Verborgenes sichtbar machen – Bremer Frauenkulturförderpreis verliehen

Auf dem Bils sieht man eine lächelnde Frau, die eine Bronze-Skulptur in den Händen hält.

Betty Kolodzy mit der Bronzeskulptur. Foto: Katharina Marks

Am 13.02.2019 wurde im Gerhard-Marcks-Haus der erste Bremer Frauenkulturförderpreis vom Senator für Kultur verliehen. Die Trophäe – eine Bronzeskulptur der Künstlerin Anne Baisch  – ging an die Autorin Betty Kolodzy, neben der das Bremer Frauenmuseum sowie der Kultur- und Bildungsverein belladonna nominiert waren. Der Preis würdigt Projekte von Frauen, die auf besondere Weise zur Förderung von Frauen in Kunst und Kultur beitragen. Eine wichtige Aufgabe, da Frauen im Kulturbereich noch immer unterrepräsentiert sind.

Frauen im Kulturbetrieb

Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm verwendet den Konjunktiv, wenn sie den Kulturbetrieb als Frauendomäne beschreibt. Laut ihr „könnte der Kulturbereich ein Frauenbereich sein“. Es seien deutlich mehr Frauen als Männer in Studiengängen der Kultur- und Kreativwirtschaft eingeschrieben. In der Realität, so Wilhelm, bleiben die Frauen jedoch unsichtbar. Wirft man einen Blick auf die Anzahl von Frauen, die in führenden Positionen im Kulturbereich tätig sind, zeigt sich, dass nur etwa 5% der Kunsthochschulen von Frauen geleitet werden. Auch hinsichtlich des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes von Frauen und Männern der bildenden Kunst wird ein Gender Pay Gap deutlich: Frauen verdienen etwa 60% weniger als Männer, so Wilhelm. Im vermeintlich progressiv denkenden Kulturbereich ist es bezüglich der Geschlechtergleichstellung also kaum anders als in anderen Arbeitsfeldern.

Sichtbarmachung der Frau im Kultursektor

Für diese Ausgrenzung von Frauen im Kulturbetrieb gilt es einen Gegenentwurf zu schaffen. Dafür engagiert sich, einerseits, der Senator für Kultur, der den Frauenkulturförderpreis verleiht und, andererseits, die drei nominierten Bremer Projekte, welche auf ihre eigene, besondere Weise die Frauen ins Licht des Kultursektors rücken.

belladonna

Digitalisierung eines Teilbestandes der Grauen Materialien des Bremer Frauenarchivs und Dokumentationszentrums, so lautet das Projekt des Kultur-, Bildungs- und Wirtschaftsvereins belladonna. Ziel des Projektes ist es, die sogenannten „Grauen Materialien“ – das sind Plakate, Tonaufnahmen, Zeitschriften und Bücher, die keine ISBN-Nummer haben und nicht über den Buchhandel vertrieben werden – zu digitalisieren und verschlagworten und somit für die Allgemeinheit zugänglich und sichtbar machen.

Bremer Frauenmuseum

Frauen wählen (sich selbst) – Vom Frauenwahlrecht zur Genderdiskussion, heißt die Veranstaltungsreihe des mobilen Bremer Frauenmuseums, innerhalb derer, 100 Jahre nach Durchsetzung des Frauenwahlrechts in Deutschland, die Fortschritte bei der Erlangung von Frauenrechten betrachtet werden. Darüber hinaus werden die Veränderungen der Ziele von Selbstbestimmung analysiert. Mit seinem Projekt trägt das Bremer Frauenmuseum dazu bei, den hartnäckigen Kampf der Frauen für eine gendergerechtere Zukunft sichtbar zu machen.

Betty Kolodzy

Auf dem Foto ist eine lächelnde Frau zu sehen und der Bürgermeister

Betty Kolodzy und der Bürgermeister Carsten Sieling. Foto: Katharina Marks

Ihr prämiertes Projekt Heimat: Sprache beschreibt Betty Kolodzy folgendermaßen:

„Ein scheinbar aus der Zeit gefallenes Wort, das wieder in aller Munde ist: Heimat. Anhand von fiktiven und autobiografischen Texten untersuchen wir Heimat und nähern uns der Bedeutung, die der Begriff für jeden einzelnen von uns hat. Dabei gehen wir auch der Frage nach, ob Heimat an eine geografische Lage gebunden ist oder durch Vertraute(s), durch Gewohnheiten, Rituale auch andernorts entstehen kann; ob sie sich über Landschaften oder Menschen definiert. Wie verändert sich Heimat – im Kopf und vor Ort – während unserer Abwesenheit? Wie verändert sich unser Blick auf die Heimat im Laufe des Lebens?“

Die Frage nach der Bedeutung von Heimat müssen sich derzeit auch viele geflüchtete Frauen stellen. Kolodzy bietet diesen Frauen einen Rahmen, sich mit der Beantwortung der Frage durch das Verfassen von biographischen Texten kreativ auseinanderzusetzen. Dabei stellt sie beispielsweise Dolmetscher*innen zur Verfügung, die die Frauen bei ihrem Schreibprozess begleiten oder sorgt für die Betreuung ihrer Kinder. Durch das Schreiben erhalten die Frauen die Möglichkeit, innere Blockaden zu lösen und ihr Selbstvertrauen zu stärken, indem sie eigene kleine Werke anfertigen. Der Umgang mit Sprache gibt ihnen Halt und schafft eine innere Stabilität, da Erlebnisse reflektiert und verarbeitet werden können. Somit verschafft das Schreibprojekt den Frauen und ihren persönlichen Geschichten Sichtbarkeit und verortet sie in ihrer neuen Heimat: Sprache.

In ihrer Dankesrede las Betty Kolodzy zwei bewegende Texte von einer der Frauen aus ihrem Schreibworkshop vor. Hier ein kleines Exzerpt aus dem Gedicht Ich von Latifa:

Und du wandertest
mit den Vögeln
zwischen Himmel und Meer,
auf der Suche
nach Sicherheit.

Mehr könnt Ihr hier lesen

Wir sind uns sicher, noch viel von Betty Kolodzy und ihren wunderbaren Frauen lesen zu werden!

Katharina Marks und Svenja Steenken

 

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