Der Frauenraum „EigenArt“ stellt sich vor

Der Frauenraum „EigenArt“ stellt sich vor – Warum einen Frauenraum? Ich habe Besucherinnen und Mitarbeiterinnen befragt.

Besucherinnen sagen dazu:

  • …weil wir hier mit entscheiden können und gefragt werden.
  • …weil ich hier einfach „sein“ kann, ohne etwas leisten zu müssen.
  • …weil es ganz facettenreich ist durch so unterschiedliche Frauen.

Interview mit den Mitarbeiterinnen des Frauenraums:

Wann ist die Idee dazu entstanden?

Dass es diesen Frauenraum jetzt gibt, ist zum großen Teil dem AK Frauen und Psychiatrie zu verdanken. Seit fast 20 Jahren arbeiten im AK Kolleginnen fast aller Träger der psychiatrischen Versorgung in Bremen zusammen, Kolleginnen, die an der Basis arbeiten im Betreuten Wohnen, in der ambulanten psychiatrischen Pflege und der Soziotherapie. Fast alle der teilnehmenden Kolleginnen betreuten während dieser Jahre immer wieder Frauen, die hauptsächlich aufgrund einer Traumatisierung sich nicht in gemischtgeschlechtlichen Zusammenhängen bewegen konnten oder wollten. Zur Findung einer geeigneten Tages- oder Wochenstruktur außerhalb ihrer eigenen vier Wände konnten wir diesen Frauen nichts Niedrigschwelliges anbieten.

Seitdem ist im AK Frauen die Rede davon, dass wir in Bremen ein Angebot wie den Frauenraum brauchen. Seit 2006 gab es viele konkrete Überlegungen, spezifische Frauenangebote in bestehende Angebote (Tagesstätten, Rückzugshaus) einzufügen, doch eine Fahrt nach München 2009 zur Hospitation in der Frauentagesstätte „EigenSinn“ des FTZ München machte Mut, die Vision eines eigenen Frauenraums für Bremen weiter zu denken, ein Konzept zu schreiben und dies der inzwischen existierenden AG Gender vorzustellen. Die AG Gender verfasste gerade die Genderleitlinien für das Land Bremen. Der Frauenraum „EigenArt“ stellt eine gute Umsetzung der Genderleitlinien dar. Die AG Gender gründete eine Unterarbeitsgruppe und dann nahm die konkrete Umsetzung Gestalt an.

Das Konzept des Frauenraums wurde von Nutzerinnen und Hauptamtlichen gestaltet. Es wurden acht Treffen veranstaltet. Die Frauen bringen sich selbst mit ein und das inhaltliche Programm lebt davon. Auch Krisenberatung in geringem Umfang wird angeboten.

Warum ein Frauenraum?

Es gibt viele Frauen, die traumatische Erlebnisse hatten und eine Anlaufstelle brauchen, um in Kontakt zu kommen und sich rauszutrauen. Gemeinsames Handeln ist wichtig, um sich auch weitere Schritte zuzutrauen. Weitere Themen sind: Selbststärkung, ich gehöre dazu, werde wertgeschätzt, gemeinsam kochen, ins Theater gehen, Kontakte über den Frauenraum zu bekommen.

Welche Institutionen beteiligen sich daran?

Verein der Inneren Mission, Gapsy (Gesellschaft für Ambulante Psychiatrische Dienste GmbH), ASB – Gesellschaft für seelische Gesundheit mbH und die Initiative zur sozialen Rehabilitation.

Wie ist die Finanzierung?

Es gibt Unterstützung von Aktion Mensch. Sie zahlen drei Jahre 70 Prozent der Personalkosten. Alle weiteren Sach- und Personalkosten übernehmen die vier oben genannten Träger.

Welche Ausbildungen haben die Mitarbeiterinnen?

Frau Lenz und Frau Müller vom Team (c) Frau Thein

Frau Lenz und Frau Müller vom Team
(c) Frau Thein

  • Annette Welchering: Sozialpädagogin, Gestaltungstherapeutin, Soziotherapeutin
  • Birgit Lenz: Altenpflegerin, Zusatzausbildung als Soziotherapeutin
  • Margarete Müller: Sozialpädagogin
  • Elke Hinrichsen: Sozialpädagogin

Alle haben langjährige Berufserfahrungen im psychosozialen Bereich, arbeiten im Frauenraum Teilzeit und sind auch noch bei ihrem jeweiligen Träger tätig.

Was wird angeboten?

Es gibt ein offenes Angebot für Begegnung und gemeinsame Aktivitäten: gemeinsames Vorbereiten und Kochen, gemeinsames Essen (möglichst gesunde Ernährung), Singen, Qigong, Malen, Nähen, Spielen. Es sind noch außerhäusige Aktivitäten geplant, z.B. Museen, Ausflüge in die Natur. Einmal in der Woche gibt es ein einstündiges Treffen am Montag, wo alle gemeinsam gucken, was gibt es für Themen, was gibt es für Wünsche, was machen wir.

Was soll durch den Frauenraum gestärkt werden?

Die Frauen sollen ermutigt werden, wieder rauszugehen. Stärkung des Selbstwertgefühls, Zutrauen in die eigenen Kompetenzen, Fähigkeiten, Gemeinschaft erleben, gemeinsam Spaß und Freude zu haben, Freiwilligkeit im Kommen.

Wie wird der Raum von den Benutzerinnen angenommen?

Seit Mitte Mai ist der Frauenraum „EigenArt“ nun geöffnet, an drei Tagen von 11 bis 17 Uhr. In diesen knapp vier Monaten sind schon weit über 120 Frauen hier gewesen. Es hat sich ein Kreis von Frauen gebildet, die regelmäßig kommen. Täglich sind über den Tag verteilt etwa 8 bis 15 Frauen hier, einige für kurze Kontakte, einige während der ganzen Öffnungszeit. Es sind Frauen von Mitte 20 bis Mitte 70, die meist wenig bis keine Sozialkontakte haben. Einige Frauen sind sehr mobil und kommen sogar von weit her, aus Gröpelingen, Bremen-Nord, vereinzelt auch aus dem niedersächsischen Umland. Andere brauchen für den Anfang aufgrund ihrer Ängste eine Begleitung hierher, bis sie es irgendwann alleine schaffen zu kommen. Wir sind sehr zufrieden mit dem Zuspruch von Frauen und möchten daher ab Anfang November 2015 noch einen Tag mehr öffnen, und zwar freitags von 11 bis 15:30 Uhr.

Eine Frau sitzt am Tisch und liest aus einem Buch vor

Frau Brüninghaus liest am „Tag der offenen Tür“ 17.9.15
(c) Frau Thein

Anschrift und Öffnungszeiten:

Frauenraum „Eigenart“
Feldstr. 52/54
28203 Bremen
Tel. 0421-790 11 800
Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag jeweils 11:00 – 17:00 Uhr, Freitag 11:00 – 15:30 Uhr
Haltestelle Am Dobben – Linien 1, 4 und 10; Haltestelle Brunnenstraße – Linien 2, 3 und ebenfalls 10

 

Barbara Lindeman

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