Interview mit ZGF-Praktikantin Franziska Betz über das Projekt Frauen und Flucht

Ein junge Frau sitzt am Tisch

Hat vor allem die Arbeit mit dem Beirat geflüchteter Frauen als Bereicherung erlebt: ZGF-Praktikantin Franziska Betz. Foto: A. Labbert

ZGF-Praktikantin Franziska Betz über das Projekt Frauen und Flucht: „Eine sehr wertvolle Bereicherung“

Wie kommen geflüchtete Frauen in Bremen zurecht? Welche Hilfen und Unterstützung bekommen sie und wo liegen die Probleme? Seit über einem Jahr widmet sich die ZGF diesen Fragen im Schwerpunktprojekt Frauen und Flucht. Die Politikstudentin Franziska Betz (26) hat ihr Pflichtpraktikum im Projekt absolviert. Wir haben sie gefragt, was sie nach drei Monaten mitnimmt.

Du studierst an der Universität Bremen Politik und hast dich jetzt mit der Situation geflüchteter Frauen im Land Bremen im Praktikum stark auseinandergesetzt. Welche Eindrücke und Erfahrungen nimmst du aus dem Projekt Frauen und Flucht mit?

Zuerst einmal habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass ich – trotz aller Offenheit – in meinem Alltag selten mit Frauen mit Fluchterfahrung in Berührung komme. Deshalb habe ich die Treffen mit dem Beirat geflüchteter Frauen, die die Arbeit der ZGF kritisch begleiten und wichtige Impulse im Projekt setzen, als eine sehr wertvolle Bereicherung wahrgenommen.

Generell habe ich das Gefühl, dass seit dem sogenannten „Flüchtlingsdeal“ zwischen der EU und der Türkei in Deutschland das Gefühl entstanden ist, das „Fluchtproblem“ sei gelöst. Aber auch in Bremen leben noch immer Menschen in der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber und Flüchtlinge, der ZASt. Und noch immer haben nicht alle Frauen Zugang zu Sprach- und Integrationskursen, zum Beispiel weil es zu wenige Kurse mit Kinderbetreuung gibt. Auch bei Arztbesuchen, Behördengängen, bei Elterngesprächen oder wenn sie Gewalt erfahren haben, haben geflüchteten Frauen Probleme, weil oft keine geschulten Sprachmittlerinnen und -mittler da sind. Hier im Praktikum habe ich gesehen, dass das an vielen Stellen an der Finanzierung scheitert. Es wurde zum Beispiel berichtet, dass Kinder beim Behördenbesuch übersetzen statt in der Schule zu sein oder Medikamente falsch eingenommen werden. Sprache ist, das betonen auch die Frauen aus dem Beirat, der Schlüssel zur Teilhabe.

Du hast Beiratstreffen mit vorbereitet. Wie war das?

Es hat großen Spaß gemacht! Ich habe mich auch gefreut, weil ich Vorerfahrungen in der Moderation einbringen konnte: Mein Job war es, den Rahmen und den Ablauf der Projektabschlusstagung, die für September geplant ist, bei einem Treffen vorzustellen und zu besprechen. Es wurde parallel übersetzt, aber ich fand es eine coole Herausforderung zu versuchen die Inhalte so darzustellen, dass sie auch mit wenig Deutschkenntnissen verstanden werden können. Später ging es noch ins inhaltliche Brainstorming, weil der Beirat auf der Tagung auch einen Workshop gestalten wird. Da kam total viel: Zum Beispiel ging es um die Anerkennung von Berufs- und Studienabschlüssen, absurde Bafög-Regelungen oder Frauenrechte weltweit. Ums Kopftuch gab es eine große Debatte mit ganz unterschiedlichen Perspektiven. Ich fand es toll, dabei sein zu können und zu sehen, wie vielfältig die Themen und Perspektiven der Frauen sind.

Für uns bietet der Beirat die große Chance, mit den Frauen ins Gespräch zu kommen und ihre Situation besser zu verstehen.

Ja, und dabei wird deutlich, dass geflüchtete Frauen natürlich keine einheitliche Gruppe sind, sondern Menschen mit unterschiedlichen Biografien und Positionen: Einige von ihnen sind Akademikerinnen und/oder haben im Heimatland jahrelang in ihrem Beruf gearbeitet, andere haben keine formale Schulbildung oder sind Analphabetinnen. Einige von ihnen haben Kinder, andere nicht. Einige sind alleine geflohen, andere zusammen mit ihrer Familie, mit dem Partner oder der Partnerin.

Du hast die Abschlusstagung am 13. September erwähnt. Wir wollen an diesem Tag gemeinsam mit dem Beirat und den Akteurinnen und Akteuren der Geflüchtetenarbeit im Land Bremen Bilanz ziehen, Perspektiven und auch ggf. Defizite aufzeigen. Die Ergebnisse des zeitlich befristeten Projekts sollen ja langfristig in Regelstrukturen übergehen. Auch wenn dein Praktikum dann längst vorbei ist: Wirst du dabei sein?

Auf jeden Fall! Ich hab total Lust drauf zu sehen, wie die Veranstaltung am Ende sein wird und was beim Workshop des Beirats rauskommt. Ein wichtiger Teil meines Praktikums war, das Konzept für die Abschlussveranstaltung im September mit weiterzuentwickeln und die Arbeit daran zu unterstützen, organisatorisch und inhaltlich. Manches wird sich sicher noch in den nächsten Monaten verändern. Ich freue mich aber besonders auf den Vortrag von Prof. Dr. Nivedita Prasad, die an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin unter anderem zu rassismuskritischer und menschenrechtsorientierter Sozialer Arbeit mit Geflüchteten forscht und lehrt.

Zu guter Letzt interessiert uns noch: Du hast in den drei Monaten auch eine Behörde von innen kennengelernt. Wie fällt dein Fazit aus?

Neu war für mich auf jeden Fall, die sehr genauen Dienstwege und Abläufe in der Verwaltung kennenzulernen. Ich habe ja an Dienstbesprechungen und Steuerungsrunden teilgenommen und so den Arbeitsalltag der ZGF erlebt. Die ZGF ist auch nah dran am politischen Geschehen und hat als Institution einen gesetzlichen Auftrag. Das finde ich spannend. Wenn ich Leuten erzähle, wo ich mein Praktikum gemacht habe, sagen viele: ZGF – was? Viele können damit gar nichts anfangen, auch politisch interessierte Bremerinnen und Bremer. Schade eigentlich. Ich sage dann meistens sowas wie: ‚Das ist die Landesfrauenbeauftragte, aber die ist nicht alleine. Die hat eine ganze Reihe an Mitarbeiterinnen in Bremen und Bremerhaven, die zu verschiedenen Themen arbeiten.`

Das trifft es auch aus unserer Sicht ganz gut! Vielen Dank für das Gespräch und deine Mitarbeit!

Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau am 15.6.2018

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