Zara Larsson ist endgültig in ihrer Main Pop Girl Era angekommen: Mit glitzernder „Island-Girl-Aesthetic,“ nostalgischem 2016er-Pop-Feeling und einer Stimme, die seit Jahren zu den stärksten im modernen Pop gehört, prägt sie den momentanen Zeitgeist. Doch hinter den catchy Hooks und viralen Momenten steckt weit mehr als nur perfekte Popmusik – Zara Larsson nutzt ihre Reichweite seit Jahren, um sich laut für Feminismus, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit und gegen die Täterkultur in der Musikbranche einzusetzen.

Von Stockholm auf die Weltbühne
Zara Larsson wurde 1997 in Stockholm geboren und wusste schon früh, dass sie auf die Bühne gehört. Schon als Kind fiel ihre außergewöhnlich starke Stimme auf. Der erste große Schritt folgte dann 2008, als sie mit gerade einmal zehn Jahren bei Talang, der schwedischen Version von Das Supertalent, bereits mit ihrer ersten Audition Publikum und Jury begeisterte. Dort gab sie Whitney Houstons Greatest Love of All kraftvoll zum Besten und gewann schließlich die gesamte Staffel. Während viele Kinderstars nach kurzer Zeit wieder verschwinden, entwickelte sich Zara Larsson zu einer der erfolgreichsten europäischen Popkünstlerinnen ihrer Generation.
2013 veröffentlichte sie ihre erste EP Introducing. Besonders die Single Uncover wurde in Schweden zu einem riesigen Erfolg, erreichte die Charts und wurde dort mit sechsfach Platin ausgezeichnet. Mit ihrem ersten internationalen Album So Good gelang ihr 2017 dann der internationale Durchbruch. Das Album landete in den Top 10 von acht Ländern, unter anderem auch in Deutschland. Das Album beinhaltete die Lead-Single Lush Life, sowie die weiteren Hits Ain’t My Fault und Never Forget You. Bei letzterem arbeitete sie erstmals mit Produzent und Songwriter MNEK zusammen, der bis heute maßgeblich an ihrem Sound beteiligt ist.
Zur selben Zeit entstand in Kooperation mit Clean Bandit die Hit-Single Symphony. Der Song wurde international ein riesiger Erfolg und sollte Jahre später noch einmal eine ganz neue Bedeutung bekommen. Auch mit ihrem dritten Studioalbum Poster Girl bewies Zara Larsson, wie konstant sie modernen Pop liefern kann. Die Single Ruin My Life erreichte unter anderem Platinstatus in den USA und Großbritannien. Trotz verschiedener musikalischer Einflüsse blieb ihr Sound immer zugänglich, melodisch und unverkennbar poppig – genau das, was Zara Larsson auszeichnet.
Laut, feministisch und unbequem
Besonders spannend an Zara Larsson ist, dass sie sich nie davor drückt Haltung zu zeigen. Schon als Jugendliche bezeichnete sie sich öffentlich als Feministin – und das zu einer Zeit, in der viele Popstars versuchten, möglichst „unpolitisch“ und damit „universell vermarktbar“ zu bleiben. Selbst vergleichsweise oberflächliche oder allgemein formulierte Kritik am Patriarchat galt Mitte der 2010er-Jahre für viele weibliche Popstars bereits als riskant und führte häufig zu öffentlichem Backlash. Auch Zara Larsson wurde nach der Thematisierung der “all men”-Debatte schnell vorgeworfen, Männer pauschal anzugreifen. In der Talkshow Skavlan sagte sie 2017 etwa:
“Självklart menar jag inte alla män; jag tycker att den här debatten är så uttjatad! Jag menar bara matchokulturen och män i allmänhet i grupp är läskiga, obehagliga [och] jobbiga.” – Zara Larsson via SVT/NRK/Skavlan 2017
(dt.: Natürlich meine ich nicht alle Männer; ich halte diese Debatte für so erschöpft. Ich meine nur, dass die Machokultur und Männer in Gruppenkonstellationen einfach gruselig, unangenehm und anstrengend sind.)
Uneingeschüchtert sprach sie nach dem darauffolgenden Gegenschlag, den sie sowohl aufgrund dieser Aussage als auch für die bloße Identifikation als Feministin bekam, in Interviews und auf Social Media umso mehr über Sexismus, Doppelmoral und Frauenrechte. Vor allem kritisierte sie, wie unterschiedlich Männer und Frauen in der Musikindustrie bewertet werden, und setzte sich offen für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung in der Branche ein. Auffällig war dabei, dass sie sich konsequent gegen männliche Täter in der Musikindustrie positionierte. Besonders deutlich wurde dies in ihrer wiederholten öffentlichen Kritik gegenüber Chris Brown, die ihr damals erneut, trotz vereinzeltem Zuspruch, in erster Linie Hasskommentare einbrachte.
Zwischen Popstar-Traum und Orientierungslosigkeit
Obwohl Zara Larsson schon früh davon sprach, zu den größten Popstars der Welt gehören zu wollen, verlief ihre Karriere nicht nur geradlinig. Zwar hatte sie immer wieder internationale Hits und virale Momente, doch der ganz große globale Superstar-Status blieb zunächst aus. Rückblickend erklärte sie in ihrer Dokumentation Zara Larsson – Up Close, welche seit letztem Jahr auf Amazon Prime zu sehen ist, dass ihr lange eine klare künstlerische Kohärenz fehlte – also eine Ästhetik oder ein „Trademark“, etwas, das Menschen sofort mit ihr verbinden.
Gerade deshalb probierte sie in den vergangenen Jahren vieles aus: unterschiedliche Genres, visuelle Konzepte und musikalische Richtungen. Auch abseits der Musik wagte sie neue Schritte. 2024 gab sie ihr Schauspieldebüt im schwedischen Netflix-Film En del av dig (dt.: Ein Teil von dir) an der Seite von Edvin Ryding und Felicia Truedsson, beide bekannt aus der queeren, schwedischen Netflix-Serie Young Royals.
Vom Delfin-Meme zur eigene Ära
Ein unerwarteter Wendepunkt kam vor knapp zwei Jahren durch das Internet: Der zuvor erwähnte Song Symphony wurde Jahre nach dessen Veröffentlichung durch ein virales „Delfin-Meme“ auf TikTok und Social Media plötzlich wieder omnipräsent. Dabei wurde der Refrain des Songs mit kitschig-epischen Delfin- und Ozeanclips unterlegt und entwickelte sich so zu einem überraschenden Internet-Running-Gag, der den Song wieder ins Bewusstsein rief. Kurz darauf war Zara Larsson Support-Act bei der Tour der Sängerin Tate McRae, wodurch sie online erneut große Aufmerksamkeit erlangte. Genau in dieser Phase begann sich ihr öffentliches Image neu zu formen.
Mit ihrem Album Midnight Sun (2025) fand sie schließlich eine Ästhetik, die sich wirklich nach ihr anfühlte: sommerlich, feminin, glamourös und gleichzeitig verspielt. Interessant dabei ist, dass das virale Delfin-Meme zwar nicht direkt der Ursprung dieser Ära war, aber zumindest unterbewusst genau das verstärkte, was ihr zuvor gefehlt hatte: ein wiedererkennbares Image.
Denn auch fashion- und beautymäßig scheint Zara Larsson angekommen zu sein: Zwischen Y2K-Popstar, Beach Glam und maximaler It-Girl-Energy hat sie eine Ästhetik entwickelt, die sofort mit ihr verbunden wird, nicht zuletzt dank ihres ikonischen, farbenfrohen Strassstein-Make-ups von Make-up-Artist Sophia Sinot, welches ihre aktuelle Ära perfekt abrundet. Falls ihr an dieser Stelle mehr Interesse an dem Trend habt, den sie ins Leben gerufen hat, hört gerne bei unserer Podcast-Folge zu Micro-Trends rein, in welcher wir diesen genauer ausführen!
Nach der Tour mit Tate McRae trat sie ihre eigene Europa-Tournee mit Opener Omar Rudberg, ebenfalls aus der Serie Young Royals bekannt, an. Anfang diesen Jahres folgte eine US-Tour. Viele Venues waren in der zweiten Hälfte ihrer Tour noch vergleichsweise klein, weil sie bereits lange im Voraus gebucht worden waren – mittlerweile hätte sie vermutlich deutlich größere Hallen füllen können. Trotzdem merkt man gerade daran, wie sehr Zara Larsson ihre Karriere wertschätzt: Trotz des rasanten Anstiegs ihres Bekanntheitsgrades, nimmt sie selbst die lange im Voraus gebuchten Auftritte bei den Spring-Fling-Events von US-amerikanischen Universitäten wahr. Statt sich dafür zu schade zu sein, nutzt sie jede Bühne mit voller Energie.
Chronically Online, Politically Outspoken und genau deshalb beliebt
Ein weiterer Grund, warum Zara Larsson aktuell so viele Menschen begeistert: Sie wirkt greifbar. Sie ist extrem präsent auf Social Media, interagiert viel mit Fans und hat verstanden, wie wichtig Internetkultur inzwischen für Popstars geworden ist. Dabei kreiert sie nicht nur selbst virale Momente, sondern wird auch immer häufiger passiv Teil popkultureller Internetphänomene.
So bekam etwa der Song Stateside von PinkPantheress, auf welchem sie ein Feature erhielt, zusätzliche Aufmerksamkeit, nachdem die US-amerikanische Eiskunstläuferin Alysa Liu nach ihrem Olympia Gold-Sieg zu diesem Lied ihre Gala-Kür performte. Und neben Symphony erleben andere ältere Songs von Zara Larsson momentan ein neues Leben im Internet. Vor allem der ikonische Lush Life-Tanz verbreitete sich erst kürzlich auf TikTok viral und machte den 2016er-Popsound für viele zum absoluten Sommer-Soundtrack.
Gleichzeitig verliert sie dabei nie ihre Persönlichkeit. Ob Instagram-Stories gegen rechte Politik, feministische Statements oder spontane Faninteraktionen – Zara Larsson wirkt selten wie ein komplett durchgeplantes Industrie-Produkt.
Mit ihrer offenen politischen Haltung brachte sie sich dabei zuletzt direkt in die Schusslinie von Donald Trump, nachdem der öffentliche White-House-TikTok-Account auf Posts und Aussagen rund um sie reagierte. Auch verlor sie, nach eigenen Aussagen, einen 3-Millionen-Dollar-Markenvertrag, nachdem sie sich in einer TikTok-Kommentarspalte pro Abtreibung äußerte.
Sommer 2026 wird Eurosummer
Musikalisch scheint sie aktuell genau den Zeitgeist zu treffen. Spätestens nach dem Release der Deluxe Version ihres letztjährigen Albums Midnight Sun, welches die Titelerweiterung Girls Trip beinhaltet, steht sie für einen neuen, hyperfemininen Popmoment, der online gefeiert wird.
Dazu passt auch der aktuelle Trend rund um Remix-Alben, die seit Charli xcx’ BRAT einen riesigen Aufschwung erleben. Bei Zara Larssons neuem Projekt wurden dazu Features mit bekannten Künstlerinnen wie Shakira, Madison Beer, Tyla, Kehlani oder Robyn herangezogen. Während 2024 als „BRAT Summer“ in die Geschichtsbücher einging, könnte 2026 endgültig zum „Eurosummer“ (nach dem gleichnamigen Song vom Album) werden.
Kurz gesagt: Zara Larsson hat den internationalen Popstar-Glow-up komplettiert und trifft gerade musikalisch, visuell und image-technisch einfach jede richtige Entscheidung – also dringend reinhören und bei den ersten Sonnenstrahlen den Girls Trip Eurosummer einläuten!
Und damit: puss puss,
Joline Corbes



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