Haarige Zeiten – Januhairy, Gillette und jetzt Februhairy?

2019 ist nun mehr als einen Monat alt. Feministisch sind wir wieder dank wiederholender Fragestellungen zu 219a, Ausschluss von Frauen bei Traditionsveranstaltungen, Aufräumwahn im Namen der Überflussgesellschaft à la Marie Kondo und vielen anderen Dingen warm gelaufen.
Der #januhairy gehörte auch dazu. Einen Monat lang, den Januar nämlich, ließen Frauen rund um den Globus ihre Haare wachsen und dokumentierten das unter dem Hashtag #januhairy. Was steckt dahinter?

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Hi I’m Laura, the gal behind Januhairy! I thought I would write a little about my experiences and how Januhairy came about… I grew out my body hair for a performance as part of my drama degree in May 2018. There had been some parts that were challenging for me, and others that really opened my eyes to the taboo of body hair on a woman. After a few weeks of getting used to it, I started to like my natural hair. I also started to like the lack of uncomfortable episodes of shaving. Though I felt liberated and more confident in myself, some people around me didn’t understand why I didn’t shave/didn’t agree with it. I realised that there is still so much more for us to do to be able to accept one another fully and truly. Then I thought of Januhairy and thought I would try it out. It’s a start at least . . . I have had a lot of support from my friends and family! Even though I had to explain why I was doing it to a lot of them which was surprising, and again, the reason why this is important to do! When I first started growing my body hair my mum asked me “Is it you just being lazy or are you trying to prove a point?” . . . why should we be called lazy if we don’t want to shave? And why do we have to be proving a point? After talking to her about it and helping her understand, she saw how weird it was that she asked those questions. If we do something/see the same things, over and over again it becomes normal. She is now going to join in with Januhairy and grow out her own body hair which is a big challenge for her as well as many women who are getting involved. Of course a good challenge! This isn’t an angry campaign for people who don’t see how normal body hair is, but more an empowering project for everyone to understand more about their views on themselves and others. This picture was taken a few months ago. Now I am joining in with Januhairy, starting the growing process again along with the other wonderful women who have signed up! Progress pictures/descriptions from our gals will be posted throughout the month. Lets get hairy 🌵 #januhairy #bodygossip #bodyhairmovement #happyandhairy #loveyourbody #thenaturalrevolution #natural #hairywomen #womanpowe

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Ursprünglich war es eine Kunstperformance, ausgehend vom Instagram-Account @januhairy, der Mitstreiterinnen aufrief, es ihr gleich zu tun und alle Körperhaare wachsen zu lassen. Einfach einen Monat lang seinen Körper kennen lernen und mehr Sichtbarkeit für Körperbehaarung im Internet erzeugen. Die Gretchenfrage zu Achselhaaren ist nicht neu und bleibt nicht einfach zu beantworten. Schließlich wird manchen feministischen Kreisen häufig genug zugeschrieben, dass Körperhaare und Feminismus ein sich bedingender Zustand sind. Hier wird deutlich gesagt, zugeschrieben, denn dieser sich bedingende Zuschreibung ist keineswegs plausibel. Generell und überhaupt ist der persönliche Umgang mit Körperbehaarung schlichtweg Privatsache.

Der Januhairy soll uns trotzdem innehalten lassen und über unser Verhältnis zum eigenen Körper nachdenken lassen. Der Winter, die kalte Jahreszeit, ist kleidungsmäßig eher ein privater Monat. Viel zu sehen ist nicht. So ließen also viele Frauen ihr Haar wachsen und dokumentierten den Fortschritt auf Instagram. Manch ein Mann war auch dazwischen. Was wird also nach dem Januar passieren? Jetzt im Februar geht es bei manchen weiter mit dem #februhairy, der Fortsetzung.

gezeichnete Frau mit langen Haaren und lila Achselhaar

(c) Renate Strümpel

Gleichzeitig machte im Januar der Gillette Werbespot eine Empörungstour durch die Twitterwelt und andere Netzwerke. Der ungewöhnliche Spot ruft zu mehr Solidarität zwischen Männern und gegenüber Frauen auf. Kritisiert das als „toxische Männlichkeit“ eingeordnete Verhalten. Der Spot provozierte viele empörte Reaktion von Männern. Und wieder sind wir im Kontext der Haare, wenn auch eher männliches Gesichtshaar.

Party Nonconformiste

Das öffentliche Feiern von selbstbestimmter Körperbehaarung bleibt eine einsame Insel. Jede*r kann selbstbestimmt über den eigenen Körper entscheiden. Aber solange die Mehrheit weiterhin in Sachen Körperbehaarung allgemeine Empörung beim nonkonformistischen Zurschau-Tragen schürt, bleibt das Körperhaar politisch.

„Und das Problem stellt sich, wenn eine solche Pop-Kontroverse als Vorwand genutzt wird, um uns von strukturellen Überlegungen zu Klasse, Macht und Privilegien abzulenken. Besonders Körperhaar hat sich im Lauf der feministischen Geschichte zu einem kontraproduktiven Stereotyp entwickelt: Sexisten sprechen gern von „Feministinnen mit haarigen Beinen“, wenn sie in Wahrheit meinen, dass Frauen, die sich nicht anpassen, Frauen, die sich den Ritualen guten femininen Verhaltens verweigern, eine echte Gefahr darstellen.“ Laurie Penny in Bitch Doktrin.

Der #januhairy hat mit seiner Aktion einen Monat lang Raum im Sozialen Netzwerk Instagram eingenommen, und so auf seine Art Diversität von Körperbildern gezeigt. Gerade an dieser Stelle kann die Selbstinszenierung dann wieder einen gesellschaftspolitischen Aspekt bekommen und wird im Bilderstream neben vielen anderen, dem Konsens mehr oder minder folgenden Bildern, ausgespielt. Egal, was frau mit ihren Körperhaaren anstellt, der #januhairy hat in gewisser Hinsicht Denkanstöße gegeben. Charmehaar, sagten wir hier mal an anderer Stelle.

Renate Strümpel 

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