Im letzten Jahr begrüßte der Christopher Street Day in Köln 1,2 Millionen Besucher*innen. Die Hauptstadt? Eine Million. Und Hamburg hatte 250.000 Teilnehmer*innen. Viele, viele Menschen reisen zu diesen riesigen Veranstaltungen. Um den perfekten Städtetrip zu planen, hilft der queere Reiseführer „Pride on Tour – 35 queere Reiseziele in Europa“ (Simone Bauer, CONBOOK Verlag). Denn neben der Demonstration und den Partys darum herum gibt es noch jede Menge queergeführte Cafés, Buchläden oder Museen, die sich lohnen. Doch es werden nicht nur die Metropolen Europas vorgestellt, auch kleinere Ziele.

Dazu gehört Bern. Hier findet der CSD immer im Mai statt und beeindruckt mit einer Parade in der wunderschönen Altstadt. Von oben aus muss das Ganze wie Pridefeierlichkeiten bei „Game of Thrones“ aussehen. Die beeindruckende Kulisse lockt das ganze Jahr über und vor allem der Buchladen Queer Books ist ein hervorragendes Ziel für jede Menge queere Literatur. Diese kleinen CSDs zu unterstützen, die nicht mit großen Popstars oder Influencerunterstützung aufwarten, ist dieser Tage wichtiger denn je. Der CSD ist eine Demonstration für die Rechte queerer Menschen und man muss noch nicht mal zur Orange nach Amerika blicken, um zu merken: Diese sind in Gefahr. In England sorgen gerade reichlich Regelungen dafür, Transmenschen in ihren intimsten Rechten zu beschneiden.
Umso lauter sollte man sein, wenn die Pride Parades in England losrollen. Brighton ist, wie in „Pride on Tour“ präsentiert, ein ganzjähriges Pridefestival, denn die Dichte an Pubs, Restaurants, Boutiquen und Buchläden queerfreundlicher Natur ist riesig. Auch Manchester ist eine tolle Alternative zu London, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn Manchester gilt als sehr alternative Stadt mit chilligen Clubs. Wer dort die Pride Mitte August besucht, könnte dann auch einen Abstecher machen nach Hebden Bridge. Circa eine Stunde von Manchester entfernt, nennt man Hebden Bridge auch „UKs lesbische Hauptstadt“.
In dieser Kleinstadt in West Yorkshire leben über 5.000 Menschen und seit 50 Jahren ist vor allem die lesbische Szene hier extrem lebendig. Von Nelsons Wine Bar bis hin zum Trades Club, der in einem Gebäude von 1924 regelmäßig Konzerte veranstaltet, wird hier jede*r glücklich. Und in den Geschäften kann man das kaufen, was man oft lange sucht: Hochzeitskarten, die sich nicht nur an ihn und sie wenden. Hebden Bridge gefällt vor allem mit seiner familiären, liberalen Atmosphäre und es gibt viel zu entdecken.
Kleinere Communities während des eigenen Urlaubs zu unterstützen, ist auch außerhalb der Demonstrationen absolut wichtig. Der eine Buchladen, der zum Safe Space für die FLINTA*-Community geworden ist. Die queerfreundliche Boutique. All diese Businesses kämpfen auf der ganzen Welt um ihr Überleben, und es ist doch viel schöner, in der alternativen Lesbenbar einen Snack zu sich zu nehmen als womöglich bei einer Kette zu essen?
In Deutschland sind die CSDs in Nürnberg oder Regensburg mit ihren schönen mittelalterlich wirkenden Zentren zwar sehr beschaulich, aber vor allem etwas für diejenigen, die auf Menschenmengen verzichten möchten und dennoch sichtbar sein wollen. Am ersten Juliwochenende hat der CSD Regensburg fest im Griff mit einem tollen Line-up von den Drag Kings Perry Stroika und Holey Father, die immer großartige Acts mitbringen, bis hin zu den fabulösen Drag Queens Madame Midnight und Vicky Voyage. Mit ihren zauberhaften Nummern zeigt die Stadt an der Donau, wie Glamour geht. Das noch relativ neue, aber sehr coole Jala begrüßt zur Party danach.

Wen es zum queeren Urlaub doch aus Deutschland rauszieht, dem sei zur Senja Pride in Norwegen geraten. In beeindruckender Landschaft wird bestätigt, dass nicht nur Oslo (und dort vor allem der Buch- und Comicladen Tronsmo) einen Besuch wert ist. Ende August gibt es jede Menge Programm rund um die Parade, von queerem Stand-up bis hin zum gemeinschaftlichen Bowling. Denn das Tolle an dieser Art Reise ist ja auch, immer leicht in den Kontakt mit Einheimischen und Besucher*innen aus aller Welt zu kommen. Und das bedeutet eben auch Vielfalt – und Vielfalt unterstützen. Egal, wo.
Simone Bauer
Bevor ihr loszieht.. Empfehlungen aus der Redaktion:
In ihrem Reiseführer Pride on Tour nimmt euch Simone Bauer mit zu 35 queerfreundlichen Orten in Europa. Mit dabei: Tipps für Festivals, besondere Sehenswürdigkeiten und jede Menge queere Kultur.
Am Samstag, 12.07., zieht der CSD unter dem Motto „Nie wieder Still – Loud and Proud“ durch Bremerhaven. Und in Bremen findet der diesjährige CSD unter dem Motto „Pride must go on! Gemeinsam. Laut. Für Alle.“ am 23. August statt. Eine Übersicht mit allen CSDs, klein und groß, findet ihr hier.



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