Wenn ihr an Oldenburg denkt, was kommt Euch da in den Sinn?
Denkt ihr vielleicht an den legendären, weltberühmten Grünkohl? Vielleicht aber auch nur an das Bild vom Grünkohlkönig 2023? Es zeigt das Gesicht des damaligen Finanzministers Christian Lindner – was er heute wohl macht?
Aber was gibt’s noch neben Grünkohl und seltenen Promibesuchen?
Eins kann ich euch verraten: eine Menge!
Dabei lädt Oldenburg nicht nur mit ihrer wunderschönen Innenstadt zum Shoppen und Bummeln ein, sondern bietet beim genaueren Hinschauen viele weitere interessante Angebote. Von kleinen Orten und aktivistischen Organisationen, über queer-feministische Veranstaltungen und Ausstellungen bis hin zu großen CSD-Demonstrationen ist alles dabei.
Kleine Orte und aktivistische Organisationen
In Oldenburg schlummern einige feministische Orte, die von Euch entdeckt werden können. Sie bieten einen gemütlichen Raum, um neue Menschen kennenzulernen, gesellig zu sitzen oder um einfach eine gute Zeit zu haben. Es gibt aber auch Organisationen und Gruppen, die sich über neue Gesichter freuen und alle herzlich willkommen heißen. Vielleicht ist ja etwas für Euch dabei!
Queerer Buchclub

Was gibt es Schöneres, als in andere Welten einzutauchen und Geschichten zu lesen, die einen berühren, unterhalten und fesseln? Noch schöner ist es, das Erlebnis mit anderen Menschen zu teilen. Dafür lädt der queere Buchclub Oldenburg jeden 2. und 4. Samstag im Monat von 15-17:30 Uhr zum gemeinsamen Lesen und Diskutieren ein. Auf dem Programm steht primär queere Literatur, aber auch andere Buchvorstellungen, Quizzes und vieles mehr. Jede LGBTQ*-Person und Ally ist herzlich willkommen. Kein Ort bietet sich da besser an als das Hempels im Ziegelhofviertel. Ihr könnt einfach vorbeikommen und auch eigene Buchideen mitbringen – der Club freut sich über Vielfalt! Gegründet wurde der Buchclub von Alex und Dennis, zwei Mitglieder des Vereins NaUnd e.V. Um mehr Infos und ein paar Eindrücke zu bekommen, findet ihr hier die Instagram-Seite des queeren Buchclubs.
📆 Jeden 2. und 4. Samstag im Monat von 15-17:30 Uhr
📍 Ziegelhofstraße 83, 2621 Oldenburg
Hanna Stirnemann Lounge im Oldenburger Schloss

Wer lieber alleine in andere Welten eintaucht und das Allein-Lesen bevorzugt, kann sich in die Hanna Stirnemann Lounge ins Oldenburger Schloss setzen. Der Name der Lounge gedenkt der ersten wissenschaftlichen Volontärin des Landesmuseums Kunst & Kultur – Hanna Stirnemann. Der Ort bietet aber nicht nur Platz zum Lesen, sondern auch zum Arbeiten oder einfach zum entspannten Verweilen während des Stadtbesuchs. Es ist ein kostenfreier Projekt- und Aufenthaltsraum im Erdgeschoss des Schlosses und wurde mit genügend Steckdosen und freiem WLAN ausgestattet. Besucher*innen können ihre eigenen (geruchsarmen) Speisen und Getränke verzehren, während Kinder eine eigene Spielecke zum Toben haben. Die Hanna Stirnemann Lounge ist jeden Dienstag bis Sonntag zwischen 10-18 Uhr geöffnet.
📆 Dienstag bis Sonntag von 10-18 Uhr
📍 Damm 1, 26135 Oldenburg
Queer-feministischer Chor

Für Energie, Spaß und Stimmung sorgt der queer-feministische Chor. Zweimal im Monat kommen hier FLINTA*Personen zusammen und singen gemeinsam. Es geht um Stimmbildung und empowernde Songs, aber in erster Linie um einen Raum der Entfaltung. Die Gründerinnen Miri, Mira und Juli haben erfolgreich die Chorleiterin Lisa an Bord gezogen, jetzt fehlen nur noch weitere Stimmen, die den Chor komplett machen.
„Wir möchten gerne einen Raum für FLINTA*Personen gestalten, in dem sie sich wohlfühlen […]”
Das Kreativ:labor in Oldenburg bietet den perfekten Ort, damit Stimmen zusammenkommen und harmonieren können. Jeden 2. und 4. Mittwoch von 19-21 Uhr haben FLINTA*-Personen die Chance, hier ihre eigene Stimme kennenzulernen und auszuprobieren. Der Eingang zum Kreativ:labor befindet sich hinter der Kulturetage. Um mitzusingen und teilzunehmen, könnt ihr dem queer-feministischen Chor unter folgender Adresse eine E-Mail senden: queerfem.chor@gmail.com
📆 Jeden 2. und 4. Mittwoch von 19-21 Uhr
📍 Bahnhofstraße 11, 26122 Oldenburg
Alhambra Flinta*-Kneipe

Eine interessante Location für einen coolen Abend bietet das Alhambra im Stadtteil Osternburg. Es ist ein autonomes Zentrum, welches weder vom Staat noch von der Kommune finanziert wird. Das macht es zu einem der wenigen dieser Art in Deutschland. Das Alhambra bietet viele verschiedene Veranstaltungen: Tauschcafés, Diskussionsrunden, Discoabende, politische Treffen bezüglich Rechtsruck, Faschismus und Antisemitismus. Das Alhambra bietet aber nicht nur Platz für große Veranstaltungen, sondern lädt auch zu gemütlichen Runden in ihre Kneipe ein. Jeden ersten Mittwoch im Monat findet dort die FLINTA*-Kneipe statt. Ab 20:00 Uhr können sich dort FLINTA* in entspannter Kulisse einen schönen Abend machen und über alles Mögliche quatschen. Zusätzlich wird dort jeden vierten Mittwoch im Monat ein Flinta*-Nutzer*innenplenum angeboten. Hier können FLINTA* zusammenkommen, den Raum mitgestalten, die Räumlichkeiten für eigene Veranstaltungen buchen oder einfach nur am Geschehen teilnehmen. Ab 19:30 Uhr stehen die Türen offen und laden ein.
📆 Jeden 1. Mittwoch ab 20 Uhr
📍 Hermannstr. 83, 26135 Oldenburg
Flinta*Sprinta

Oldenburg ist in manchen Kreisen auch für den Fußball bekannt, denn die Mannschaft des VfB Oldenburg ist tatsächlich Teil der 4. Fußball-Bundesliga. Doch warum reden wir gerade wieder nur von Männerfußball? Genau da setzen die Flinta*Sprinta an – sie lockern die Fußballszene auf, die seit Jahrzehnten von patriarchalen Strukturen geprägt ist. Sie wissen, dass die Sportart oft von Diskriminierung und Vorurteilen geprägt ist. Damit Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung keine Ausschlusskriterien sind, haben sie das Team gegründet und für alle FLINTA*-Personen geöffnet. Ganz egal, ob Fußballerfahrungen vorhanden sind oder nicht, ihr seid herzlich willkommen – denn im Team der Flinta*Sprinta liegt der Fokus auf Freude und Spaß am Fußball. Abseits der Sommer- und Winterpausen trainiert das Team immer mittwochs und sonntags. Zurzeit findet das Training sonntags in der Halle statt – ab schätzungsweise Mitte März wird es nach draußen auf Naturrasen verlegt und auch mittwochs angeboten. Bei Interesse gibt es die Möglichkeit, sie hier über Instagram oder hier auf ihrer Webseite zu erreichen, um genauere Informationen wie bspw. die Adressen der Trainingsstätten herauszufinden.
📆 sonntags (ab schätzungsweise Mitte März auch mittwochs)
📍 Sporthalle (bei wärmeren Temperaturen auf Naturrasen)
Frauenbetriebe im Netzwerk Oldenburg e.V. (fiNO)

Eine Gruppe, die ebenfalls ein Zeichen gegen patriarchale Strukturen setzt, ist der Verein der Frauenbetriebe in Oldenburg. Es ist ein Netzwerk, das seit 1997 einen Raum für Selbstständige, Freiberufler*innen und Frauen* in Führungspositionen schafft. Hier können Ideen vorgestellt, Informationen geteilt und neue Kontakte geknüpft werden. Gibt es eine bessere Möglichkeit, als den Verein bei einem lockeren Stammtischtreffen kennenzulernen? Die Frauen* treffen sich immer am ersten Donnerstag im Monat um 19:00 Uhr, um in entspannter Runde zu schnacken und neue Ideen auszutauschen. Interessierte und berufstätige Frauen können einfach vorbeikommen, ohne sich vorher anzumelden. Darüber hinaus veranstaltet fiNO immer wieder Abende mit Vorträgen, Seminaren und Diskussionsrunden, an denen neue Gesichter herzlich willkommen sind.
“Wir möchten den Wirtschaftsraum Oldenburg – Stadt wie Land – mitgestalten und den Unternehmerinnen hier eine Stimme verleihen.”
Um noch mehr Eindrücke in den Verein zu bekommen, könnt ihr hier zu Beiträgen des lokalen Radiosenders O1 gelangen, die ein paar Frauen des Vereins im Interview vorstellen.
📆 Jeden 1. Donnerstag im Monat um 19:00 Uhr
📍 Nadorster Str. 84, 26123 Oldenburg (Restaurant Seidenspinner)
Queer-feministische Veranstaltungen und Ausstellungen
Die Kulturszene in Oldenburg bietet sowohl feministische Dauerausstellungen als auch abwechslungsreiche queere Veranstaltungen. In den letzten Jahren wurden immer mehr queere Programmpunkte in die Kulturstätten eingebunden, um marginalisierten Perspektiven und Erfahrungen sowohl Raum als auch Stimme zu geben. Egal, ob Theater, Kino oder Museum, hier ist für jeden* etwas dabei – aber schaut für Euch selbst!
Queerer Salon im Horst-Janssen-Museum

Das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg ist bekannt für die Lebensarbeit des Namensgebers Horst Janssen. Im Museum sind seine Werke (1929-1995) in variierenden Dauerausstellungen zu finden. Er war bekannt für seine Zeichnungen, Radierungen, Holzschnitte, Illustrationen, Schriften und Grafiken. Darüber hinaus werden verschiedene Künstler*innen aus Vergangenheit und Gegenwart gezeigt, die primär in der Grafik tätig sind. Doch da ist noch mehr! Seit Kurzem befinden sich auch queere Angebote im Programm – der Queere Salon schafft Sichtbarkeit und Raum für marginalisierte Perspektiven und queere Kultur mit künstlerischen Mitteln.
Ein Projekttag befasst sich beispielsweise mit den Fragen “Welche Farbe hat ein Kuss?” und “Was würde ein Ohr einem Knie erzählen?”. Unter Anleitung der Hamburger Illustratorin Emily Pogson können Teilnehmende eigene Zines erstellen: kleine, selbst gestaltete Hefte, die Kunst, Erfahrung und Aktivismus verbinden. Die fertigen Zines werden mit Einverständnis nach dem Workshop im Museum ausgestellt. Für mehr Informationen und weitere Daten zu Projekttagen des Queeren Salons könnt ihr hier auf der Webseite schauen. Es sollte beachtet werden, dass es oft eine Anmeldungsfrist von einer Woche vor dem Workshop gibt.
📆 variierende Termine
📍 Am Stadtmuseum 4-8, 26121 Oldenburg
Sonderausstellung zu Leyla Yenirce im Landesmuseum

Wer bald Lust auf eine feministische Multimedia-Installation hat, ist im Augusteum genau richtig! Vom 18.04.26-23.08.26 werden dort Arbeiten der Künstlerin Leyla Yenirce ausgestellt. Sie wurde 1992 in Qubînê, Kurdistan geboren, wuchs aber nach der Flucht ihrer Familie in Oldenburg auf. Später studierte sie Kulturanthropologie und Bildende Kunst in Hamburg und Bryn Mawr, USA. Heute arbeitet sie in Berlin und kommt für eine Einzelausstellung zurück in ihre Heimatstadt Oldenburg. In der Ausstellung sind Eindrücke ihres Werdegangs auf verschiedene Art und Weisen zu finden: Räume und Wege, Stimmen und Klänge, Bilder und Perspektiven. Ihre Kunst beschäftigt sich medienübergreifend mit Fragen nach kultureller Identität und Aktionen des feministischen Widerstandes. Ein wiederkehrendes Element ist die Fluchterfahrung der Familie, die sie in ihre Werke mit einfließen lässt.
📆 18.04.26 – 3.08.26, Öffnungszeiten auf der Webseite
📍 Elisabethstraße 1, 26135 Oldenburg
Pride k in der Kulturetage

Ein besonderer Ort in Oldenburg ist die Kulturetage. Das Programm der Kulturstätte ist vielfältig und auf jede Generation zugeschnitten: von Lesungen und Talk-Runden über Comedy-Nights, Kabarett und Konzerten bis hin zu Theater, Tanz und besonderen Veranstaltungen. Um Tickets für große deutsche Namen zu bekommen, muss Schnelligkeit eine Stärke von Dir sein, denn die Nachfrage in der Kleinstadt ist groß.
Für queer-feministische Abende sorgt seit dem Pride Month 2025 das Kollektiv Pride k. Sie wollen die Sichtbarkeit von queeren Menschen verstärken und mit ihren Veranstaltungen einen Safer Space kreieren. Pride k bietet einen Raum, der Vielfalt lebt und queere Stimmen Raum zur Entfaltung gibt. Dafür findet beispielsweise alle paar Monate die Queer-Open-Stage statt: Platz für Musik, Poetry, Kunst und vieles mehr! Falls du Lust hast, selbst etwas an dem Abend vorzutragen, kannst du dich hier anmelden. Wenn du lieber im Publikum sitzt und zuschaust, kannst du hier dein Ticket kaufen und dich auf einen schönen Abend freuen! Aktuelle Informationen und zukünftige Veranstaltungen findet ihr hier auf der Webseite der Kulturetage.
Ein weiteres schönes Angebot ist das jährliche Queer-Film-Festival der Kulturetage. Fünf Tage lang werden hier queere Filme gezeigt, die Besucher*innen zum Lachen und Weinen bringen, aber auch zum Nachdenken anregen. Die genauen Daten für das Festival stehen noch nicht fest, aber in den letzten Jahren wurde immer der Oktober gewählt – also schaut hier noch einmal in paar Monaten vorbei, um das Programm einsehen zu können!
📆 08.02.2026 & 31.05.2026, Einlass ab 17 Uhr, Start um 18 Uhr
📍 Bahnhofstraße 11, 26122 Oldenburg
CSD Nordwest

Der Verein CSD Nordwest setzt sich seit 1995 für die Interessen von queeren Menschen ein. Sie sorgen für Sichtbarkeit, klären auf, setzen Impulse und kämpfen weiter für die Rechte von queeren Menschen. Mit der ersten Demonstration zum Christopher-Street-Day wurde 1995 der Startschuss gesetzt. In jedem Jahr plant der Verein die Demonstration und die Kundgebungen. Dafür suchen sie immer wieder Partner*innen, um die Ziele umsetzen zu können. Doch nicht nur große Partner*innen sind gefragt, sondern auch Helfer*innen und Ordner*innen. Wenn du Lust hast, bei der Planung der Demonstration zu helfen, kannst du dich hier melden. Jeden 2. und 4. Dienstag im Monat findet aber auch das CSD-Plenum statt, bei dem Schwerpunkte und Ideen zusammengetragen werden. Sei bei der nächsten Demonstration dabei und setze ein Zeichen für Vielfalt und Queerness! Die nächste CSD-Demonstration wird voraussichtlich am Sonntag, den 21. Juni in Oldenburg stattfinden. Um die Demo nicht zu verpassen, schaut gerne hier nochmal auf die Webseite des CSD Nordwest.
📆 Jeden 2. und 4. Dienstag im Monat um 19 Uhr
📍 Heiligengeiststraße 6-8, 26121 Oldenburg (CORE)
Also, Oldenburg hat definitiv mehr zu bieten als Grünkohl! Schickt uns gerne Bilder, wenn ihr den CSD unterstützt, euch die Ausstellung von Leyla Yenirce anschaut oder ihr bei der Queer-Open-Stage dabei seid!
Jule Bertke



A.M. meint
Danke für den tollen Überblick. Nicht nur informativ, auch wirklich gut formuliert. Oldenburg hat mehr zu bieten, als ich dachte!