Die Problematik mit Stereotypen und Vorurteilen

Blondinen sind blöd. Jungs weinen nicht. Italiener*innen essen nur Pasta. Stereotype, jede*r von uns hat sie. Irgendwie brauchen wir sie auch. Es geht dabei um unsere Vorstellungen, nach denen wir Personen und Personengruppen in bestimmte Kategorien einordnen. Sie können positiv und negativ sein, dienen aber dazu, uns die komplexe Welt zu vereinfachen ohne alles von vorne zu sortieren.

Stereotype erleben wir meistens auf nationaler beziehungsweise kultureller Ebene. Laut Google sind die bekanntesten nationalen Stereotype auf der Prejudice Map zu finden. Stereotype stehen für einen verallgemeinerten, persönlichen Eindruck einer Gruppierung. Sie dienen nur zur Charakterisierung. Ein Vorurteil dagegen, ist ein mit Emotionen besetzter Eindruck, gewissermaßen ein Urteil, ohne jegliche Vorerfahrung mit einer Gruppe oder einer einzelnen Person. Beide dienen dazu, Unsicherheit zu verdrängen und die Welt überschaubar zu machen. Einerseits verhelfen sie uns zur eigenen Identitätsfindung, andererseits muss man sie mit Vorsicht betrachten.
Ein Beispiel für ein Stereotyp wäre, dass alle Polinnen und Polen streng katholisch sind. Ein Vorurteil wäre, dass alle Polinnen und Polen klauen und Alkoholiker*innen sind. Vorurteile sind meistens negativ.

Mit Stereotypen beschriftete Europakarte

(c) Frauenseiten

Stereotype und Vorurteile sind oft stark verankert und können nur schwer verändert werden. Nicht nur, weil sich Stereotype über viele Jahre entwickelt haben und seit vielen Generationen in den Köpfen stecken, sondern auch weil besonders negative Bilder, uns vor einer neuen Kontaktaufnahme hindern. Wenn wir Vorurteile haben, beispielsweise „Französinnen und Franzosen sind unfreundlich gegenüber Ausländer*innen”, trauen wir uns überhaupt nicht mit einer Französin oder einem Franzosen ein Gespräch anzufangen und so verändert sich auch nicht unser Bild im Kopf.

Der Bumerang Effekt

Negative Vorurteile zu vermeiden, fällt einem schwerer als man denkt. Der Bumerang Effekt besagt, dass das bewusste Unterdrücken eines Gedankens, dazu führen kann, dass diese erst verschwinden so lange man sie mit Absicht kontrolliert, später aber verstärkt auftauchen. In dem Buch „Sozialpsychologie- Eine Einführung“ spricht Dr. Louise Pendry, eine Psychologie Dozentin der Universität Exeter, über soziale Kognition und geht dabei auf Stereotype und ihre Auswirkungen ein. Dazu beschreibt sie mehrere Studien die das Ergebnis des sogenannten Bumerang Effektes aufzeigen.

In einer davon, wurden die Teilnehmer*innen in zwei Gruppen aufgeteilt und darum gebeten, einen Aufsatz über einen Skinhead zu schreiben. Dazu bekamen sie ein Foto des Skinheads und ihnen wurde gesagt, es handle sich um ein Experiment, inwiefern Menschen aus visuellen Informationen Tatsachen aus dem Alltag eines Menschen konstruieren können. Die erste Gruppe wurde angewiesen, Vorurteile über Skinheads zu unterdrücken. Der zweiten Gruppe wurde nichts gesagt. Bei einem zweiten Durchgang in dem ihnen nochmal das Foto des Skinheads gezeigt wurde, sollten beide Gruppen wiederholt einen Aufsatz schreiben, jedoch wurde keiner von ihnen angewiesen die Vorurteile auszublenden. Das Ergebnis war, dass die erste Gruppe beim ersten Mal weniger Vorurteile in den Text gebracht hat, beim zweiten Mal haben sich die negativen Urteile stark verstärkt. Die zweite Gruppe blieb unverändert.

Das Subtyping

Auf der anderen Seiten finden wir das Phänomen des Subtyping. Jedes mal, wenn wir einen Menschen aus einer Gruppe treffen, der überhaupt nicht in das Bild unserer Vorstellungen passt, bilden wir für sie eine eigene Unterkategorie. Beispiel: Wir lernen einen neuen Arbeitskollegen kennen. Ali ist 29 Jahre jung und kommt aus der Türkei. Wir verstehen uns sehr gut mit Ali, er passt aber überhaupt nicht in das Vorurteil eines kriminellen, ungebildeten und aggressiven Migranten, das viele leider verinnerlicht haben. Jetzt verändert sich aber unser Vorurteil gegenüber Ausländern dennoch nicht. Denn nur Ali, den wir mögen bekommt für uns persönlich eine neue Gruppierung.

Vorurteile schon im Kindesalter

Waage in deren Schalen die die Icons für männlich und weiblich gleiches Gewicht haben

(c) Antje Robers

Schon im Kindheitsalter fängt die Bildung von Vorurteilen an. Die erste Differenzierung, die Kinder feststellen, ist das Geschlecht. Danach bilden sich Stereotype wie Jungs spielen gut Fußball und prügeln sich, Mädchen spielen mit Puppen und sind schlechter im Sport als Jungen. Das Bemerken von Unterschieden, genauso wie die Bildung von Urteilen im jungen Alter ist normal und gehört zu der Identitätsentwicklung der Kinder. Erst später bemerkt das Kind Unterschiede in der Herkunft, Ethnie oder der Religion. Dann beginnt es auch sich zugehörig zu fühlen und denkt es sei besser als andere. Zum Beispiel: Alle Jungs sind doof. Weil ich ein Mädchen bin, bin ich besser als alle Jungs. Dies gehört ebenso zu einer normalen Entwicklung. Im Alter von etwa 7 Jahren erreicht das Kind den „Höhepunkt” der Anzahl seiner Vorurteile. Diese werden dann später abgeschwächt.

Vorurteile bei Kindern sind also normal. Wie stark diese ausgeprägt sind, hängt jedoch von dem Umfeld ab, in dem sie aufwachsen. Wenn ihre Eltern zum Beispiel, das negative Verhalten eines Menschen direkt auf die ganze Gruppe beziehen, verstärkt sich das Vorurteil auch in dem Kind.

Mediale Beeinflussung

Aber nicht nur die Eltern, sondern auch die Medien haben einen großen Einfluss. Vor allem auf die Beurteilung der Optik, denn in den Medien wird suggeriert, dass hässlich zu sein, heißt einen schlechter Charakter zu haben. Wenn wir uns Disney Filme angucken sehen wir, dass jede schöne Prinzessin, mit guten Charaktereigenschaften von den Macher*innen versehen wurde.

Beispiel: Cinderella, die tüchtig ist, demütig und ein gutes Herz hat, hat ebenso eine dünne Taille, große blaue Augen und sehr delikate Gesichtszüge. Ihre beiden Stiefschwestern dagegen, sind faul, gemein und haben dementsprechend weniger Taille, große Nasen und unsymmetrische Gesichter. Auf der anderen Seite zeigen die Märchen auch, dass Mädchen und Frauen ihr Schicksal nie in die eigenen Hände nehmen können. Sie sind abhängig von den männlichen Figuren, die sie retten. Ob es Cinderella, Schneewittchen oder die Prinzessin Jasmin ist, ohne ihren Prinzen würde sie in einer aussichtslosen Situation bleiben und wären nicht in der Lage irgendetwas zu verändern.

Unfair oder doch nur eine ungefährliche Vorstellung?

2004 wurde in den USA eine Studie über Vorurteile von Namen veröffentlicht. Es stellte sich raus, dass afro-amerikanisch klingende Namen eine schlechtere Chance hatten, einen Job zu bekommen. Nakisha und Jamal wurden nur halb so oft zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, wie Emily und Brandon.

In Deutschland ist der Name Kevin besonders vielen Witzen ausgesetzt. Auch Grundschullehrer sind bei einigen Namen voreingenommen. Kevin, Justin, Dustin, Jacqueline, Chantal und Mandy werden als „verhaltensauffällig” abgestempelt wobei Kindernamen wie Charlotte, Sophie, Marie, Alexander, Maximilian oder Simon als „leistungsstark” gelten.

Vorurteile können Individuen wirklich schaden. Unterschiedliche Stereotype, die erst witzig sein können, verwandeln sich schnell in einen negativen Effekt der viele Personen beeinflusst. Auch wenn wir manchmal über unsere eigenen Stereotype lachen und uns selber dabei erwischen, wie wahr sie doch sein können, sollten wir stark auf unsere Gedankengänge achten. Genau durch diese ungefährlich scheinenden Sprüche, Witze und Stereotypenbilder entsteht Rassismus, Sexismus, Nationalismus und jede andere Form des Überlegenheitsgefühls.

Dalia

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