Von völkischen Hipstern, Femonationalismus und der neuen Rechten

Lange galten rechte Frauen nur als Mitläuferinnen ihrer rechten Männer und rechtsextreme Parteien als reine „Männerparteien“. Spätestens seit Beate Zschäpe, Frauke Petry und Marine Le Pen sollte dieses Bild in unseren Köpfen aber überholt sein. Denn rechte Frauen können mindestens genauso gefährlich und gewaltbereit sein wie ihre männlichen Kameraden. Durch die Indienstnahme von feministischen Positionen, dem sogenannten Femonationalismus, wird neuerdings auch auf Instagram, YouTube und Twitter versucht, Frauen zu mobilisieren.

Rechte Hipster Frauen bei der Identitären Bewegung

Sie nennen sich Ibster, identitäre Hipster. Ihr Kleidungsstil ist kaum von dem der linken Jugendkultur zu unterscheiden. Doch die hippe Mode kann nicht darüber hinweg täuschen, wessen Geistes Kind der Zusammenschluss verschiedener völkischer Gruppen ist. Die Identitäre Bewegung hat sich aus dem französischen, neurechten bloc identitaire gebildet. Als neurechte Bewegung glauben sie an die Überlegenheit der europäischen Kultur und an die Bedrohung durch Islamisierung. Sie sind offen nationalistisch und xenophob.

Und sie wissen genau, wie sie auch Frauen auf sich aufmerksam machen können. Sie senden via YouTube Botschaften an Frauen, instrumentalisieren die Geschehnisse der Kölner Silvesternacht und werfen den Grünen vor, genau diese zu vergessen. Auch tauchen bei der Identitären Bewegung immer wieder Frauen in den vorderen Reihen und Frauenthemen auf Flyern und Plakaten auf. Mädchen und junge Frauen posten bei Instagram und Twitter modische Bilder mit Identitären Shirts, Flyern oder von Kundgebungen. Darüber hinaus machen die hippen Identitären unter eigenem Hashtag und mit eigenen Facebookseiten Werbung für den neuen Kulturrassismus.

Rechter Feminismus? Femonationalismus!

Dass die jungen Frauen dabei nur Mittel zum Zweck sind, fällt schnell auf. Vom islamistischen Angriff auf die europäischen Männer ist bei der Identitären Bewegung die Rede. Den Männern solle doch nur gezeigt werden, dass sie zu schwach seien, um ihre eignen Frauen vor Migranten zu verteidigen. Dieses konstruierte Bild von den vergewaltigenden, unterdrückenden Migranten und den zu schützenden und unterdrückten Frauen ist im Augenblick sehr beliebt in der europäischen Rechten. Vermeintlich feministische Positionen werden benutzt, um gegen Migrant*innen zu hetzen und Islamhass zu verbreiten.

Diese Art des sogenannten Femonationalismus, also das Missbrauchen von feministischen Positionen für nationalistische und rassistische Zwecke, kennen wir mittlerweile auch aus der europäischen Parteienszene. Auch aus immer mehr europäischen rechtsextremen Parteien schauen weibliche Gesichter hervor. Es könnte fast so scheinen, als wäre die Emanzipation auch in der europäischen Rechten angekommen. Dabei galten rechtsradikale Parteien lange Zeit als reine „Männerparteien“, da sie fast ausschließlich von Männern angeführt und gewählt wurden.

Rechte Politikerinnen: Von Petry bis Kjærsgaard

Das sieht heute allerdings anders aus: Marine Le Pen ist erneut Präsidentschaftskandidatin der französischen, rechtsextremen Partei Front National, Frauke Petry steht gerade mitten im politischen Grabenkampf der Alternative für Deutschland und Pia Kjærsgaard, Mitglied der rechtpopulistischen Dänischen Volkspartei, ist dänische Parlamentspräsidentin. Sie alle eint Islamfeindlichkeit, Rassismus und Homophobie. Dabei sollen Frauen die rechtsextremen Positionen weicher und nicht ganz so aggressiv erscheinen lassen und vor allem eines: Weitere Frauen für rechte Positionen gewinnen. Wer annimmt, dass sie dies mit Gleichstellung und Frauenpolitik tun, irrt sich gewaltig. Denn tatsächliche, liberal-feministische Positionen werden vehement bekämpft und nach Gleichstellung sucht man in den Wahlprogrammen vergeblich.

Marion Maréchal – die noch rechtere – Le Pen

Junge Frau hält und spricht in ein Mikrophon.

By Gauthier Bouchet (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Bestes Beispiel für eine junge, brandgefährliche Rechte ist die Nichte von Marine Le Pen. Marion Maréchal-Le Pen ist in vielen Punkten, wenn möglich, noch rechter als ihre Tante. Auch sie glaubt, wie die Identitäre Bewegung, an einen muslimischen Bevölkerungsaustausch in Europa und die Überlegenheit der französischen und europäischen Kultur. Sie setzt sich für ein härteres Jugendstrafrecht und eine striktere Abschiebungskultur von Geflüchteten ein. Desweiteren will sie die Zahl der Abtreibungen, genauso wie ihre Tante, durch das Streichen von finanzieller Unterstützung reduzieren. So schimpft die junge Französin als neue Vorzeigefrau der Front National über Migrant*innen, Muslim*innen, Homosexuelle und alle, die nicht in ihr rechtes Weltbild passen. Als junge Frau vertritt sie damit die alten Positionen ihres rechtsextremen Großvaters Jean-Marie Le Pen und hüllt diese in ein neues, weibliches Gewand.

Genau dadurch werden die Frauen der neuen Rechten so brandgefährlich. Denn die gezielte Social Media Nutzung, der sogenannte Femonationalismus sowie der Erfolg der Frauen bei den Rechten sollen über die menschenverachtenden Positionen hinwegtäuschen. Daher ist es dringend notwendig, dass auch rechte Frauen nicht unterschätzt und als das ernst genommen werden, was sie durchaus sein können: Eine Gefahr für unsere liberal-demokratische Gesellschaft.

Britta Grossert

  5 comments for “Von völkischen Hipstern, Femonationalismus und der neuen Rechten

  1. Esther
    14. Mai 2017 at 18:52

    Und, wundert ihr linken Pseudo-Feministinnen euch ernsthaft darüber, dass nun andere den Job erledigen? Was ist mit „wehret den Anfängen“, wenn es um den politischen Islam geht? Habt ihr irgendetwas aus der Geschichte des Irans gelernt? Da seid ihr leider zu zahnlosen Islam-Streichlerinnen mutiert und jegliche Religionskritik, die sich die Linke ursprünglich auf die Fahnen geheftet hat, ist verschwunden – nur bei den Katholiken, da sind wir noch mutig genug auszuteilen. Sind ja schließlich Inländer oder schlimmer noch – US-Amerikaner. Verzeihung, ich meinte natürlichKatholikInnen, InländerInnen/AmerikanerInnen Ob ihr es glaubt oder nicht, den Frauen fallen solche Diskrepanzen auf und wenn ihr nicht eure letzte Glaubwürdigkeit verlieren wollt, dann fordert wenigstens eine Frauenquote wo es Sinn macht – 50% Frauenquote bei Asylanerkennung, denn unsere Töchter brauchen kein indisches oder chinesisches Geschlechterverhältnis, weil 90% der unbegleiteten „Minderjährigen“ Männer sind – in Schweden ist es bereits soweit.

  2. redaktion
    15. Mai 2017 at 16:13

    Hallo Esther, wir freuen uns immer über Kommentare. Andere Meinungen regen die Diskussion an und das ist gut so. Allerdings bedienen wir uns hier eines anderen Tons und erwarten das auch von dir, wenn du hier wirklich mitdiskutieren möchtest.

  3. Britta
    16. Mai 2017 at 9:10

    Liebe Esther,

    „den Job erledigen“ heißt im rechten Kontext, dass gegen Muslim*innen und Geflüchtete gehetzt wird? Wenn man sich die Wahlprogramme der rechten Parteien anschaut, stellt man schnell fest, dass darin Gleichberechtigung oder Gleichstellung nicht vorkommen. Vermeintlich feministische Forderungen werden in dem Kontext nur als bloßer Vorwand genutzt, um Stimmung gegen Geflüchtete zu machen.

    Feminismus kann sich nur gegen strukturelle Macht aussprechen, ansonsten wird eines mit etwas anderem ersetzt und die entmündigende Position an die nächste Menschengruppe weitergegeben. Das heißt, dass xenophobe und islamophobe Positionen im Kampf für mehr Gleichberechtigung nicht nur keinen Sinn ergeben, sondern diesem fundamental widersprechen.

    Gegen sachliche Religionskritik habe ich sicherlich nichts einzuwenden, gegen Pauschalisierungen, Anfeindungen, Populismus und Polemik, die alles über einen Kamm schert allerdings schon.

    Und zu guter Letzt: Gegen die ungleichmäßige Geschlechterverteilung bei Geflüchteten (danke für die höchste aller Zahlen, die man im Netz finden kann) kann man sich jederzeit für sichere Fluchtrouten und Familiennachzug einsetzen.

  4. Magdalena
    27. Mai 2017 at 13:07

    Danke für diesen Text. Ich hab was dazu gelernt. Heisst das also: Feminismus kämpft dafür, das Frauen die gleichen REchte und Möglichkeiten haben wie die Kerls. Gemeint sind aber nur Frauen mit der richtigen politischen Gesinnung, also die den Feministen passt, weil sonst diese FRauen sind dann ja für schlechte Menschen/Männer nur Mittel zum Zweck . Ist das so richtig? Sollte man dann nicht auch fordern, dass die schlechten/rechten Frauen sich als Männer outen und zukünftig nur noch von Herrn Frauke Petry und so weiter sprechen? Es ist ja nicht immer so leicht, die Gesinnung von denen sofort zu erkennen.

    Zum Kommentar darüber: Fluchtruten gibt es vielleicht bei Knecht Ruprecht. 🙂
    Nix für ungut.
    Macht weiter mit diesen guten und kritischen Texten!
    Gruss,
    Magdalena

  5. Britta
    31. Mai 2017 at 13:25

    Liebe Magdalena,

    da habe ich wohl ein O vergessen, ist jetzt geändert.

    Vielen Dank für die Verbesserung und Kritik.

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