Das Buch „Bremer Frauen: Eine Spurensuche auf dem Riensberger Friedhof“ mit dem Text von Christine Holzner-Rabe sowie den Fotografien von Regina Contzen ist 2024 im Carl Schünemann Verlag erschienen. Auf den 119 Seiten des Buches geht es genau darum, was der Titel verspricht. In zwei Rundgängen wird die Leser*in mit Fotografien und kurzen Biografien zu 34 der bestatteten Frauen über den Riensberger Friedhof in Schwachhausen geführt. Im Umschlag des Buches findet sich auch eine Karte mit den zwei Rundgängen, sodass die interessierte Leser*in diese auch selbstständig ablaufen kann. Der erste Rundgang umfasst dabei die Biografien von 19, der zweite Rundgang die Biografien von 15 Frauen.
Die Biografien enthalten dabei neben allgemeinen Informationen wie dem Namen und den Lebensdaten auf zumeist zwei bis drei Seiten auch eine Lebensbeschreibung der entsprechenden Protagonistin. Auf der ersten Seite finden sich jeweils in kursiv nähere Informationen zum Grab. Besonders eindrücklich sind das dort abgebildete Foto der jeweiligen Protagonistin sowie eine Aufnahme ihres Grabes.

Relevanz des Buches
Zur Motivation der Autorin findet sich schon im Vorwort die folgende Aussage:
„Hier fanden auch viele bis heute bekannte Repräsentanten der Bremischen Politik, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft ihre letzte Ruhestätte. Meist vergessen sind hingegen Frauen, die in vielfältiger Hinsicht das Gesicht Bremens prägten und deren Leben und Leistung überraschen und bis in die Gegenwart nachwirken.“ (S. 4)
Aufgefallen sei dieser Missstand bereits 1996:
„Bereits 1996 war dieser Mangel dem Bremer Frauenmuseum bewusst, weshalb im Rahmen einer ABM-Stelle die Historikerin Ute Domdey mit der Recherche zu bedeutenden Frauen beauftragt wurde. Sie stellte acht längere und vier kürzere Biografien zusammen, die 1997 als Broschüre mit dem Titel ‚Riensberger Gräber erzählen. Aus dem Leben Bremer Frauen.‘ veröffentlicht wurden.“ (S. 4)
Der Zeitraum
Die Biografien umfassen dabei die Leben von Frauen vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum frühen 21. Jahrhundert. So wurde Amalie Gildemeister am 16.06.1803 geboren, ihr Geburtsdatum ist damit das früheste im Buch verzeichnete Geburtsdatum (S.12). Amalie Henriette Sophie Murtfeld verstarb am 28.06.1888 (S. 78). Ihr Sterbedatum ist das am frühesten im Buch verzeichnete. Das späteste Geburtsdatum findet sich mit dem 01.04.1940 auf dem Grabstein von Prof. Dr. Helga Krüger (S.94). Das späteste Sterbedatum ist mit dem 18.10. 2020 das von Paula Bücking (S. 81)
Frauen- und Regionalgeschichte
Beim Lesen ist besonders die Verbindung von Frauen- und Regionalgeschichte höchst interessant. Christine Holzner-Rabe nimmt die Leser*innen mit auf eine Reise durch das Bremen des 19. und 20. Jahrhunderts und schildert dabei eindrücklich, in wieweit Frauen das heutige Leben in der Stadt prägten und hebt besondere Errungenschaften der Akteurinnen heraus. So gilt Dr. Verena Rodewald, am 05.08.1866 in Bremen geboren und am 04.12.1937 in Bremen verstorben, nach aktueller Quellenlage als die erste Frau, die 1908 in Bremen promovierte. Die Autorin ordnet dies als besonders bemerkenswert ein:
„[…] weil Frauen erst ab 1908 bzw. 1909 an allen deutschen Universitäten regulär studieren durften, in wenigen Bundesländern etwas früher.“ (S. 55)
Der regionale Bezug zu Bremen ist für Leser*innen in der Umgebung besonders interessant, da das Buch Interesse weckt, auch über einen Rundgang über den Riensberger Friedhof hinaus die genannten Orte zu erkunden. Aber auch für Leser*innen außerhalb Bremens bietet das Buch interessante Eindrücke in die Frauengeschichte. Durch die kurzen Biographien bietet es einen schönen Ansatzpunkt, um sich mit der Geschichte von Frauen zu beschäftigen.
Eine klare Leseempfehlung!
Swantje K.



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