“Frauen in Deutschland sind doch gleichberechtigt.”
“Muss man bei patriarchaler Gewalt nicht erst mal in andere Länder schauen?”
“Was wollen Frauen denn noch?”
Kennst du diese Kommentare von Familienfeiern oder Männer-Podcasts und hast auch die Schnauze voll? Dann sei am 09.03. dabei und werde Teil der Enough!-Bewegung.
Ganz egal, wer du bist und wo du wohnst – deine Stimme, deine Präsenz, deine Wut sind wichtig im Kampf gegen patriarchale Gewalt.
Was ist die Enough!-Kampagne?
Die Enough!-Kampagne ist eine offene Bewegung, die im März 2025 von vier Frauen in Berlin gegründet worden ist. Nur ein Jahr später gibt es bundesweit Regionalgruppen mit über 1000 Frauen und vereinzelt Männern, die sich gegen patriarchale Strukturen auflehnen. Die Bewegung wächst nicht nur in Deutschland mit jedem Tag, sondern vernetzt sich auch international: Belarus, Polen, Ukraine, Italien, Portugal, Mexiko und nicht zuletzt Island solidarisieren sich und haben enough!
Denn überall auf der Welt erleben FLINTA* patriarchale Gewalt, ganz unabhängig von ihrer Herkunft oder Klasse – damit muss Schluss sein! Deshalb ruft Enough! nach einem globalen Frauen*General-Streik auf. Mit Blick auf die Geschichte kann gesehen werden, dass Streiken das mächtigste, gewaltfreie Mittel gegen Kapitalismus und Patriarchat ist. Diese Waffe müssen wir nutzen und ein Zeichen für Gleichberechtigung und Sichtbarkeit setzen.
Enough! in Bremen
Für Gleichberechtigung und Sichtbarkeit kämpfen unter anderem auch Betty und Pepa aus der Regionalgruppe Bremen. Seit November 2025 besteht die Gruppe und kann eine zunehmende Politisierung von Frauen in den sozialen Medien beobachten. Immer mehr Frauen wollen rausgehen, wollen etwas ändern, wollen laut sein und wollen Gerechtigkeit – für sich und alle anderen Frauen.
Pepa ist seit der ersten Stunde dabei und ein wichtiger Bestandteil des Bremer Kernteams von 15 Frauen. Im Zuge der darauffolgenden Wochen hat das Schneeballprinzip Früchte getragen. Immer mehr Frauen wurden aufmerksam und haben Rückfragen an die Regionalgruppe gestellt. Sie wollen sich einbringen und den 09.03. mitplanen. Unter ihnen ist auch Betty, die erst seit Kurzem Teil des Teams geworden ist. Nebenbei macht sie mit dem HandmaidsRiot Bremen auf die vielfältige Gewalt des Patriarchats aufmerksam. Im Kampf gegen patriarchale Gewalt gibt es somit Überschneidungen von verschiedenen Organisationen und Kollektiven, ganz nach dem Motto:
“Gemeinsam sind wir stärker!”
Es geht darum, aufzustehen, sich zusammenzutun, solidarisch und sichtbar zu sein und Forderungen für ein besseres Leben ohne patriarchale Strukturen zu stellen.
“Ich laufe hier schon Jahrzehnte über das Pflaster und was ich sehe, ist, dass wir nicht weiterkommen, sondern im Gegenteil, es verändern sich Dinge rückläufig und das ist etwas, wo ich auch sagen muss, ich habe die Schnauze voll. […] Und so bin ich halt dann doch nochmal runter von meinem Sofa.” – Pepa

Zwei Tage, die du dir in deinem Kalender vormerken solltest
Der 8. und 9. März sind zwei wichtige Tage für uns Frauen, weshalb jede Stimme zählt. Am 8. März findet in Bremen zum Internationalen Frauen*Kampftag eine vom F-Streik geplante Demo statt, doch die Enough!-Kampagne möchte noch einen draufsetzen. Mit dem globalen Frauen*Generalstreik rufen sie dazu auf, die Arbeit niederzulegen, um ein Zeichen zu setzen. Mit dem Streik fordern Frauen ihr Recht auf Sicherheit, Würde, Autonomie und Gerechtigkeit – und das überall!
“Wir treten zurück – vom Computer, vom Herd, von der Pflegestation. Wir verlassen Kinder, Klassenzimmer, Fabriken und Geschäfte und kommen in Solidarität zusammen, wo immer wir sind. […] Zu viel und zu lange schon halten wir zu viele Zumutungen aus; es ist ein Generalangriff auf Geist, Psyche, Körper und unsere Würde.” – Statement von Enough!
Es geht wie am 8. März auch um die Lebensverhältnisse von FLINTA*, die von patriarchalen Strukturen geprägt sind. Doch der 9. März ist nochmal für den individuellen Ausdruck da und um Sichtbarkeit zu schaffen. Wenn du also auch die Schnauze voll hast, solltest du dabei sein. Pepa kann aus mehreren Erfahrungen sagen, dass es eine starke Selbstwirksamkeit mit sich bringt, wenn man Teil einer Bewegung ist. Und es gibt tausend Gründe, um gegen patriarchale Gewalt auf die Straße zu gehen. Darunter befinden sich mehrere Studien, die schwarz auf weiß beweisen, dass Frauen zu kurz kommen:
“Es gibt den Gender-Health-Gap, den Gender-Data-Gap, den Gender-Pay-Gap, den Gender-Care-Cap, den Gender-Renten-Gap, den Gender-“fülle hier alle anderen Kategorien”-Gap. Das ist seit Jahrhunderten so und es wird sich die nächsten 100 Jahre nicht ändern, wenn wir nicht aktiv werden.” – Betty
Deswegen sollten wir alle am 9. März auf die Straßen gehen und streiken.

Was ist für den 9. März in Bremen geplant?
„Es wird ein lauter, ausdrucksstarker und bunter Tag!“ – Pepa
Der Marktplatz, “Bremens gute Stube”, ist von 10 bis 18 Uhr von Enough!-Bremen reserviert. Den Tag über gibt es Performances und verschiedene Formate von FLINTA* und Gruppen, die ihr ‚Basta‘ zum Ausdruck bringen wollen. Zwischen 12 und 14 Uhr wird es eine Kernaktion geben, damit unterschiedlichste Menschen – Frauen, Männer, Väter, Mütter, Töchter, Söhne, Omas, Opas, Onkel und Tanten – ihre Mittagspause verlängern und sinnvoll zum Streiken nutzen können. Unter den verschiedenen Aktionen wird es auf jeden Fall einen Chorauftritt und ein gemeinsames Picknick geben. Ferner soll ein Trauerzug an die globalen und deutschen Femizide erinnern.
Für jede Person wird etwas dabei sein, denn Frust, Wut und Trauer machen sich unterschiedlich bemerkbar und kommen auf verschiedene Weise zum Ausdruck. Einige wollen laut und wütend sein, andere teilen ihren Frust lieber leise.
Das Wichtigste ist nur, dass du dabei bist.
Doch nicht nur der Marktplatz wird eingenommen, sondern auch der Vorplatz der Bürgerschaft: Hier wird den politischen Forderungen nochmal mehr Ausdruck verliehen, und da gibt es so einige. Auf die Frage, was sich Betty und Pepa von der Bremer Politik wünschen, sagt Betty das, was wir alle denken und wollen: “Das Ende des Patriarchats”. Man darf ja wohl träumen. Nichtsdestotrotz haben die beiden mehrere Wünsche geäußert, die von der Bremer Politik auf jeden Fall umgesetzt werden können:
- mehr Einsatz und Sichtbarkeit der Istanbul-Konvention
- deutliche Veränderung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Frauen
- mehr Frauenhausplätze und die gesicherte Finanzierung von Frauenhäusern
- eine gesicherte Finanzierung von effektiven Konzepten zum Schutz vor Gewalt für Frauen
- mehr Sichtbarkeit von Frauen im Alter
- mehr Sichtbarkeit von Frauen mit Behinderung
- mehr Sichtbarkeit von Frauen aus unterschiedlichen Lebensfeldern, mit unterschiedlichen Nationalitäten, Lebensbedingungen und Gesundheitszuständen
- mehr Zugänge für die Hälfte der Gesellschaft (Frauen!)
Du bist wichtig und machst einen Unterschied
Wenn du auch hinter diesen Forderungen stehst, wird es höchste Zeit, dich der Enough!-Bewegung anzuschließen – egal, ob Bremen, Berlin oder sonst wo! Hier kannst du herausfinden, ob es bei dir in der Nähe eine Regionalgruppe gibt. Wenn nicht, kannst du hier selbst eine Gruppe gründen! In Bremen beginnt jetzt die heiße Phase, in der die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen. Jetzt geht es darum, die Aufmerksamkeit von allen Menschen zu bekommen. Dabei helfen Aktionen wie Flyer verteilen, Plakate gestalten, Sticker kleben und mit Freund*innen, Nachbar*innnen, Omas, Müttern, Töchtern, aber auch Opas, Vätern und Söhnen aus allen Stadtteilen und Lebensfeldern sprechen. Das nächste Planungstreffen der Regionalgruppe Bremen ist am Donnerstag, den 19.02. und findet von 18-19:30 Uhr in der Materburg 7A statt.
Jede Hilfe ist wichtig, denn die Mitarbeit läuft auf freiwilliger Basis. Betty und Pepa agieren aus tiefstem Engagement und einer Haltung heraus. Sie und tausend andere Frauen haben einen gemeinsamen Antrieb und das ist der Wunsch nach Veränderung.
Also mach mit, werde laut oder auch leise – sei dabei! Und wenn du das Gefühl hast, nicht alleine sein zu wollen, kannst du dich an die Kampagne wenden.
Sei Teil der Bewegung, denn je mehr, desto lauter!
„Nur gemeinsam verwandeln sich Wut und Verzweiflung in Zusammengehörigkeit und Stärke. Nur gemeinsam wird Müdigkeit zur Ermutigung und Vielfalt zu kollektiver Power.“ – Statement von Enough!
Jule Bertke



Schreibe einen Kommentar