Die akustische Enttäuschung – Interview mit Bremer Podcast

Zwei Frauen sprechen alle zwei Wochen über queerfeministische Themen. Ein Bremer Podcast mit viel Charme. Wir haben mit Julia und Julia über das Podcasten, die queere Szene in Bremen und ihre Lieblingsorte gesprochen.

frauenseiten: Liebe Julias, wie fing alles an? Und seit wann macht ihr das?

Julia B: Tatsächlich entstand der Podcast aus unseren Jobs beim Radio. Gefühlt ist das dort ja absolut heteronormativ, queere Themen finden nicht/kaum statt und wenn, dann hat man zeitliche oder thematische Vorgaben.
Aber wir fanden beide: „Da muss man was tun.“ Nach einem vergeblichen Versuch, Queerness doch ins Radio zu bringen, war die Idee geboren. Dann machen wir‘s halt selber. Und dann pfuscht uns niemand rein, auch wenn es natürlich erst mal schwer ist, ein Publikum aufzubauen. Los ging’s im Mai 2019 und seitdem quatschen wir alle 2 Wochen über alles mögliche.

Selfie der zwei Podcasterinnen Julia und Julia von der Akustischen Enttäuschung

(c) Die Akustische Enttäuschung, Julia und Julia vom Podcast

frauenseiten: Der Titel „Die akustische Enttäuschung“ ist ja sehr norddeutsches Understatement, denn es ist ja sehr unterhaltsam mit Euch. Warum so viel Tiefstapelei?

Julia K: Noch vor dem Podcasting haben wir angefangen, Games im Live-Letsplay zu streamen. Unseren Gaming-Channel haben wir „Die optische Enttäuschung“ genannt, weil wir einmal das Wortspiel witzig fanden und uns auch ein bisschen darüber lustig machen wollten, wie manche Menschen „Gamer Girls“ sehen. Wir haben auf einer Games Seite mal ein Ranking der „Hottesten Gamer Girls“ gefunden und wollten das persiflieren. Daraus haben wir ein paar Monate später dann einfach unseren Podcast-Namen weitergesponnen, der in eine ähnlich ironische Richtung geht.

frauenseiten: Ihr habt einen queerfeministischen Podcast hier in Bremen. Wie steht es um die queerfeministische Szene hier in Bremen? Groß, gut vernetzt, partylastig, besonderer Charakter?

Julia B: Tja, die Szene-Frage. Ich weiß, es gibt sie auf jeden Fall, aber man muss schon suchen. Und man braucht Kontakte. Wenn ich nicht eine sehr aktive Freundin hätte, die bei Facebook die Gruppe „Queergang Bremen“ gegründet hat, dann wüsste ich nicht recht, wann und wie man ausgehen könnte. Parties finden leider nur sehr selten statt, da werden eher Workshops/politische Aktionen/Kunstausstellungen/Lesungen/Vorträge/usw geteilt. Schon mal super, aber ich würde tatsächlich sagen, partylastig ist Bremen nicht. Es gibt ein paar Mainstream-Parties, aber die richten sich hauptsächlich an schwules Publikum. Da gäbe es auf jeden Fall noch Luft nach oben.

frauenseiten: Und zum Podcast selbst: was würdet ihr anderen Frauen* mitgeben, wenn sie überlegten, einen Podcast zu starten?

Julia K. : Keine Angst vor der Technik! Und habt Geduld beim Einrichten, Aufnehmen, Schneiden und Veröffentlichen Eures Podcasts. Wenn Ihr Lust habt, über etwas (Un–)Bestimmtes zu reden, vertraut auf eure Stimme. Jede Stimme ist auf ihre Art und Weise schön.

frauenseiten: Noch mal zurück zu Bremen und der Kulturszene. Habt ihr liebste Ausgeh-Orte?

Julia B: Ich geh gerne in der Neustadt weg, wo ich ja auch wohne (Kuss Rosa, Kukoon, Papp), aber auch die Bars im Viertel find ich toll (Wohnzimmer, Fehrfeld).
Die Idee „Zucker“ in Bremen finde ich ganz fantastisch, bei einer Party war ich bisher aber noch nicht. Würde ich gerne mal nachholen.
Neulich habe ich mal die Pusdorf Studios als Location ausprobiert, fand ich auch cool. Bremen hat echt einige nice Ecken, wenn man genauer hinschaut.

Julia K. : Die besten Konzert-Locations sind auf jeden Fall Schlachthof, Lagerhaus und Tower für mich.
Im Tower und der Spedition habe ich bisher die besten Parties hier erlebt. Vor allem weil die Musik und das Publikum für mich passt.

frauenseiten: Was ist bei Euch thematisch demnächst geplant?

Julia B: Wir wollen gerne mal noch andere Menschen interviewen. Denn gerade bei den trans/inter/enby Themen ist unser Wissen sehr begrenzt. Aber wir haben Bock, noch viel darüber zu erfahren und dann darüber auch zu sprechen.
Und die „on the road“ Dinger haben auch Spaß gemacht, könnte man wiederholen :).
Und wir wären auch gerne mal selbst Gäste bei einem Podcast!

Julia K.: Richtig stark wäre ein Live-Podcast mit Publikum innerhalb eines Podcast-Festivals oder so… ist im Moment zwar in seeeeehr weiter Ferne, aber träumen geht ja immer.

zwei Frauen lächeln ins Bild, Podcast Die Akustische Enttäuschung

(c) Die Akustische Enttäuschung

frauenseiten: Welche Podcasts hört ihr gern?

Julia K. : Ich liebe True-Crime-Podcasts und habe zuletzt „Christin und ihre Mörder“ vom RBB mit Spannung verfolgt. Der beste Musik-Podcast ist für mich „Machiavelli“ von COSMO.
Der beste Games-Podcast war „Rush“ von detektor.fm und Giga Games – ungeschlagen für mich in der Themenvielfalt: von toxic masculinity bis mental health in Computerspielen haben die da alles besprochen. Leider wurde der Podcast Ende 2019 eingestellt.
Ansonsten mag ich die Podcasts von Toyah Diebel („Toyah aber billig“), Paula Irmschler und Linus Volkmann („Feminismus und Autotune“) und könnte mich immer totlachen bei Coldmirrors Podcast „5 Minuten Harry Podcast“.

Julia B: Ich bin eine Springerin. Wenn mir jemand was empfiehlt, dann höre ich rein. Ich finde Gespräche toll und lerne was dazu. Aber tatsächlich verfolge ich aktuell aus Zeitgründen selbst keine Podcasts.

frauenseiten: Und was wollt ihr noch loswerden/sagen?

Julia K. Klar wirkt es so, als würden “gerade alle einen Podcast haben”, einfach weil Podcasts so beliebt sind und die Möglichkeiten, sozusagen ja eigene Sendungen zu veröffentlichen, so vielfältig sind. Aber es gibt so viele Themen, die nicht oder für mich unzureichend besprochen werden, dass es nie zu viele Podcaster*innen geben kann. Der Vorwurf ist für mich völlig überzogen und sehr eindimensional.
Julia B: Danke für‘s Interview.

Hört den Podcast auf Spotify oder woanders.
Eine Sammlung von Podcasts aus Bremen findet sich auf dem Stadtportal www.bremen.de .

Das Interview führte Renate Strümpel von der Redaktion der frauenseiten. Eine gekürzte Version wurde im ZMag Feb/Mar 2020 veröffentlicht.

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