„Der Bachelor“ – 22 Frauen auf der Suche nach ihrem Prinzen

Die Fernsehsendung „der Bachelor“ ist nicht viel mehr als Fleischbeschau mit romantischer Musikuntermalung – und erfreut sich dennoch großer Beliebtheit.

verblühte Rose

© J. Bartmann

Die neuste Staffel des Bachelors auf RTL neigt sich dem Ende zu. Das Prinzip der Show ist seit nun mehr sechs Staffeln denkbar einfach, aber nicht minder beliebt: 22 Frauen buhlen um die Aufmerksamkeit eines vermeintlich attraktiven und erfolgreichen Mannes oder umgekehrt. Im Laufe der neun Folgen dürfen die zuvor gecasteten Frauen beweisen, wie gerne sie mit einem Mann zusammen sein wollen, den sie nicht einmal kennen. Am Ende kann nur eine den Sieg davontragen und diese erhält die letzte, umkämpfte Rose. Während der Suche nach der großen Liebe wohnt der „Bachelor“ mit seinen Anwärterinnen in einer riesigen Villa im amerikanischen Paradies. Auf dem Weg zur Entscheidung wird geflirtet, gedatet und gekutscht was das Zeug hält. Auffällig ist sofort, dass sich die Frauen nur durch ihre unterschiedlichen Haarfarben unterscheiden. Allesamt sind sie dünn, langhaarig und entsprechen den gängigen Schönheitsidealen. Die vom Sender bewusst gewählte Diversität lässt keine Abweichungen zu.

Der diesjährige Bachelor Leonard mit dem passenden Nachnamen „Freier“ ist mit seinen 30 Jahren im perfekten Heiratsalter. Er ist dank seines Jobs als Unternehmensberater finanziell gut aufgestellt und attraktiv, im fehlt nur noch die passende Ehegattin. Bei der Wahl seiner Gattin steht nicht etwa der Beruf, die Intelligenz oder der Charakter der Frauen im Vordergrund, sondern nur ihr Äußeres.

We raise girls to see each other as competitors not for jobs or accomplishments, which I think can be a good thing, but for the attention of men.

Chimamanda Ngozi Adichie

RTL ist ohnehin ein Sender, der sich meist durch das schonungslose Ausschlachten von Einzelschicksalen einen Namen macht. Dies stellen die Produzenten des „Bachelors“ einmal mehr unter Beweis: Die Teilnehmerinnen werden als naive Püppchen dargestellt, die sich auf dem Weg zu ihrem Ziel gegenseitig ausstechen wollen. Dass der Großteil der Frauen studiert, einen Job hat und weitaus mehr als ihr schönes Äußeres zu bieten hat, wird gekonnt ignoriert.

Wer ist die schönste im ganzen Land?

nackte Barbiepuppen

(c) Schütte priv.

Die Fernsehshow verbreitet ein Frauenbild, welches nicht nur antiquiert, sondern auch falsch ist. Den rund vier Millionen Zuschauer*innen der Show, darunter viele junge Frauen, wird vermittelt, dass sie nur mit einem hübschen Äußeren ihren Traummann finden können. Man sollte meinen, dass Themen wie Gendermainstreaming in der heutigen Gesellschaft umfassend Beachtung geschenkt werden. Doch der Erfolg von Shows wie dem „Bachelor“ oder „Germanys next Topmodel“ zeigt das Gegenteil: Die Gesellschaft möchte sich der Vorstellungen hingeben, dass eine Frau nur glücklich sein kann, wenn sie sich einen „guten“ Mann angelt und/oder einfach nur schön aussieht.

Komm, wir pfeifen auf den Feminismus!

Jede Art von Emanzipation und Selbstachtung der Frauen werden im Laufe der Sendung über Bord geworfen und es scheint niemanden zu stören. Die lang erkämpfte Gleichstellung passt nicht in das Konzept der Fernsehsendungen. Bei all dem darf man nicht vergessen, dass es sich um gescripte und verschönte Ausschnitte einer Show handelt. Die jungen Zuschauerinnen halten dies jedoch häufig für die Realität.

Mintje Zorn

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