Restaurierung, nur anders: Ausstellung von Frauenporträts

Die Künstlerin Rosa Jaisli ist seitlich abgebildet.

© Damla Ekin
Rosa Jaisli, Ausstellerin von „Fragile Frauenporträts“

Kann man Papier behandeln wie Stein?

Mit Hammer, Meißel und Schleifpapier arbeitet Rosa Jaisli sonst in ihrer Werkstatt. Jetzt hat die Bremer Künstlerin sich für kurze Zeit vom ‚männlich wirkenden‘ Gestein abgewandt und sich der Frau zugewandt – der eher zerbrechlich ausschauenden Frau – und den bekanntesten der großen Künstler*innen der Zeit. Rosa Jaisli hat diese mit einem Hauch Papier und einigen wenigen Zuschnitten in einer anderen Dimension (wieder)erweckt.

„Alte Meister, neue Gesichter“ ist ein Projekt, das der Künstlerin der Ausstellung „Fragile Frauenporträts“ in seiner Form und Spiegelung des Ichs äußerst gut gelungen ist. Sie zeigt geradezu, wie ordentlich und fürsorglich eine Künstlerin ihr Werk behandeln kann. Wie langsam und vorsichtig man sich dem hingeben muss. Betrachtet man das Papier von Nahem, sieht man kleine Schnitte, die Großes zeigen. So hat Rosa Jaisli ihre Ausdruckssprache in der Neuinterpretation von Porträts, wie die von Frida Kahlo oder Cecillia Gallerani und weiteren, definiert.

Der Blick in das Innere der Kunst

Es ist das Frauenporträt "Bildnis einer jungen Venezianerin" frei nach Albrecht Dürrer zu sehen.

© Damla Ekin
Das „Bildnis einer jungen Venezianerin“, frei nach Albrecht Dürrer

Normalerweise bearbeitet die Künstlerin bevorzugt Alabasterstein. Das in seiner Äußerlichkeit dem Marmor ähnliche Gestein lässt sich leicht formen und ist in seiner Wirkung wärmer. Das, was Rosa Jaisli allerdings fasziniert, ist die Durchblicksmöglichkeit, die der Stein bei Beleuchtung bietet. Genau diese Eigenschaft bringt sie auch bei ihren Papierarbeiten zur Geltung. Auch hier sieht man durch die Seele hindurch. Für ihre Werke hat sie weißes, unschuldiges und unbeflecktes Papier verwendet und diese mit farbigem hinterlegt, so dass ein schöner Kontrast zustande kommt, der die Aura jeder einzelnen, dargestellten Frauen wiedergibt. Kleine Papierschleifen und -schwünge erzeugen eine dreidimensionale Wirkung aus einem zweidimensionalen Medium. Dieser feine Umgang mit dem Papier zeigt, dass man Material verarbeiten kann, ohne dem Ganzen einen Teil zu entnehmen.

Bis zum 15. Oktober des Jahres sind ausgewählte Papierarbeiten und Alabasterwerke ausgestellt. Die hellen Räumlichkeiten für diese herausragende und neugestaltete, fragile Kunst bietet belladonna e.V. unter der Woche.

Damla Ekin

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