Seit 2008 repräsentieren die „Meatgrinders“ Bremen im Roller Derby. Mittlerweile gehören sie mit den „Zombies“ aus Münster der Spielgemeinschaft „Brünster“ an, und setzen sich unter diesem Namen regelmäßig in der Bundesliga gegen andere Teams durch. Ich durfte die Meatgrinders bei einem Trainingstag begleiten, und hier meine Eindrücke teilen, damit ihr das Team und den Sport auch kennenlernen könnt.
„Rollschuh fahren macht Spaß, Kontaktsport macht Spaß und die Gemeinschaft ist voll nice!“

Was ist Roller Derby?
Roller Derby wird mit Rollschuhen auf einem ovalen Track ausgeführt und ist ein Vollkontaktsport. Bei einem Spiel („Bout“) treten zwei Teams mit 15 Spieler*innen in zwei Halbzeiten gegeneinander an. Die jeweils 30 Minuten Spielzeit sind unterteilt in maximal zweiminütige Runden, sogenannte Jams, in denen pro Team immer fünf Spieler*innen antreten. Ziel ist es, dass die „Jammer*in“ des eigenen Teams, erkennbar am Stern auf der Helmhaube, die „Blocker*innen“ des gegnerischen Teams überrundet, und so Punkte sammelt. Hierbei ist ein gutes Zusammenspiel des Teams wichtig, um der eigenen Jammie-Person zu helfen, und die gegnerische am Punkten zu hindern.
Ursprünglich entstand Roller Derby in den USA der 1930er Jahre. Damals traten männliche wie weibliche Spieler*innen noch auf einer Steilkurve gegeneinander an, und der Fokus lag zunächst auf Distanz und Ausdauer. Weil Kollisionen und Stürze allerdings die meisten Zuschauer*innen anzogen, wurden die Regeln auf einen kontaktbasierten Wettbewerb angepasst. In den 80ern wurde der Sport aufgrund der Showaspekte weitestgehend als zu inszeniert und veraltet angesehen, und verschwand aus dem Mainstream.
Still und heimlich kehrte Roller Derby in den 2000ern in einer weiblichen Community in Austin, Texas zurück. Die neue, von Frauen organisierte Version legte nun mehr Wert auf einen athletischen Wettkampf und machte Roller Derby zu einem seriösen Sport. Außerdem war sie stark von der Punk-Bewegung inspiriert, und ist bis heute sehr politisch. Moderne Ligen bieten Personen aller Gender, Körpertypen und Hintergründe eine Community und sind fast einheitlich explizit queer-friendly, trans-inklusiv und anti-rassistisch. Seit 2010 gibt es weltweit in jeder größeren Stadt eine Roller Derby-Szene und es finden regelmäßig World Cups statt.
Die Meatgrinders
… waren 2008 eines der ersten deutschen Roller Derby-Teams. Heute gibt es zwischen 20 und 30 aktive Spieler*innen, einige davon sind seit über zehn Jahren dabei. Co-Captain Kačka verrät, dass das Team vor dem Lockdown richtig gut eingespielt war und regelmäßig Erfolge in der Bundesliga feiern konnte, dann aber kaum Trainings und Spiele möglich waren, was dem gesamten Sport sehr zu schaffen gemacht habe. Mittlerweile haben sich die Meatgrinders aber von der Krise erholt und mehr als die Hälfte der jetzigen Spieler*innen sind nach Corona neu dazugekommen. Das Team ist bunt gemischt: Nicht alle spielen in der Bundesliga, vor allem viele der „Newbies“ konzentrieren sich zunächst auf Freundschaftsspiele (auch „Scrimmages“ genannt).
Das Einzigartige an den Meatgrinders ist, nach eigener Aussage, die gute Gemeinschaft. Dem Team wird nachgesagt, dass es besonders freundlich ist. Vor allem die Tatsache, dass es ein mittelgroßes Team ist, trägt zu einem schönen Miteinander bei. Denn auf der einen Seite sind genug Spieler*innen für Bouts da und auf der anderen Seite gibt es keine Aufteilung in A- und B-Teams. Außerdem zieht die offene und tolerante Roller Derby-Community immer wieder neue Leute an. „Es ist einfach schön“, so Kačka, „dass es grundsätzlich ein ähnliches Mindset gibt und man sich auf bestimmte Sachen einfach verlassen kann, und nicht diskutieren muss.“

Zukunftspläne
Gerade geht die Spiel-Saison wieder richtig los, und die Meatgrinders bereiten sich auf die ersten Spiele vor. Das Training startet mit einem Warm-up, zunächst in Turnschuhen, dann auf Rollschuhen und schließlich werden verschiedene Spielsituationen nachgestellt. Trainiert wird am Wochenende für drei Stunden, unter der Woche sind die Trainings in der Regel kürzer. Bis zum ersten Bundesligaspiel am 6. Juni gegen St. Pauli ist noch viel zu tun. Kačka hofft, dass sie es schaffen, sich noch besser einzuspielen und insgesamt eine gute Zeit zu haben. Am 15. August laden die Meatgrinders zu einem Fun-Turnier in Bremen ein, das erste Homebout (Bundesliga-Heimspiel) ist am 21. November gegen die Wannabeats Hannover.
Für die Zukunft wünscht sich Kačka mehr Sichtbarkeit für den Sport, denn je mehr Teams entstehen, desto mehr Möglichkeiten gibt es für Spiele. Hier gehen die Meinungen im Team aber auseinander. Für manche ist es auch ein Pluspunkt, dass Roller Derby eher nischig ist und nicht so kommerzialisiert wird wie andere Sportarten. Der Community-Gedanke steht immer im Vordergrund und alles ist selbst organisiert. Trotzdem freuen sich die Meatgrinders immer über Neuzugänge, denn „Rollschuhfahren macht Spaß, Kontaktsport macht Spaß und die Gemeinschaft ist voll nice“. Dabei ist es völlig egal, ob diese schon Rollschuh fahren können oder es erst lernen möchten, ob sie klein und flink sind oder stark und kräftig. Jede Person kann im Team ihre ganz eigene Stärke finden und ausbauen.
Im Juli findet der nächste Newbie-Kurs statt, dazu können sich Neugierige gerne per Mail unter join@meatgrinders.de melden oder den Meatgrinders auf Instagram folgen, um nichts zu verpassen.
Ein Wohlfühlsport
So wird Roller Derby vielleicht eher selten betitelt. Nach allen Eindrücken die ich beim Training sammeln durfte, hat sich dieses Gefühl bei mir allerdings am stärksten eingeprägt. Dafür, dass es während des Spiels teilweise sehr robust zugeht, ist das Drumherum umso herzlicher. Jede Person wird so angenommen wie sie ist und niemand muss sich verstellen. Dieses Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit ist in der Sportwelt alles andere als selbstverständlich. Schon allein dieser Aspekt macht den Sport zu etwas ganz Besonderem – und die Meatgrinders zu einem Team zu dem man einfach dazugehören will.
Jasmin Hebner



Schreibe einen Kommentar