🎃 Halloween-Extra: Spukende Frauen

Geistergeschichten gibt es schon seit jeher. Jede*r hat sicher schon mal eine gehört – egal wo man lebt oder aufgewachsen ist. Denn jede Kultur scheint ihre eigenen Gespenster zu haben. AuffĂ€llig viele davon sind weiblich. Warum dem so ist, kann ich auch nicht erklĂ€ren. Aber ich möchte euch heute, anlĂ€sslich des Halloweenfestes, die bekanntesten weiblichen Spukgestalten aus Europa, Asien und Mittelamerika vorstellen.

đŸ‘»Deutschland und Resteuropa: Die Weiße Frau

GemĂ€lde in schwarz-weiß von einem weiß gekleideten Geist in Frauengestalt, der einen Mann erscheckt

By Emile Vernier (Gravure illustrant l’opĂ©ra „La dame blanche“) [Public domain], via Wikimedia Commons

Dieses Gespenst soll an vielen europÀischen Schlössern anzutreffen und die ruhelose Verstorbene des jeweiligen Adelsgeschlechtes sein. Die meisten Berichte von Sichtungen stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Die bekannteste deutsche Weiße Frau ist der Geist der GrĂ€fin Kunigunde von OrlamĂŒnde. Frisch verwitwet und Mutter zweier kleiner Kinder wollte Kunigunde Albrecht von Hohenzollern heiraten. Dieser ließ verbreiten, er wĂŒrde sie nur heiraten, wenn nicht „vier Augen“ im Wege stĂŒnden. Obwohl damit wohl seine Eltern gemeint waren, die eine Hochzeit ablehnten, bezog Kunigunde die „vier Augen“ auf ihre zwei Kinder. Um Albrecht heiraten zu können, durchbohrte sie die weichen SchĂ€del ihrer beiden DreijĂ€hrigen mit einer Nadel und tötete sie. SpĂ€ter, von ihrem schlechten Gewissen geplagt, grĂŒndete sie ein Kloster und verstarb dort als Äbtissin. Doch auch im Tod fand sie keine Ruhe und soll darum bis heute in der Gegend herumspuken, auf der Suche nach ihren Kindern.

Holzschnitt in schwarz-weiß, eine alte Frau am Ufer eines Sees vor einer Burg

By W.H. Brooke [Public domain], <a href=“https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Banshee.jpg“, via Wikimedia Commons

Die Weiße Frau ist nicht per se bösartig oder gefĂ€hrlich. Jedoch kĂŒndigt sie familiĂ€re TodesfĂ€lle an. Hierin Ă€hnelt sie der Banshee, die alteingesessenen irischen Familien zugeordnet wird und einige Tage vor dem Tod eines Familienmitgliedes vor deren Fenster sitzt und weint. Auch die Banshee trĂ€gt ein weißes Kleid, ist aber, im Gegensatz zur Weißen Frau, sehr alt und hat glutrote Augen. Ein interessanter Unterschied ist auch, dass die Person, deren Tod angekĂŒndigt wird, das Klagen selbst nicht hört. Diejenigen, die es hingegen hören, soll die Stimme der Banshee in den Wahnsinn treiben.

đŸ‘»Lateinamerika: La Llorona (dt. „Die Weinende“)

Dies ist, so erzĂ€hlt man sich in Mexiko, Panama und Costa Rica, der Geist einer Frau, den man an FlĂŒssen antreffen soll. Denn sie sucht dort bis in alle Ewigkeit weinend nach ihren ertrunkenen Kindern. Je nach Landesversion ertrĂ€nkte die Frau entweder ihre Kinder aktiv, weil sie ihrer VermĂ€hlung mit einem Mann im Wege standen, oder weil der Ehemann die Kinder mehr liebte als sie. In einer anderen Variante war die Frau verantwortungslos, ließ ihre Kinder nahe eines Flusses unbeaufsichtigt spielen und kam zu spĂ€t, um sie vor dem Ertrinken zu retten.

đŸ‘»Japan: Kuchisake-onna (dt. „Frau mit zerrissenem Mund“)

Eine Zeichnung. Der Hintergrund ist schwarz. Im Vordergrund das Gesicht einer Frau, die sich die Hand vor das Gesicht hĂ€lt. Ihre FingernĂ€gel sind sehr lang. Man sieht ihr linkes Auge, welches groß aufgerissen ist und die HĂ€lft ihres Mundes, der ebenfalls offen steht. Ihr linkes Ohr lĂ€uft spitz nach oben, wĂ€hrend ihr Gesicht sonst von ihren strĂ€hnigen Haaren bedeckt ist. Kurzgefasst: Diese Frau sieht zum Gruseln schön aus.

(c) Carl B.

Diese Frau ist ein Wesen der japanischen Mythologie und gilt als besonders bösartig. Sie soll eine schöne junge Frau sein, die ihren Mund mit einer Chirurgenmaske verdeckt. Damit fĂ€llt sie nicht weiter auf, denn gerade in der Grippesaison zĂ€hlt es in Japan zum guten Ton, die Mitmenschen mittels Mundschutz vor den eigenen Keimen zu schĂŒtzen. Kuchisake-onna lauert nachts Menschen auf und fragt diese „Bin ich schön?“ Antwortet man mit „Ja.“, dann nimmt sie ihre Maske ab und offenbart darunter einen fĂŒrchterlich entstellten Mund. „Auch jetzt noch?“, fragt sie ihr Opfer dann. Was man daraufhin antwortet, entscheidet ĂŒber das eigene Schicksal. Sagt man „Ja.“, so zĂŒckt sie eine große Schere und schneidet ihrem Opfer den Mund auf, damit es genauso „schön“ wird, wie sie. Antwortet man „Nein.“, so tötet die Frau einen sofort. Fluchtversuche sind zwecklos, denn sie ist ĂŒbermenschlich schnell. Die beste Antwort, die man Kuchisake-onna geben kann, ist eine ausweichende. Etwa „Naja, so la la.“ oder „Durchschnittlich.“ Das verwirrt sie angeblich und man kann ihr entkommen.

Doch warum hat die Kuchisake-onna ĂŒberhaupt ein entstelltes Gesicht? Die Legende dazu beruht wohl auf einer alten Geschichte aus dem achten Jahrhundert. Sie handelt von einer bildschönen Frau, die mit einem reichen Samurai verheiratet war. Ihr Mann war jedoch krankhaft eifersĂŒchtig und bezichtigte sie eines Tages im Streit der Untreue. Er schnitt ihr mit seinem Schwert eine klaffende Wunde von Ohr zu Ohr und fragte „Wer wird dich jetzt noch schön finden?“

In SĂŒdkorea kennt man ĂŒbrigens ebenfalls die Frau mit zerrissenem Mund. Allerdings erzĂ€hlt man sich dort eher die moderne Legende, dass eine eitle Frau bei einer Schönheitsoperation verunstaltet wurde.

đŸ‘»Großbritannien und USA: Bloody Mary

Die Bloody Mary ist ein rachsĂŒchtiger Geist, der in Spiegeln erscheint. Die Gestalt ist heutzutage vielen aus viralen Horrorgeschichten, sogenannten Creepypastas, bekannt. Besonders die Mutproben, die die Erscheinung herbeirufen sollen, sind im Internet in etlichen Varianten verbreitet und vor allem bei Jugendlichen beliebt. Danach soll man vor dem Badezimmerspiegel bei Kerzenschein mehrmals hintereinander „Bloody Mary“ flĂŒstern. Bei richtiger AusfĂŒhrung des Rituals soll im Spiegel eine junge Frau mit langen Haaren und totenbleicher Haut erscheinen, manchmal auch mit blutiger Schnittwunde im Gesicht. Laut einer anderen Variante der Geschichte soll hingegen keine Geisterfrau im Spiegel erscheinen, sondern das eigene blutverschmierte Spiegelbild. 

Zart Besaitete, bitte ĂŒberspringt den folgenden Kurzfilm lieber:

In frĂŒheren Zeiten ermutigte die Legende junge MĂ€dchen, in der Dunkelheit, nur mit einer brennenden Kerze und einem Handspiegel rĂŒckwĂ€rts eine Treppe hinaufzusteigen. Wenn sie dann in den Spiegel sahen, sollten sie ihren zukĂŒnftigen Gemahlen sehen können. Wenn sie Pech hatten, sahen sie stattdessen aber einen TotenschĂ€del. Dann wussten die MĂ€dchen, dass sie noch vor ihrer Hochzeit sterben wĂŒrden.

Der Name Bloody Mary ist wahrscheinlich auf Maria Tudor zurĂŒck zu fĂŒhren. Sie erhielt ihren Beinamen von protestantischen Gegnern aufgrund ihrer Ă€ußerst gewaltsamen Versuche, den Katholizismus im Königreich zu re-etablieren.

FĂŒr diejenigen, die beim Titel Bloody Mary Durst bekommen haben, gibt es unten ein Rezept fĂŒr den berĂŒhmten gleichnamigen Cocktail. Hiermit also „Cheers“ und Happy Halloween!🍾🎃

Juliane Hentschel

 

 

  1 comment for “🎃 Halloween-Extra: Spukende Frauen

  1. Irene
    1. November 2018 at 12:03

    Vielen Dank fĂŒr diesen spannenden, sehr informativen Artikel! Bisher habe ich mir ĂŒber Geister, insbesondere weibliche, noch kaum ernsthaft Gedanken gemacht. Was mir jetzt aber auffĂ€llt: Frauen haben ihre Kinder ĂŒber alles zu stellen, einen eventuell unbekannten Ehemann zu akzeptieren und schön zu sein. Sonst erfolgt Strafe! Aber das kennen wir ja eigentlich schon….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.