Unsere Frau der Woche: Martha Cooper

Martha Cooper, lächelnde Frau sitzend im Vordergrund, hinter ihr unscharfe Menschen

By Mikamote (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Ihre Bilder sorgten dafür, dass Graffiti über New Yorks Grenzen hinaus bekannt wurde. Sie dokumentierte als Erste die damals noch unbekannten Phänomene Breakdance und B-Boying. Ihr Buch Subway Art gilt als heilige Graffiti-Bibel. Seit über 30 Jahren fotografiert Martha Cooper urbane Straßenkunst. Ihre Bild-Dokumentationen über die New Yorker Hip-Hop-Kultur der 1970er und 80er Jahre machten auf eine Subkultur aufmerksam und zeigten, dass dort Kunst und nicht einfach nur Vandalismus geschaffen wird.

“I’ve been a professional photographer since 1968, almost 50 years.”, so die Fotografin.  

Durch das Kamerageschäft ihres Vaters kam Martha Cooper schon als Kind mit Fotografie in Kontakt. So ist es kaum verwunderlich, dass sie bereits im Alter von drei Jahren ihre erste eigene Kamera geschenkt bekam. Die Begeisterung für das Fotografieren war geweckt und damit der Grundstein ihrer folgenden Karriere gelegt.

Weltenbummlerin in Subkulturen

Gebürtig aus Baltimore in den USA, ging Martha Cooper nach ihrem Collegeabschluss mit dem Friedenscorps nach Thailand, um dort Englisch zu unterrichten. Zwei Jahre später fuhr sie beeindruckende 20.000km mit ihrem Motorrad nach England, wo sie entschloss Anthropologie zu studieren. Die Kamera unterwegs stets griffbereit.

1969 lebten und arbeiteten Martha Cooper und ihr Ehemann in Japan. In Tokio bekam sie Einblick in die Untergrundkultur der japanischen Tätowier-Kunst. Zu dieser Zeit war das Tättowieren in Tokio eine mehr oder weniger geheime Kunstform und nur wenigen zugänglich. Ihre Dokumentation veröffentlichte sie in dem Band Tokyo Tattoo 1970. Diese Möglichkeit, Fotografie und Anthropologie miteinander zu verbinden, macht Martha Cooper auch in ihrer folgenden Arbeit zu ihrer Aufgabe. Die Bilder sollen stets in einem Entstehungskontext stehen, sagt sie

“I want to put things in context. That holds true of all my work. I want to show whatever it is I am photographing in a way the viewer gets a sense of where that picture was taken.”

Zurück in New York

Das New York der 1970er Jahre war geprägt von einer hohen Kriminalitätsrate. Einige Viertel und vorallem die U-Bahn galten als nicht sichere Orte. Martha Cooper ging zu dieser Zeit in die Metropole und arbeitete als erste weibliche Fotografin bei der New York Post. Auf ihrem täglichen Arbeitsweg dokumentierte sie für sich persönlich die Kinder der Gegend. Sie interessierte sich dafür was die Kinder in den oftmals gefährlichen Straßen machten, wenn ihre Eltern nicht zusahen. Wie sie spielten und vor allem wie sie die Straßen zu ihrem Spielplatz machten. Auf diesem Weg lernte sie jugendliche Graffitisprüher der Gegend kennen, die sie in die Szene einführten und ihr erklärten, was es mit den gesprühten Bildern auf sich hatte.

Vandalismus oder Kunstform?

dunkel gekleideter Mann sitzt in U-Bahn, U-Bahn wände sind komplett mit Graffitit bemalt

By Calonius, Erik [Public domain], via Wikimedia Commons

In den 1970 und 80er Jahren war Graffiti in New York überall sichtbar. Keine New Yorker Subway, die nicht von oben bis unten, innen sowie außen mit Graffiti geschmückt war. Dieses Phänomen war den meisten ein Dorn in Auge und lediglich als Schmierereien von gelangweilten und kriminellen Jugendlichen angesehen. Martha Cooper begriff schnell, dass es sich hier nicht bloß um reinen Vandalismus handelte, sondern eine Kunstform war. Es wurde also nicht wahllos an Wände gesprüht und gekritzelt, sondern vorher in Form von Zeichnungen konzipiert und designt. Plötzlich konnte sie die Bilder an den Straßen oder auf den Zügen zuordnen und lesen und erkannte, dass durch sie eine Kommunikation stattfindet, die die meisten Menschen gar nicht wahrnahmen.

Früh sprach sich herum, dass sie Fotos der Writings machte und so lernte Martha Cooper den damals in der Szene schon sehr bekannten Sprüher Dondi kennen. Sie begleitete ihn während seiner (illegalen) künstlerischen Aktivitäten mit ihrer Kamera und erhielt so Einblick in eine Jugend-Subkultur, die den meisten ihres sonstigen Umfeldes verwehrt blieb. 1984 veröffentlichte sie zusammen mit Henry Chalfant den Bildband Subway Art. Das Buch gilt noch heute als Writing-Bibel und machte, neben Graffiti, auch Martha Cooper bekannt.

Eine Berühmtheit in der Graffiti-Szene

Die 74jährige ist noch heute in den Straßen und U-Bahnen New Yorks unterwegs und fotografiert und dokumentiert Urban Art. Auf Streetart- und Graffititfestivals auf der ganzen Welt ist sie immer noch stets anzutreffen und gern gesehen.

Ein Zeichen für ihre Beliebtheit und Bekanntheit ist die kürzlich eröffnete Martha Cooper Library des Berliner Museums Urban Nation mit archivierten Arbeiten der Fotojournalistin.

Martha Cooper bewegt sich im Untergrund, deckt Subkulturen auf und macht sie publik. Sie hat Zugang zu einer damals noch unbekannten Kunstszene erlangt und sich dort einen Namen gemacht. Durch ihre veröffentlichen Bilder trug sie maßgeblich für eine mediale Verbreitung der Graffiti-Kunst in Europa bei. Eine interessante Frau, die sich immer wieder in fremde Gefilde begiebt und ihrer Arbeit auch mit 74 noch nicht müde wird.

Katja Kowalzik

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