Nah am Leben. So könnte es heißen, wenn eine auf einer Party kurz das Stück Frau Yamamoto ist noch da beschreibt.
Mitten drin, wie die Facetten und Blickwinkel des Alltags. So stückeln sich auf der Bühne kleine Kartonwaben, die dann und wann umfunktioniert werden. Schnell kommt da auch ein wuseliges Bild eines Bienenvolks in den Kopf. Die Schauspielenden kämpfen sich durch diesen Parkour aus Waben. Unermütlich. Das kann mal komisch, mal mühselig, mal traurig, mal enervierend sein. Die Kartonwaben spielen verschiedene Rollen, sind gar Hindernisse, oder positiv gesagt: entschleunigen. Aus einem Karton wird ein Tisch, ein spezieller Ort, ein Stuhl, ein Therapiezimmer oder ein Unfallsgeschehen.

Kommen und Gehen vor Frau Yamamotos Tür
Inmitten zufälliger Begegnungen und Alltagsszenen lernen wir ein Paar kennen. Zwei Männer sind ein romantisches Liebespaar. Ihre Nichte und Frau Yamamoto sind mit ihnen verbunden. Eine Hausgemeinschaft. Oder eine solidarische Gemeinschaft? Was passiert, wenn die Nachbarin Frau Yamamoto nicht mehr so gut allein zurecht kommt? Liebe, Fürsoge, Solidarität, Anstand. Die fein verästelten Machtaspekte sozialer Beziehungen treten in den kurzen Szenen immer wieder an die Oberfläche. Ganz subtil werden die Zuschauenden an einzelne Probleme herangeführt.
In Dea Lohers Stück geht es um das Leben, oder vielmehr um die impliziten Ansichten, die wir auf unser Leben haben. Wann hat eine Person „es geschafft“, ein gelungenes Leben geführt? Wann konzentriert sich alles nur auf die nicht genutzten Möglichkeiten? Wer blickt nur auf Probleme und wer blendet sie komplett aus? Wir belauschen ein Gespräch über einen neuen Menschenklumpen „Virus“. Die Menschen, die sich zu nahe kommen, kleben aneinander. Nur die Einzelgänger überleben, lautet der lakonische Kommentar.
Das Stück behandelt geradezu die meisten großen Themen des Lebens, und das in kleinen Miniaturen. Ganz unterschiedlich gehen sie dem Publikum unter die Haut. Ob der unterschiedlichen Nähe zum jeweilig behandelten Thema, regen sich jeweils verschiedene Gefühle. Ein Stück aus dem Leben, in dem der Sensenmann ebenso vorkommt. Anfang, Ende und auch Mittelteil. Empfehlenswert wäre es, es gern mit Menschen unterschiedlicher Generationen, in Familie oder Bekanntschaft zu sehen. Es bietet viel Gesprächsstoff, für Trauernde, Verlassene, Glückliche, Junge, Alte, Unglückliche und alle anderen.
Besetzung
Karin Enzler, Emma Floßmann, Lieke Hoppe, Susanne Schrader, Irene Kleinschmidt, Mathilda Maack, Guido Gallmann, Ferdinand Lehmann, Alexander Swoboda, Levin Hofmann, Matti Weber
Regie: Alize Zandwijk
Bühne: Thomas Rupert
Kostüme: Sophie Klenk-Wulff
Licht: Norman Plathe-Narr
Mitarbeit Kostüm: Sibylle Müngersdorf
Musik: Matti Weber
Dramaturgie: Regula Schröter
Termine
Donnerstag, 11. Dezember 2025, 19:00 – 21:00 Uhr
Mittwoch, 17. Dezember 2025, 19:00 – 21:00 Uhr
Mittwoch, 21. Januar 2026, 19:00 – 21:00 Uhr
Renate Strümpel



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