trotz Rüge des Deutsche Werberates weiter verbreitet werden. Pinkstinks zählt als sexistischer Werbung auch solche, die stark limitierende Geschlechterrollen zeigt. Dieses Kriterium wurde bei dem Senatsbeschluss durch die SPD bewusst gestrichen. Das ist nicht nur schade für Bremen, hätte der Einbezug von stereotypisierender Werbung in die Leitlinie doch eine noch entschlossenere Signalwirkung auch an andere Bundesländer, Kommunen und den Bund haben können.

Britta Grossert

  2 comments for “Bremen geht gegen sexistische Werbung vor

  1. Wiebke
    17. Juni 2017 at 20:58

    Danke für den Text! Ich finde die Entwicklung sehr positiv und hoffe, dass das Konzept in der Realität effektiv umgesetzt werden kann und nicht letztlich an bürokratischen Hürden im Detail scheitert. Zwar nehme ich sehr deutlich war, dass in der Werbung mit großer Mehrheit Frauen sexualisiert dargestellt werden, aber ich möchte anmerken, dass dies durchaus auch auf Werbungen mit männlichen Models/ Personen zutrifft. Es wäre toll, wenn in der Öffentlichkeit dann auch diese als „sexism“ wahrgenommen und dementsprechend entfernt werden.

    Viele Grüße, Wiebke

  2. Henriette Klages
    20. Juni 2017 at 18:43

    Warum wird/wurde eigentlich kein generelles Werbeverbot gefordert? Werbung braucht kein Mensch, keine Empörung mehr über die Gestaltung. Ich wäre sehr dafür und das Stadtbild würde profitieren.

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