Seit dem 1. Mai 2025 findet man an unterschiedlichen Orten in der Bremerhavener Innenstadt Hidden Sheroes – verborgene Heldinnen.

Zum Projekt Hidden Sheroes
Das Projekt Hidden Sheroes stammt von der Künstlerin Ellinor Amini und rückt Frauen und ihre oft übersehene Bedeutung in Geschichte und Gesellschaft ins Zentrum. Die Künstlerin verwandelte Strom- und Postkästen in knalligen Farben zu Kunstwerken, die jeweils einer bestimmten Frau gewidmet sind. In der Innenstadt am Theodor-Heuss-Platz sind Flyer ausgestellt (siehe Bild). Diese beinhalten nicht nur Informationen über das Projekt, man erhält zusätzlich eine Karte der Innenstadt, mit den jeweiligen Standorten der Hidden Sheroes. Eine kleine Information zu jeder Frau gibt es dazu. Wer mehr über alle Biografien der Frauen erfahren möchte, findet weitere Informationen über den QR-Code auf dem Flyer. Es ist ein Projekt des Kulturamtes Bremerhaven im Rahmer der „Reise zur Seele der Stadt“ in Kooperation mit dem Historischen Museum Bremerhaven.
Verborgene Heldinnen
Wir haben uns zwei Heldinnen rausgesucht, die wir euch gerne näher vorstellen wollen.
Hilde Adolf (1953 – 2002)

Hilde Adolf ist im Jahr 1953 in Bremen geboren und dort aufgewachsen. Sie studierte nach dem Abitur Rechtswissenschaften in Bremen und Göttingen. Mit dem zweiten Staatsexamen begann sie ihre berufliche Laufbahn als Rechtsanwältin. Sie setzte sich besonders für Frauen in schwierigen Lebenslagen ein. Ein Jahr nach Karrierestart leitete sie die Außenstelle Bremerhaven der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau. Dort initiierte sie konkrete Projekte, etwa gegen sexuellen Missbrauch von Kindern oder zur Verbesserung der Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum. Hilde Adolf verband ihre juristische Tätigkeit mit einem starken frauenpolitischen Einsatz. Die nach ihr benannten Straßen, Einrichtungen und Preise zeigen, dass ihr Wirken in Bremen und Bremerhaven gewürdigt wird.
Minna Rattay (1902 – 1943)

Minna Rattay wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Bremerhaven auf und arbeitete als Dienstmädchen und Fischarbeiterin. Sie wurde von Zeitzeugen als selbstbewusst, lebensfroh und humorvoll beschrieben. Gleichzeitig zeichnete sie ein starkes Gerechtigkeitsbewusstsein aus, welches sie früh in die kommunistische Arbeiterbewegung führte. Sie setzte sich vor allem für die Abschaffung des Abtreibungsparagraphen 218 und für soziale Gerechtigkeit ein. 1929 heiratete sie den Arbeiter und Kommunisten Franz Paul Rattay, mit dem sie vier Töchter hatte. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet die Familie ins Visier der Behörden. Unter der NS-Herrschaft wurde sie mehrfach verhaftet, ihre Kinder wurden der Familie entzogen. Nach Jahren in Haft kam sie in das Konzentrationslager nach Ravensbrück und schließlich nach Auschwitz, wo sie 1943 starb. Auch ihr Mann kam in verschiedene Konzentrationslager, bis er 1945 aus dem KZ Flossenbürg befreit wurde. Er starb drei Monate später an den Folgen der Haft. Die Töchter der Familie fanden nach dem Krieg wieder zusammen. Heute erinnern ein Stolperstein in der Bürgermeister-Smidt-Straße sowie eine Straße in Bremerhaven-Schiffdorferdamm an Minna Rattay und ihren Mann.
Sichtbar, stark, bunt
Das Projekt Hidden Sheroes ist wichtig, weil es vergessene Frauen in den Vordergrund rückt und sie durch die knalligen Farben auf den Strom- und Postkästen sichtbar werden. „Hidden“ im Namen, aber auffallend bunt auf den Kästen – ein schöner Kontrast. Wer also Lust auf einen bunten, abwechslungsreichen und zugleich informativen Stadtrundgang hat, sollte seinen nächsten Tagesausflug nach Bremerhaven planen. Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche wird es am 17. September 2025 um 12:30 Uhr einen Hidden Sheroes Lunch Walk geben.
Kathrin M.



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