Gewalt in der Geburtshilfe – Time for change

Schwangere Frau betrachtet Ultraschallbild

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Unmittelbar zwischen den Veröffentlichungen der WHO zur „Prevention and elimination of disrespect and abuse during childbirth ‐ Greater support from governments and development partners for research and action“ und dem Aufruf der UNO, die Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, hat ENCA, das European Network of Childbirth Associations die europäische Fachtagung „Gewalt in der Geburtshilfe“ organisiert und damit ein Thema aufgegriffen, das hochaktuell und brisant ist.

Frauen aus 20 europäischen Ländern kamen am 9. April 2016 in Berlin zusammen, um sich über die aktuelle Situation, die Gründe und Folgen gewalttätiger Handlungen gegen Frauen unter der Geburt auszutauschen. Beverly Beech (AIMS Großbritannien) und Dr. Katharina Hartmann (Roses Revolution Deutschland) – Referentinnen auf der ENCA‐Tagung ‐ sprachen bereits 2012 in Den Haag und 2014 in Zagreb auf der International Conference of Jurists, Midwives and Obstetricians zum Thema „Human Rights in Childbirth“.

Frau stuetzt sich in Haende auf gelaender, schwarz weiss bild

© privat ; Robers

Aktivistinnen aus Spanien, Großbritannien, Bosnien‐Herzegowina und Deutschland referierten zur geburtshilflichen Situation in ihren Ländern und stellten sich anschließend in Workshops den Fragen der Tagungsteilnehmerinnen. Anliegen der Tagung war es, das Thema Gewalt in der Geburtshilfe aus der Tabuzone zu holen, eine Öffentlichkeit für die Betroffenen zu schaffen und die Vernetzung der europäischen Aktiven voranzutreiben.

Gewalterfahrungen unter der Geburt reichen von aufgezwungenen oder ohne ausdrückliche Zustimmung vorgenommenen medizinischen Eingriffen über unnötige Untersuchungen, Demütigungen und Beleidigungen der Gebärenden. Diese Zustände überhaupt als Gewalt zu benennen und Änderungen zu bewirken, dafür werden deutschland‐ und europaweit immer mehr betroffene Frauen aktiv.

Gemeinsam mit den anderen beteiligten Organisationen fordern ENCA und die GfG (Gesellschaft für Geburtsvorbereitung):

  • Respekt gegenüber der natürlichen Gebärfähigkeit der Frau sowie der Menschenrechte von Mutter und Kind
  • Eins-zu-eins-Betreuung während der Geburt
  • Implementierung des Rechtes auf die freie Wahl des Geburtsortes
  • Kostenübernahme der psychosozialen und therapeutischen Betreuung der Opfer durch die  Krankenkassen
  • Angebote, die auf die Bedürfnisse von Migrantinnen zugeschnitten sind

Organisiert wurde die 23. ENCA‐Jahrestagung von der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung –  Familienbildung und Frauengesundheit – Bundesverband e. V. unter der Leitung ihrer Ehrenvorsitzenden Elisabeth Geisel. Elisabeth Geisel ist Gründerin und Koordinatorin von ENCA, unter deren Dach sich Organisationen aus 20 europäischen Ländern zusammengeschlossen haben. Die Mary Ann Kübel Stiftung unterstützte die Fachtagung finanziell.

Die Dokumentation der Tagung erscheint Anfang Juli 2016 und kann bei der GfG angefordert werden.

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