Unsere Frau der Woche: Amal Clooney

Amal Clooney ist eine international erfolgreiche Menschenrechtsanwältin. Als Kind ist ihre Familie aus dem Libanon geflohen. Jetzt setzt sie sich für Flüchtlinge ein und verklagt den IS.

Zeichnung: Frau mit Gerichtstalar

Anwältin für Menschenrechte Amal Clooney (c) Hannah Lena Puschnig

Amal Ramzi Alamuddin Clooney wurde 1978 in Beirut, Libanon geboren. Die Familie flüchtete vor dem libanesischen Bürgerkrieg nach England. „Meine Eltern hatten das Glück, von einem europäischen Land aufgenommen zu werden“, erzählte sie in einem Gespräch mit syrischen Geflüchteten in Berlin. Ihr Vater, ein Universitätsprofessor, ist mittlerweile in den Libanon zurückgekehrt. „Ich hoffe, dass auch ihr die Möglichkeit haben werdet, in ein sicheres Syrien zurückzukehren.“

Amal Clooney kämpft gegen die Bürokratie des Bösen

Die 38-jährige Amal Clooney möchte den Islamischen Staat (IS) in Den Haag vor Gericht stellen. Militärisches Einschreiten, sagte sie NBC, sei nicht genug. „Man kann eine Idee nicht auf diese Art töten. Eine Möglichkeit, etwas zu unternehmen, ist die Brutalität und Verdorbenheit aufzudecken. Und teilweise ist das durch Gerichtsprozesse möglich.“ Ihre Mitstreiterin ist Nadia Murad. Sie ist eine jesidische Geflüchtete aus dem Irak. IS-Kämpfende hatten sie verschleppt und drei Monate als Sklavin gehandelt. Mittlerweile lebt Nadia Murad in Baden-Württemberg. Die UNO ernannte sie am 16. September 2016 zur Sonderbotschafterin für die Würde der Opfer von Menschenhandel.

Bei der Ehrung von Nadia Murad in New York war Amal Clooney ebenfalls anwesend. Sie nannte Nadia Murad eine Freundin und Inspiration. Sie erklärte, dass Nadia Murads Geschichte kein Einzelfall ist. Was mit den jesidischen Frauen geschieht, sei ein systematischer Völkermord. „Völkermord geschieht nicht aus Versehen. Man muss ihn planen“, sagte Amal Clooney vor der UNO. Was der IS tat sei eine „Bürokratie des Bösen“.

„Ich wünschte ich könnte sagen, dass ich stolz bin, hier zu sein. Aber ich bin es nicht. Ich schäme mich, als Unterstützerin der Vereinten Nationen, dass es Staaten gibt, die es nicht schaffen, Völkermord zu vereiteln, oder zu bestrafen, weil sie das Gefühl haben, dass es ihren eigenen Interessen im Weg steht. (…) Ich schäme mich als Frau, dass die Körper von Mädchen wie Nadia verkauft und als Schlachtfelder genutzt werden. Ich schäme mich als Mensch, dass wir ihre Hilfeschreie ignorieren.“

Nadia Murad und Amal Clooney erhalten gezielte Drohungen vom IS. Das Risiko ist Amal Clooney durchaus bewusst. „Ich habe [Nadia Murad] getroffen und dachte ‚Ich kann hiervor nicht weglaufen‘“, sagte sie NBC. „Das ist mein Job.“

Juristin aus Leidenschaft

„Wenn man als Anwält*in einfachere Fälle möchte, kann man Verkehrsvergehen verfolgen. Dann hätte man eine hohe Erfolgsrate und könnte nachts vermutlich leichter gut schlafen. Das ist es nicht, was mich antreibt. Ich möchte an den Fällen arbeiten, bei denen ich Leidenschaft empfinde“, erklärte Amal Clooney in einem Interview.

Ihre Karriere als Juristin begann Amal Clooney an der Universität in Oxford. Später wechselte sie an eine Universität in New York City. Dort arbeitete sie in der renommierten Kanzlei Sullivan & Cromwell. Später arbeitete sie am Internationalen Gerichtshof in Den Haag sowie für das UN-Sondertribunal für den Libanon. Die Klage gegen den IS ist nicht ihr erster Fall, der Medieninteresse weckte.

Amal Clooney vertrat den Wikileaks-Gründer Julian Assange, die ehemalige Ministerpräsidentin der Ukraine Julija Tymoschenko, sowie den Ex-Präsidenten der Malidiven. Außerdem unterstützte sie Griechenland bei dem Vorhaben, von den Briten gestohlene antike Kunstwerke zurückzuführen. Vergangenes Jahr vertrat sie den Staat Armenien gegen den türkischen Politiker Doğu Perinçek. Ihre letzte Mandantin war eine aserbaijanische Journalistin, die aufgrund ihrer Arbeit verhaftet worden war.

Verantwortung übernehmen

2014 wurde Amal Clooney von der Journalistin Barbara Walters zur „Faszinierendsten Person des Jahres“ gekürt. Weitere Bekanntheit erlangte Amal Clooney durch ihre Heirat mit dem US-amerikanischen Schauspieler George Clooney. Das Geld, das die beiden mit dem Verkauf der Hochzeitsfotos einnahmen, spendeten die beiden für einen guten Zweck. Gemeinsam unterstützen sie die Flüchtlingsprojekte der International Rescue Comittees.

Das Ehepaar gemeinsam auf dem roten Teppich

Amal Clooney und ihr Ehemann George (c) By www.GlynLowe.com from Hamburg, Germany [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

„Ich finde es wundervoll, wenn Promis sich dafür entscheiden, ihre Zeit, Energie oder ihr Rampenlicht dafür zu verwenden, um auf diese Dinge aufmerksam zu machen. Ich selbst sehe mich nicht ganz auf diese Weise, weil ich noch den gleichen Job mache, wie früher [vor ihrer Hochzeit mit George Clooney]“, sagte sie NBC. „Mit Berühmtheit kommt eine gewisse Verantwortung. Und ich glaube, der werde ich gerecht, in dem ich meine Arbeit fortsetze.“

Sie möchte auch anderen jungen Frauen die Möglichkeit geben, ihre Ziele zu erreichen. Mit dem Amal Clooney Stipendium wird jedes Jahr einer libanesischen Frau ein Auslandsstudium finanziert.

Hannah Lena Puschnig

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