Die Heilige Familie – ein Pyramidensystem

Die Familie ist nicht nachhaltig

Familien sind aus den Clans und Sippen der Vorzeit entstanden. Und gemeinsam mit diesen Verbänden sind deren Religionen entstanden, die die ideologische Rechtfertigung für alles Willkürliche, Unfaire und Schwerverdauliche an der Macht der Clan-Obersten lieferten. Religionen halten ihre Mitglieder mit Himmelsversprechungen und Höllendrohungen bei der Stange. Maria steht im Christentum als Vorbild für alle Frauen: das heißt an unterster Stelle aber mit toller PR. Sie hat nichts zu sagen, gilt aber als heilig, rein und erhaben solange sie schweigt, gehorcht und nicht aufmuckt.

Vielleicht hätte sie lieber Abitur gemacht, oder eine andere Religion gegründet?

Eine andere Religion zu gründen hätte Maria vermutlich nicht viel genutzt: Alle National- oder gesellschaftsbildende Religionen dieser Erde, – vom Judentum bis zum Hinduismus – haben eine ähnliche Sicht der Dinge. Gott mag sein wie sie will – aber diese Religionen sind durch die Bank patriarchalisch.

Mehret Euch und seid fruchtbar

Deswegen sind die Götter der Welt so häufig eifer- und rachsüchtig, und verlangen absoluten Gehorsam. Sie spiegeln ganz einfach den Boss, den Capo, den Jefe wider. Die Familie beziehungsweise der Clan geht davon aus, dass Ressourcen endlich sind und dass WIR mehr davon haben sollten als die anderen. Die Sippe steht in Konkurrenz zu anderen Sippschaften und trachtet danach, eine schlagkräftigere und mächtigere Bande zu bilden als alle anderen. Auch Menschen sind eine Ressource und zwar eine, die von Frauen produziert wird. Und an dieser Stelle hören Frauen und Mädchen auf, vollwertige Menschen zu sein: Sie sind jetzt eine Art bessere Viehherde, die neue Menschen produziert – und zwar so viele wie möglich – und diese und den Rest des Familienverbandes pflegt.

Die Familie wird zum Pyramidensystem

Pyramide

Das Pyramidensystem…

So bilden Religionen die ideologische Rechtfertigung dafür, dass Frauen zu Hause bleiben und Reproduktionsarbeit leisten müssen. Sie sollen möglichst jung heiraten und möglichst viele Kinder bekommen. Diese Kinder gehören der Familie des Vaters und er betrachte sie als sein „Kapital“. Denn: je mehr Kinder man hat, desto besser ist man – in Ländern ohne Altersrente und soziale Unterstützung – im Alter versorgt. Somit gerät die „Familie“ selber zu einer Art Pyramidensystem, das eine massive Überbevölkerung vorantreibt: Pyramiden- oder „Schneeballsysteme sind Spezialfälle von Konstrukten, welche auf ständiges Wachstum unter endlichen Rahmenbedingungen angewiesen sind„.
Die Rahmenbedingungen der Erde sind, wie wir inzwischen wissen, endlich; und Frauen, die ihren Männern gehören und gehorchen müssen und selber keinen Einfluss auf ihre eigene Gebärfähigkeit nehmen dürfen sind dazu verdammt, ein „ständiges Wachstum“ zu produzieren. Und da die menschliche Reproduktion überall fest in Kultur und Glauben legitimiert und gefordert ist, stehen wir knapp davor 7,7 Milliarden zu werden.

Heiligkeit darf keine Ausrede mehr sein. Vieles könnte uns helfen – längere und höhere Bildung für Mädchen, zum Beispiel. Die Anhebung des Mindestalters fürs Heiraten in Ländern, wo Mädchen immer noch mit 14 unter die Haube müssen.

Aber es geht auch anders

Aber am besten gefällt mir die Besuchsehe der Mosuo – wo Ehepartner in ihren Herkunftsfamilien wohnen bleiben und es kein selbstverständliches Dauerrecht des Mannes auf Anwesenheit im Bett der Frau gibt. Bei den Mosuo werden keine neuen Familien gegründet. Dort bedeutet „Familie“ etwas anderes. Die Mosuo sagen, dass das Leben hart ist, und Arbeit und Zusammenhalt erfordert. Liebe dagegen ist das Sahnehäubchen, nicht der Mittelpunkt des Familienlebens. So bildet sich die Mosuo-Familie nicht um ein Ehepaar, sondern besteht aus der Fortschreibung einer Mütter-Geschwister-Sippe. Alle Kinder, die in die Familie hineingeboren werden – Jungen wie Mädchen –, bleiben dort und bilden die nächste Generation.

Jedes Mosuo-Mädchen bekommt als Teenagerin ihr eigenes „Blumenzimmer“, in das sie später ihren Freund einladen kann. Die Geburtenzahl (abgesehen von der chinesischen Ein-Kind-Politik) hält sich viel eher an die Ressourcen der Familie. Zum einen folgt die Geburtskurve den natürlichen Bedürfnissen von arbeitenden Frauen. Zum anderen suchen sich die Frauen gleichaltrige Partner aus: Es entsteht nie die Situation, in der sich ältere Männer eine oder mehrere jüngeren Frauen „leisten“, um möglichst viele Kinder zu zeugen und bevölkerungspolitisch die Sparbücher ihre Enkel zu plündern.

Mehr über das Familienmodell der Mosuo:

Wo die Freien Frauen Wohnen
Trailer zum Film „Wo die Freien Frauen Wohnen“
China, im Reich der Mosuo Frauen
Plädoyer gegen das Patriarchat – die Mosuo
Ricardo Coler: Das Paradies ist Weiblich ISBN 978-3-378-0110

Glenys Gill

 

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