Alleinerziehend in Bremen – Die WaBeQ schafft Möglichkeiten

Kind, Karriere, alleinerziehend – unmöglich! Doch dass sich diese Bereiche nicht automatisch ausschließen müssen, zeigt das Projekt JobKick PLUS der WaBeQ. In gemütlicher Atmosphäre begleiteten wir die Teilnehmerinnen bei ihrem Gruppenabschlusstreffen. Zusammen mit den Mitarbeiterinnen der WaBeQ haben die Frauen die letzten Monate Revue passieren lassen und ausgewertet.

Fünf Frauen vor einer Tafel vom Projekt JobKick PLUS

(c) Victoria Kräwinkel

Es ist kein Geheimnis, dass die Vereinbarkeit von Job und Kind nicht immer einfach ist. Gerade für Alleinerziehende scheint dies ein fast unmögliches Unterfangen zu sein. Der Mangel an flexiblen Arbeitszeiten und individuellen Betreuungsplätzen sind da nur ein paar der Hürden, mit denen sie sich beinahe täglich konfrontiert sehen. Eine besondere Schwierigkeit im Leben der alleinerziehenden Mütter ist es zudem, sich inmitten von Kinderbetreuung, Haushalt und Arbeit nicht vollkommen selbst zu verlieren. Aus diesem Grund hat die WaBeQ am 1. August 2016 das gemeinnützige Projekt JobKick PLUS ins Leben gerufen, das über Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds und des Jobcenters Bremen gefördert wird. Es richtet sich an Bremerinnen über 25, die Arbeitslosengeld II beziehen und aufgrund ihrer familiären Situation Unterstützungsbedarf beim (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt haben.

In 9 Monaten fit für den Arbeitsmarkt

In drei Phasen können sich die Frauen realistische berufliche Perspektiven erarbeiten und werden von Mitarbeiterinnen der WaBeQ bei deren Umsetzung unterstützt. Im ersten Schritt erfolgt eine individuelle Beratung in Einzelgesprächen. Dort werden die persönlichen Voraussetzungen der jeweiligen Teilnehmerinnen besprochen und dazu passende Angebote gefunden. Dabei hat jede Frau die Möglichkeit, ihre eigenen Vorstellungen und Ziele einzubringen, um am Ende auch in den Beruf einsteigen zu können, der zu ihr passt. Alle Teilnehmerinnen des Kurses sprachen ein großes Lob für das außerordentliche Engagement ihrer Betreuerinnen aus. In den Gesprächen hätten sich viele in ihrer Rolle als Alleinerziehende erstmals ernst genommen gefühlt.

Ein Tisch an dem vier Stühle stehen. Auf dem Tisch sind Essen und Getränk, Stifte, Mappen und Papier. Im Hintergrund sind Fenster und eine Pflanze in der rechten Ecke vom Projekt JobKick PLUS

(c) Victoria Kräwinkel

An diese Einzelcoachings schließt sich die Gruppenphase des Projekts an. An zwei Vormittagen pro Woche werden die Teilnehmerinnen durch die WaBeQ-Mitarbeiterinnen in den unterschiedlichsten Bereichen geschult. Neben der Begleitung bei der Stellensuche und Arbeitsaufnahme zählen das Informieren zu Sozial- und Arbeitsrecht, ein intensives Bewerbungs- und Kommunikationstraining und die Förderung der familiären Kompetenz zu den Inhalten des Projekts. Ein weiterer Schwerpunkt von JobKick PLUS liegt außerdem in seinem umfassenden Gesundheitsangebot zur Förderung einer gesunden Lebensführung. Denn das Leben als alleinerziehende Mutter ist anstrengend. Zum Stressabbau wurden daher zum Beispiel Massagen, Saunabesuche oder Yoga im Park angeboten, was die Frauen gerne annahmen:

„Wir sind ein Stück weit vom Alltag wegkommen, was wir alle gut gebrauchen konnten.“

Die Gruppenphase bietet den Frauen darüber hinaus eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der sie sich austauschen und gegenseitig in ihren Zielen unterstützen können. „Wir konnten zusammen lachen und uns gegenseitig motivieren“, erzählt eine Teilnehmerin und dass sie immer viel Spaß gehabt hätten. Nach Abschluss der Gruppenchoachings folgt die dritte und letzte Phase. Auf Wunsch kann weiterhin jederzeit eine persönliche Beratung in Anspruch genommen werden. Zudem begleiten die Mitarbeiterinnen die Frauen nun beim direkten Einstieg ins Berufsleben und vermitteln an Arbeitgeber.

Alleinerziehende Frauen starten beruflich durch

Eine offene Tür mit zwei Plakaten, die die Aufschrift Chancenvertreter und Chancenzeiger haben vom Projekt JobKick PLUS

(c) Victoria Kräwinkel

Die Mütter, die an JobKick PLUS teilgenommen haben, äußern sich durchweg positiv zum Projekt. Sie alle gehen gestärkt und selbstbewusst daraus hervor. „Jede Frau wurde da abgeholt, wo sie gerade ist“, schildert eine Teilnehmerin gerührt. Dabei spielt sie auf die vielfältigen Hintergründe an, aus denen sie alle zum Projekt gekommen sind. Manche haben eine kräftezehrende Scheidung hinter sich, anderen wird aufgrund von mangelnden Deutschkenntnissen ein parallel laufender Sprachkurs vermittelt, einzelne möchten einen Schulabschluss nachholen und bei den meisten liegt die aktive Berufsphase weit zurück. Trotz Hürden wie diesen, haben viele der Alleinerziehenden im Laufe des Projekts bereits anschauliche Pläne entwickelt und sich für eine Umschulung, Aus- oder Weiterbildung entschieden. Einige andere Teilnehmerinnen konnten sogar schon in ein Praktikum starten. Das ist für die Frauen der erste Schritt auf dem Weg in einen regulären Job, was das grundsätzliche Ziel von JobKick PLUS ist.

Allerdings stößt das Projekt an seine Grenzen, wo es sich mit gesellschaftlichen Schranken konfrontiert sieht. Ein großes Problem sei beispielsweise, dass es zu wenig flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten gebe, so die Teamleiterin Helga Castens. Und nicht immer können Freunde oder Familie einspringen. Daher sind die Mitarbeiterinnen bei JobKick PLUS froh, den Alleinerziehenden einen aufgeschlossenen Raum bieten zu können, an dem es völlig in Ordnung ist, auch einmal die Kinder mitzubringen. Und auch die Teamleiterin selbst ist optimistisch, was Herausforderungen wie diese angeht: „Man muss so lange nach Lösungen suchen, bis man welche gefunden hat.“ Erste Lösungsansätze und Verbesserungsvorschläge können dabei von den Müttern selbst kommen: die Verantwortlichen wollen mögliche Anregungen für die Zukunft im Kopf behalten, um so künftigen Teilnehmerinnen noch mehr und verbesserte Chancen bieten zu können.

„Es lohnt sich, herzukommen“

Whiteboard zur Projektauswertung mit der Zeichnung einer Hand vom Projekt JobKick PLUS

(c) Katja Kowalzik

Die ungezwungene Stimmung und das viele positive Feedback der teilnehmenden Frauen beeindrucken. JobKick PLUS hält was es verspricht und ist darüber hinaus eine große Stütze für die Alleinerziehenden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass alle Beteiligten, Mitarbeiterinnen und Teilnehmerinnen gleichermaßen, auf eine Weiterführung des Projekts hoffen, das offiziell am 31.01.2018 endet. Für alle Interessentinnen, die genauso überzeugt von dem Projekt sind, wie wir, gibt es weitere Informationen über das Jobcenter Bremen oder direkt in einem der WaBeQ-Büros.

 

Für mehr Informationen:

Faltblatt Projekt JobKick PLUS

Victoria Kräwinkel & Katja Kowalzik

 

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