Gewalt gegen Frauen – das Streben nach Macht

Achtung: Triggergefahr!

Gewalt gegen Frauen ist ein weltweites Problem. Ein Drittel aller Frauen sind betroffen. Sie erleben Gewalt am häufigsten durch einen aktuellen oder ehemaligen Partner. Knapp die Hälfte aller Frauen, die Gewalt erfahren haben, sprechen nicht über das Geschehene. Vor allem sind es nicht nur die von außen sichtbaren Wunden, die das Leben der von Gewalt betroffenen Frauen verändern. Viel mehr sind es ein verlorenes Selbstwertgefühl, Unsicherheit und Angst.

Die drei Formen der Gewalt

Zeichnung einer Hand mit der Aufschrift: No!

©www.gewaltgegenfrauen.bremen.de

Gewalt kann sich in vielen Formen zeigen. Sie kann physisch, psychisch oder sexuell ausgeübt werden. Durch physische Gewalt wird der Körper einer Person verletzt. Dies geschieht beispielsweise durch schubsen, schlagen oder würgen.

Psychische Gewalt hingegen wird durch Worte ausgeübt, die Wunden sind für Außenstehende meist nicht sichtbar. Diese Form der Gewalt äußert sich oft durch Beschimpfungen, Demütigungen, Einschüchterung, Bedrohung, Verleumdung und anderen Aspekten.

Die sexualisierte Gewalt stellt eine der gröbsten Formen der Gewalt dar und bezeichnet alle sexuellen Handlungen, die gegen den Willen des Opfers geschehen. In den Bereich sexualisierte Gewalt fällt unter anderem ungewolltes Berühren, sexuelles Belästigen (auch nur mit Worten), das Erzwingen von Geschlechtsverkehr oder sexuellen Handlungen sowie die Zwangsverheiratung von Minderjährigen.

Gewalt führt niemals zu Macht

Diejenigen, die Gewalt ertragen mussten, sind nicht schwach, weil jemand versucht hat über sie zu bestimmen. Und vor allem sind die, die Gewalt ausüben nicht mächtig und stark.

”Macht und Gewalt sind Gegensätze: wo die eine absolut herrscht, ist die andere nicht vorhanden.”

Schon die Philosophin Hannah Arendt wusste, dass Gewalt nicht zu Macht führt. Und wie recht sie doch hatte. Wer Frauen gegenüber Gewalt antut, der besitzt niemals Macht. Der strebt nach Macht und versucht diese mittels Gewalt, Manipulation und der dadurch erzeugten Angst zu erlangen. Doch wer sich Gefühle der Stärke und Selbstbestätigung nur durch die Anwendung von Gewalt erzwingen kann, wird niemals Macht besitzen.

Stark hingegen sind die Frauen, die Gewalt erleben und sich trotzdem nicht unterkriegen lassen. Ob es die Mutter ist, die in einer Gewaltbeziehung lebte und versuchte die Gewalt abzufangen, um ihre Kinder zu schützen. Die junge Frau, die vergewaltigt wurde und trotzdem jeden Tag das Haus verlässt, obwohl sie immer wieder Ängste überkommen. Oder die Frau, die bei ihrem gewalttätigen Freund blieb, weil sie dachte, sie könne ihm helfen, seine Aggressionen zu bewältigen. Diese Frauen beweisen Stärke, weil sie ihren eigenen Wert erkannten und sich aus der Gewalt lösten. Weil sie trotz Verletzungen, Ängsten und Unsicherheit positiv in die Zukunft blicken.

Keine spezifischen Tätergruppen 

Dass Gewalt gegen Frauen ein Problem niedriger Bildungsschichten sei und in Verbindung mit dem Herkunftsland steht, ist eine noch immer aktuelle und falsche Verallgemeinerung. Bereits mehrere Studien widerlegen diese Vermutungen. Jede Frau kann Opfer von Gewalt werden. Weder der akademische Abschluss, noch das A15 Gehalt oder die deutsche Staatsbürgerschaft geben Sicherheit darüber, dass diese Person keine Gewalt ausübt. Gewalt gegen Frauen ist in allen Bildungsschichten vorzufinden. Eine Studie der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigt, dass Gewalt unabhängig von Bildung, Kultur, Herkunft oder Einkommen in allen gesellschaftlichen Schichten vorkommt.

Wenn es Zeit wird zu gehen

Frau mit Schild auf dem es war nicht meine Schuld steht

©privat ; Robers

Frauen die Gewalt in Paarbeziehungen erleben, fällt es häufig sehr schwer sich aus dieser Bindung zu lösen. Wer nicht selbst häusliche Gewalt erfahren hat, der kann dies meist schwer nachvollziehen und fragt sich, warum diese Frauen sich weiterhin demütigen lassen. Warum verlassen sie ihren Partner nicht?

Doch die Gewalt in Paarbeziehungen verläuft in den meisten Fällen nach einem bestimmten Muster. Nach den Phasen des Spannungsaufbaus und des Gewaltausbruchs, folgt auf Seiten der Täter häufig Reue. Sie entschuldigen sich, versprechen unter Tränen, dass es nie wieder zu einem derartigen Vorfall kommen wird und versuchen Ausreden für ihr Verhalten zu finden. In den meisten Fällen wurden die Frauen zu diesem Zeitpunkt schon über längere Zeit psychisch von ihren Tätern manipuliert. Nicht selten haben vorangegangene Beleidigungen und Verleumdungen dazu geführt, dass die Frauen ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen. Viele Täter schaffen es, dem Opfer sogar einzureden, dass es selbst schuld an dem Vorfall sei. Dazu kommen emotionale sowie finanzielle Abhängigkeiten, die es den Opfern schwer machen ihren Partner zu verlassen. Ebenso wie die Angst, wer einem glauben wird.

Sobald es zum ersten Gewaltausbruch kam, bleibt es in nahezu allen Fällen nicht bei nur einem Vorfall. Die frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Erleben von Gewalt in Paarbeziehungen, ist der einzige Weg der aus der sich aufbauenden Gewaltspirale herausführen kann.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist und bleibt ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Die Folgen von Gewalt, die gegen Frauen ausgeübt wird, sind weitreichend. Zu viele Frauen sind von Gewalt betroffen und verlieren sich selbst an Selbstzweifel und Ängste. Niemand hat das Recht dazu, sein Streben nach Macht zu befriedigen, indem er gewaltsam das Leben eines anderen Menschen beeinflusst und auseinander bringt.

Wenn Du oder jemand aus Deinem Umkreis Gewalt erlebt, kannst Du auf www.hilfetelefon.de anonym und kostenlos Hilfe und Beratung bekommen. Weitere Informationen findest Du auf www.gewaltgegenfrauen.bremen.de.

Svenja Böttjer

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