Kinotipp: Ghostbusters

Das Remake des Films von 1984 sorgte schon vor seiner Premiere für Diskussionen im Internet. Dass nun vier Frauen auf Geisterjagd gehen, scheint vielen nicht zu passen. Auch sonst gab es viel Kritik. Zurecht?

Eine alte Geschichte neu aufgelegt

Eine amerikanische Feuerwache mit einem roten Tor.

Ein Hauptquartier in einer Feuerwache können sich die Geisterjägerinnen nicht leisten. (c) flickr.com/Andrew Huddart (https://flic.kr/p/83kaCi) CC BY-ND 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/)

Die Handlung ist schnell erzählt. Teilchenphysikerin Dr. Erin Gilbert (Kristen Wiig) und ihre Schulfreundin Dr. Abby Yates (Melissa McCarthy) forschten gemeinsam an paranormalen Phänomen. Nach Jahren der Funkstille begegnen sie, gemeinsam mit Abbys Laborpartnerin, Dr. Jillian Holtzmann (Kate McKinnon), einem echten Geist. Die U-Bahn-Angestellte Patty Nolan (Leslie Jones) hat ebenfalls einen Geist gesichtet und beschließt kurzerhand, sich den Geisterjägerinnen anzuschließen. Die Hobbyhistorikerin erweist sich als große Hilfe, denn bald wird die ganze Stadt von Geistern überrannt. Einzig Kevin (Chris Hemsworth), der Rezeptionist der Ghostbusters, ist unbekümmert – er erlernt gerade den Umgang mit dem Telefon.

„Ich weiß nicht, ob das ein Rassismus-Ding war oder ein Frauen-Ding, aber ich bin stinksauer.“

Die Reaktionen auf den Film könnten unterschiedlicher nicht sein. Für einige der beste Film des Jahres, für andere ein Flop. In vielerlei Hinsicht eine Frage des Geschmacks. Fans der alten Filme sollten jedoch eigentlich auf ihre Kosten kommen: Ghostbusters (2016) bietet Humor, ausladende Effekte und ein Team von Geisterjagenden, das New York vor einer Bedrohung retten muss. Die Neuverfilmung der bunten Science-Fiction-Komödie hat alles, was den Film von 1984 zum Klassiker machte. Doch viele der Kritikäußernden würden sich als Fans des Originals bezeichnen. Der einzige augenscheinliche Unterschied ist das Geschlecht der Hauptfiguren. Zwar streiten die meisten der Kommentierenden ab, dass dies der Grund für ihre Ablehnung dem Film gegenüber ist, doch bei der Ähnlichkeit in Handlung und Tonfall der Filme, lässt sich dies zumindest hinterfragen.

Zudem spielt das Geschlecht der Zuschauer*innen eindeutig eine Rolle bei der Bewertung des Films. So bewerteten Männer den Film auf der Seite der Internationalen Movie Data Base im Schnitt mit 4,9 von 10 Punkten, Frauen hingegen mit durchschnittlich 7,7 Punkten. Nach Bekanntgabe, dass nun ein weibliches Team auf Geisterjagd gehen würde, gab es auch offen frauenfeindliche Kommentare. Die Darstellerinnen wurden auch auf persönlicher Ebene angegriffen. Sie seien „unattraktiv“ und niemand wolle einen Film über „unattraktive Menschen“ sehen. Besonders schwer hatte es die Afroamerikanerin Leslie Jones, die Ziel rassistischer Anfeindungen wurde.

Männer können sich mit Frauen nicht identifizieren

Das Ghostbusters-Logo: ein niedlicher Comic-Geist auf einem Verbotsschild

Das Logo bleibt gleich. (c) flickr.com/Toth God of Knowledge https://flic.kr/p/6Bfkp6
CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Wieso scheint es vielen Menschen so schwerzufallen, einen Cast von Frauen zu akzeptieren? Ein Argument, das häufig auftaucht, ist, dass die Zielgruppe des Franchises hauptsächlich aus Männern bestünde. Impliziert wird, dass Männer keine Geschichten über Frauen sehen wollen. Können sie sich nicht mit ihnen identifizieren? Frauen bleibt meist nichts anderes übrig, als sich männliche Identifikationsfiguren zu suchen. Weibliche Charaktere stellen nur etwa 12% aller Protagonist*innen in Filmen dar, fand das Center for the Study of Women in Film & Television heraus. Besonders in Action- und Science Fiction-Filmen bekleiden sie eher Nebenrollen. Ihre Beziehung zu Männern steht dabei meist im Vordergrund.

Ghostbusters geht nun einen anderen Weg. Im Fokus des Films sind die Freundschaften der Frauen. Mit der quirligen Holtzmann, gespielt von der lesbischen Kate McKinnon, hat der Film ebenfalls eine Figur, die als frauenliebende Frau gedeutet werden kann. Dass dies im Film nicht explizit gemacht wird, liegt nach Aussage des Regisseurs vor allem am Filmstudio. Trotzdem stiehlt McKinnon ihren Co-Darstellenden oftmals die Show. Ihre Kampfszene in Zeitlupe ist ein Highlight des Films.

Auf sexualisierende Einstellungen wird dabei verzichtet. Auch die Kostüme der Frauen gewähren wenig Einblicke – sie sind praktisch anstatt hübsch. Über das Aussehen und das Gewicht der Geisterjägerinnen wird weder gesprochen, noch gewitzelt. Vielleicht ist es das, was einige der männlichen Zuschauer vermissen. Wie gut, dass in den letzten Jahrzehnten genug Filme produziert wurden, die ihnen genau das bieten können.

Ghostbusters ist wichtig für die jüngere Generation. Mädchen sehen, dass auch sie das Zeug dafür haben, Wissenschaftlerinnen und Heldinnen zu sein – und auch Jungs brauchen diese Vorbilder, damit alte Klischees abgebaut werden. Abgesehen davon macht der Film einfach Spaß.

Hannah Lena Puschnig

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