Unsere Frau der Woche: Kai Wargalla

Kai Wargalla ist queer, vegan, feministisch, ein Kind des Internets und sich selbst bezeichnende Ökoschlunze. Sie gründete die Protestbewegung Occupy London und verklagte mal Barack Obama. Ach ja, Landesvorsitzende der Bremer Grünen ist sie auch noch.

Aktivistin über Nacht

Kai Wargalla wächst im Bremer Stadtteil Huchting auf. Geblieben ist sie dort erst mal nicht. Sie studiert unter anderem in Schweden und England. Ihre Zeit in London prägt Kai Wargallas politischen Werdegang, obwohl der sie zuerst in eine ganz andere Richtung führt. Während ihres Auslandssemesters gründet sie im Jahr 2011 Occupy London. Was mit einem Tweet anfängt und mit einem kleinen Kreis aus Protestler*innen weitergeht, wird zu der Occupy London Bewegung. Kai Wargalla will etwas bewegen. Sie unterbricht ihr Studium und kündigt ihre Wohnung um mit anderen Aktivist*innen in der Zeltstadt in London zu leben. Zur gleichen Zeit versteckt sich der Whistleblower und WikiLeaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in Großbritanniens Hauptstadt. Menschen, die ihre eigene Freiheit bewusst aufgeben, um für ihre Überzeugungen zu kämpfen, faszinieren Kai Wargalla, so der Freitag in einem Portrait über sie. Und es inspiriert sie. Sie setzt sich für die Freiheit von Julian Assange ein und fliegt nach New York um den Gerichtsprozess von Chelsea Manning zu begleiten.

Selbst die Veränderung sein

Politik aktiv mitgestalten, mitmischen statt nur zu zuschauen. Das scheint Kai Wargallas Antrieb zu sein. Mit sechs anderen Aktivist*innen klagt sie gegen ein von Barack Obama verabschiedetes Gesetz, das ihm erlaubt Menschen ohne Grund oder Gerichtsprozess zu verhaften. Damit gerät sie selbst in die Schusslinie. Ihr wird mitgeteilt, dass sie berechtigte Angst haben sollte, weggesperrt zu werden. Für manche scheint es befremdlich, dass Kai Wargalla, die so lange in der internationalen Politik zuhause war und „wirklich“ etwas bewegt hat, nun Lokalpolitik bei den Bremer Grünen macht. Wirklich geplant, war das so auch gar nicht, erzählt Kai Wargalla in einem taz Interview. Doch schnell hat sie gemerkt, dass das kein Rückschritt ist, sondern eher eine Weiterentwicklung:

„Im Grunde ist die Arbeit sehr ähnlich. Es geht immer darum, dass du vor Ort etwas veränderst und dass du selbst die Veränderung bist. Was anderes kannst du nicht machen. Bevor du von anderen erwartest, dass sie sich verändern, musst du doch auf dich selbst schauen und versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen.“ Kai Wargalla im taz Interview.

Kai Wargalla in Bremen

Und ihren Kampfgeist hat sie aus der Weltpolitik mit nach Bremen gebracht. Bis Juni 2016 arbeitete Kai Wargalla im Bio-Supermarkt Alnatura. Sie kämpft währenddessen unerbittlich für einen Betriebsrat. Doch ihr Vertrag in dem Supermarkt wird nicht verlängert. Kai Wargalla scheint für viele einfach zu unbequem. Sie kämpft um die Rechte der LGBTQ-Gemeinde und setzt sich immer wieder dafür ein, alternative und kreative Freiräume für Bremer*innen zu schaffen. So unterstützt sie den Bremer Verein Zucker e.V., der ein soziokulturelles Zentrum mit einem Club auf die Beine stellt.

Kai Wargalla geht als starkes Vorbild voran. Sie erinnert daran, dass Veränderung bei einem selbst beginnt und das Lokalpolitik doch ziemlich spannend sein kann. Damit gehört sie auf jeden Fall zu unseren Frauen der Woche!

Katja Hoffmann

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