Corona – Wörter des Jahres

halbes Gesicht mit Mundschutz

(c) frauenseiten

Das Jahr ist noch jung, und doch ist schon absehbar, dass das „Wort des Jahres“ mit Corona zu tun haben wird. Viele, zum Teil neue, Wörter sind plötzlich in aller Munde – und bereits gebräuchliche Wendungen erlangen nun eine neue Bedeutung. Das Wort des Jahres wird zwar immer erst Ende eines Jahres von der Gesellschaft für deutsche Sprache herausgegeben, aber hier schon mal eine kleine Auswahl der Kandidaten:

Abstandsregel:

bis vor kurzem diskutiert als Mindestabstand (1000 m) von Windrädern zu Wohnsiedlungen, hilft nach bisherigen Erkenntnissen am besten gegen die Übertragung des Virus. Empfohlen wird ein Mindestabstand von 1,5m oder 2m zu anderen Personen. Neudeutsch auch: Social Distancing.

Autokino:

in den 1960er und 1970er Jahren bei Teenies beliebt als Gelegenheit zum ungestörten Knutschen – erlebt gerade Wiederauferstehung als Möglichkeit, in Zeiten des Lockdown eine Art Gemeinschaftserlebnis zu erfahren. Im Bremer Umland in Brinkum und in Hatten bei Oldenburg zu erleben.

„Bleibt gesund“:

angesagte Grußformel zum Abschied (Sicherheitsabstand einhalten!) oder am Schluss von Mails oder Briefen

Corona:

bezeichnet alles Mögliche, steht jetzt vor allem für die Krise, die Krankheit, das Virus. So mussten Läden zum Beispiel „wegen Corona“ schließen.

Coronalüge:

ja, auch das gibt es: Verschwörungstheoretiker sind davon überzeugt, die Krise sei erfunden – wahlweise von den USA, China, Kanzlerin Merkel oder Bill Gates – um die Weltherrschaft zu erlangen (aber hat Google die nicht schon längst?!)

Coronavirus:

entdeckt in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts in London von der Elektronenmikroskop-Technikerin und Virologin June Almeida (1930-2007). Den Namen wählten sie und ihre Kollegen wegen der kronenähnlichen Enden des Virus. Corona: lateinisch für Krone. Es gibt unterschiedliche Corona-Viren.

neuartiger Coronavirus:

mit dem haben wir es jetzt zu tun: vollständiger Name: SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) CoV2, löst die Krankheit Covid-19 (Corona Virus Disease 2019) aus.

Desinfektionsmittel:

unbedingt wichtig, um sich die Hände zu desinfizieren und damit möglichst nicht anzustecken oder andere anzustecken. Die hygienischen Handspender wurden übrigens erfunden von Lupe Hernandez

Zeichnung verschiedener geläufiger Coronawörter über Bilder

Corona Wörter (c)Renate Strümpel

Ellenbogencheck:

Ersatz für Umarmung oder Handschlag zur Begrüßung, damit die Abstandsregel gewahrt bleibt.

Epidemie:

laut Duden eine zeitlich und örtlich besonders stark auftretende Infektionskrankheit; leider ist es nicht bei „örtlich begrenzt“ geblieben.

Klopapier, auch vornehmer ausgedrückt: Toilettenpapier:

erstaunlicherweise in Deutschland und vielen anderen Ländern der erste Artikel, der bei Beginn der Krise in den Läden ausverkauft war. Vereinzelt kam es zu Schlägereien vor den Supermarktregalen. Manche Kund*innen wollten bis zu zehn Packungen auf einmal kaufen. Die Läden mussten die Abgabe auf eine Packung pro Person beschränken. Trotzdem waren die Regale immer kurz nach Auffüllung wieder leergefegt. Da nun wohl die meisten Haushalte auf Monate hinaus versorgt sind, kann demnächst ein Klopapierstau in den Läden erwartet werden.

Etikette:

bisher als überkommene Verhaltensregeln belächelt – jetzt als Hust- und Nies-Etikette unverzichtbar.

Fußshake:

Ersatz für Umarmung oder Handschlag; hat gegenüber dem Ellenbogencheck noch den Vorteil, dass der Gleichgewichtssinn trainiert wird.

Geisterspiele:

haben nichts mit Halloween zu tun, sondern sind bekanntlich Fußballspiele ohne Zuschauer*innen; bisher als Strafmaßnahme nach Fan-Ausschreitungen verhängt – jetzt die einzige Möglichkeit, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Wird von den Fans allerdings ebenso als Strafe gesehen.

Homeoffice:

Neudeutsch für Heimarbeit. Klingt moderner. Bis vor kurzem von manchen Arbeitnehmer*innen heiß ersehnt, nun sehnen sich aber viele schon wieder nach Büro und Kolleg*innen zurück.

Maske:

gemeint ist nicht die Verkleidung im Karneval oder die (verbotene) Vermummung von Demonstrant*innen, sondern der Mund-Nasenschutz zur Vermeidung von Infektionen, und inzwischen in bestimmten Situationen sogar vorgeschrieben.

Lockdown:

Neudeutsch für Ausgangssperre.

Öffnungsdiskussionsorgien:

eine Wortschöpfung der Kanzlerin, mit der sie davor warnte, zu schnell alle Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie aufzuheben.

Pandemie:

laut Duden eine sich weit verbreitende, ganze Länder oder Landstriche erfassende Epidemie – inzwischen sogar global vorkommend.

Regenbogen:

wurde bisher assoziiert mit der Regenbogenfahne mit dem PACE-Schriftzug der internationalen Friedensbewegung, mit Regenbogenfamilien und der Queer Community – hängt jetzt als Kinderzeichnung in den Fenstern als Gruß und Dank an Menschen aus systemrelevanten Berufen

Schlange stehen:

bisher eher eine in Großbritannien geübte Tradition, die das Warten auf den Bus oder an der Supermarktkasse stressfrei gestaltet – inzwischen auch in Deutschland akzeptiert.

Shutdown:

Neudeutsch für Betriebsschließung

Social Distancing:

Neudeutsch für Abstand halten. Eigentlich müsste es Physical Distancing heißen, aber social hat sich etabliert…

systemrelevante Berufe:

werden vor allem von Frauen ausgeübt – so die überraschende Erkenntnis: in den Kliniken und Altenheimen, an der Supermarkttheke und -kasse, …

Tests:

von Schüler*innen gefürchteter Satz der Lehrer*in: „Zettel ‚raus. Heute schreiben wir einen Test.“ – Jetzt ersehnt, doch leider steht nicht genug Corona-Testmaterial zur Verfügung, um alle Testwilligen zu versorgen.

Video-Konferenz:

in Verbindung mit dem Homeoffice gerade sehr „in“; klingt modern, nervt aber inzwischen schon wieder viele, auch, weil die Technik immer mal wieder versagt.

Virologen, seltener: Virologinnen:

sind neuerdings Medienstars, so wie Christian Drosten von der Berliner Charité oder Hendrik Streeck von der Universität Bonn. Frauen sind deutlich unterrepräsentiert. Im NDR kommt immerhin schon mal Marylyn Addo vom UKE Hamburg zu Wort.

Zusammenhalt:

wird als Form der Solidarität beschworen, um Egoismen (siehe Klopapier) vorzubeugen. Es soll Personen geben, die im Supermarkt freiwillig nur eine Packung Klopapier nahmen, obwohl noch mehrere zu haben waren.

Irene Meyer-Herbst

  1 comment for “Corona – Wörter des Jahres

  1. Ulrike Hauffe sagt:

    Ich bin für: systemrelevant!

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