Reise in ein unmögliches Land

„Die spinnen, die Isländer. Ab 5 Grad Celsius plus reißen sie sich die Kleider vom Leibe und laufen in Shorts und T-Shirts rum. Wenn die Temperatur auf 10 Grad steigt, reden sie von einer Hitzewelle, und wenn es mal 18 Grad wird, dann wollen sie schul- und arbeitsfrei haben. Dafür gehen sie jeden Tag in den ‚Hot Pot‘ und liegen stundenlang im heißen Wasser, auch im tiefsten Winter, wenn die Sonne gegen 11 Uhr ganz langsam aufgeht und sich um 14 Uhr rasch wieder verabschiedet.“

So beschreibt der Journalist Henryk M. Broder in seinem Buch Mein sagenhaftes Island die Isländer*innen.

Foto einer Reise nach Island. Es zeigt eine grüne Landschaft mit einigen kleinen Häusern im Bildvordergrund.

(c) Heidemarie Gniesmer

Ja, das stimmt. So habe ich es in meinen sieben Reisen nach Island auch erlebt. Bis zum Jahre 2004 wusste ich nicht mehr von Island, als dass von dort die Regen- und Orkantiefs kommen. Das änderte sich plötzlich, als meine Tochter nach Island auswanderte. Na ja, die wird wohl nach einem Jahr aus diesem kalten und dunklen Land wieder zurückkommen, dachte ich. Aber da irrte ich mich. Schon in der ersten Woche verkündete sie: „Von so einem Land habe ich immer geträumt. Nun habe ich es gefunden.“ Inzwischen ist sie seit vielen Jahren mit einem Isländer liiert. In diesem Sommer soll geheiratet werden. Jón oder auch Nonni genannt, ist ein echter Wikinger. Die Parole der Isländer*innen lautet „Nichts ist unmöglich!“ Dass eine*r nicht das macht, was er*sie gelernt hat – auch das ist in Island eher die Regel als die Ausnahme. Jon arbeitete bereits als Fischer, Kapitän, Computerfachmann, Hotelier und nun als Fabrikant von Fischfeinkost. Darüber können wir nur staunen.

Mit dem Flybus in die nördlichste Hauptstadt der Welt

Die meisten Tourist*innen landen mit dem Flugzeug auf dem internationalen Flughafen in Keflavik, der in den 1940er Jahren gebaut wurde. Aber auch eine Anreise per Fähre von Dänemark aus, ist möglich. In Keflavik stehen immer zur Ankunft von Flugzeugen Flybusse bereit. In etwa 50 Minuten bringen sie die Menschen nach Reykjavik, das 50 km entfernt liegt. Wundert euch nicht, wenn ihr beim Kauf des Bustickets nach dem Hotel gefragt werdet. Tatsächlich werden Tourist*innen und auch Einheimische vom Busterminal BSI Reykjavik weiter zu ihrem Ziel vor die Haustür gebracht, auch um Mitternacht!

Fotografie einer Reise nach Island. Es zeigt viele im Hafen liegende Segelschiffe.

(c) Heidemarie Gniesmer

Von Reykjavik aus werden viele Tagestouren angeboten. Die nördlichste Hauptstadt der Welt kann man schon an einem Tag erkunden. Die überwältigenden Naturschönheiten erlebt ihr allerdings erst bei Fahrten ins Landesinnere oder an den Küsten entlang. Die Gegend rund um Keflavik und Reykjavik erinnert für mich eher an eine Landung auf dem Mond – alles ist übersät mit Lavabrocken. Im Sommer blühen allerdings sehr üppig blaulila Lupinen. Darüber staunen die Reisenden. Was ihr jedoch nicht sehen werdet, sind Bäume. Die Insel war mal mit Bäumen, und zwar in erster Linie mit Birken bewachsen, doch die Wikinger*innen benötigten die Bäume zum Bootsbau und für Brennholz. Nun wird wieder aufgeforstet. Und das dauert bei den kühlen Temperaturen.

Ein Land am Limit?

Erinnert ihr euch an das Jahr 2008? Damals wurden die Isländer*innen als dumme und gierige Finanzopportunisten abgestempelt. Aber dann brach 2010 der Vulkan Eyjafjallajökull aus. Für Island war das ein wichtiger Wendepunkt als erfolgreiche, kostenlose Werbung. Die Vulkaninsel im Nordatlantik galt es nun zu erkunden. Island war bis dahin noch nicht von Tourist*innenströmen heimgesucht. Eine weitere positive Werbung für Island brachte die Fußball-Europameisterschaft 2016. Die Lieblinge der Fußballfans waren die Isländer. Nun folgte ein Tourismusboom, der bis heute anhält – mit jährlichen Steigerungen von bis zu 40 Prozent. Und das bei nur gut 330.000 Einwohner*innen. Thordis Gylfadóttir, Islands Tourismusministerin, sieht das Land am Limit. Beliebte Natur-Attraktionen laufen Gefahr, überrannt zu werden. Das kurzfristige Vermieten setzt den Wohnungsmarkt unter Druck, man beschwert sich an bestimmten Orten über zu viele Besucher*innen und die schlechte Infrastruktur.

Fotografie einer Islandreise, die einen Wasserfall zeigt.

(c) Heidemarie Gniesmer

Mein Tipp für eine Reise nach Island: Kauft einen Reiseführer, mietet ein Auto und erkundet die Insel nach eurem Geschmack. Als Reisezeit empfehle ich Ende August oder den September. Die Ringstraße Nr. 1 führt einmal um die Insel herum und ist deshalb am beliebtesten. Aber es gibt auch weniger besuchte Gegenden wie zum Beispiel die Halbinsel Snæfellsnes im Westen Islands oder die herrlichen Westfjorde.

Ich wünsche euch schon jetzt eine gute Reise in das Land mit den glücklichen Menschen; sie stehen an 4. Stelle auf dem weltweiten Glücksatlas.

Heidemarie Gniesmer

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